Wie unser Bewusstsein Wirklichkeit schaltet


Placebo-Effekt, lucide Träume, Gedanken und Bewusstsein: Der saarländische Biologe und Quantenphilosoph Dr. Ulrich Warnke ist überzeugt davon, dass in der Verbindung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und alter Weisheitslehren der Schlüssel zu vielen Geheimnissen des menschlichen Seins liegt.

Wie wirkt der Geist auf den Körper?

Herr Dr. Warnke, es gibt viele Belege dafür, dass unsere Gedanken und unsere Empfindungen das Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen – Stichwort Psychosomatik. Welche Mechanismen liegen dieser Wirkung aus Ihrer Sicht zugrunde?

WARNKE: Wir können ein ganz einfaches Beispiel aus dem täglichen Leben nehmen: Ich rede jetzt. Mein Geist, als Wille, steuert dabei Materie, in jedem Augenblick meines Lebens, jedenfalls im Alltagsbewusstsein. Man kann nun sozusagen hinuntermarschieren, sich also fragen: Was passiert elementar dabei? Man weiß, dass die Nerven und Muskeln verantwortlich dafür sind, dass ich reden kann kann. Damit Muskeln kontrahieren können, müssen Membrane für bestimmte Minerale durchlässig gemacht werden, es entstehen also sogenannte Aktionspotentiale. Damit sich Membrane verändern können, sind Proteine nötig, und diese Proteine sind Moleküle mit bestimmten Bindungen. Ich muss also mit meinem Geist, mit meinem Willen, in diese Verbindung hineinwirken, damit die Proteine in der Membran sich so ändern, dass ein Aktionspotential entstehen kann. Das heißt mit anderen Worten: Jeder Gedanke, der mit einem Gefühl verbunden ist – denn die Gefühle sind die hauptsächlichen „Schalter“ –, verändert Molekülbindungen. Und nun kommt etwas Interessantes: Man weiß inzwischen, dass Elektronen dafür maßgeblich sind. Diese Elektronen haben eine Eigenschaft, nämlich ein Rotationsmoment, Spin genannt. Und genau diesen Spin der Elektronen kann ich mit meinem Bewusstsein verändern, so dass ich Materie beeinflussen kann. Und das gezielt zu tun, kann ich lernen. Um auf die Psychosomatik zurückzukommen: Gedanken können die Materie zum Beispiel in Richtung Heilung verändern. Wichtig ist dabei, das mein Körper eine Gewissheit haben muß, ein körpereigenes Wissen. Der feste Glaube an etwas kann eine Gewissheit erzeugen. Gewissheit entsteht durch Gefühle, nämlich Zuversicht oder Erwartung. Und diese Gefühlsmomente sind wiederum notwendig, damit die Information abgerufen wird, die sich ursprünglich aufgebaut hat, nämlich Gesundheit.

Wie wichtig ist der „Placebo-Effekt“?

Vermutlich läßt sich so auch die Wirkung des Placebo-Effekts erklären.

WARNKE: Ja, aber es gibt nicht nur den Placebo-Effekt – „Ich werde gefallen“ –, sondern es gibt ja auch den Nocebo-Effekt – „Ich werde schaden“. Es kommt darauf an, welche Gefühle ich investiere. Wenn ich die Gewißheit habe, das körpereigene Wissen, dass ich heil werde, wenn ich also Gefühle der Zuversicht investieren kann, dann passiert das auch. Ich muß aber ganz sicher sein, mein Glaube darf keinen Zweifel beinhalten, sonst funktioniert das nicht. Es gibt dazu hervorragende Versuche, Doppelblindversuche, die immer wieder zeigen, dass tatsächlich meine Gedanken und die dabei investierten Gefühle die Heilung in Gang setzen – oder aber den Schaden, also auch die weitere Krankheit.

Welche Schlußfolgerungen für die Heilkunde könnte, sollte man daraus ziehen?

WARNKE: Nach meiner Ansicht wird dieses Potential nicht genügend genutzt. Ich kann nicht nur durch Robotermedizin eine Heilung bewirken, denn Heilung ist eine Angelegenheit des Körpers selbst mit dem Geist, der dort investiert. Und ganz sicher ist der sogenannte Placebo-Effekt Hauptbestandteil der Heilung. Untersuchungen, in der Schweiz zum Beispiel, haben klar gezeigt: Nicht die eingesetzten Drogen oder Medikamente, nicht die eingesetzte physikalische Therapie war das Entscheidende, sondern das Vertrauen des Patienten in den Arzt, der sichere Glaube daran, dass dieser Arzt heilen kann.

Welche Rolle spielt das Bewusstsein?

Welche Wirkungsmechanismen gibt es dabei? Welche Rolle spielt das Bewusstsein überhaupt, was bewirkt der Mensch als Geist?

WARNKE: Ich will jetzt etwas Provokatives sagen, aber es wird niemand mir widerlegen können, nämlich, dass wir von dieser Welt nichts wissen können, aber auch wirklich gar nichts wissen können ohne die Funktion unseres Bewusstseins. Das heißt, alles, was wir kennen, alles, was wir sehen, alles, was wir bemerken, ist immer und ausschließlich über die Brille eines menschlichen Geistes gelaufen, der ein Bewusstsein hat. Und wenn es nicht über mein Bewusstsein gelaufen ist, dann ist es über ein anderes menschliches Bewusstsein gelaufen, und ich habe mich dem angeschlossen. Was ist Bewusstsein? Bei dieser Frage müssen wir unterscheiden: Es gibt ja nicht nur das Bewusstsein, wie es uns im Alltag immer wieder begegnet, sondern es gibt auch das Unterbewusstsein. Es ist längst bekannt, dass das Unterbewußtsein die Hauptfunktionen des Körpers steuert, nämlich 95 Prozent seiner Tätigkeit, und dass eben nur einen ganz kleiner Teil über das Bewusstsein läuft. Das Bewusstsein setzt ein Ziel, analysiert, aber das Unterbewusstsein steuert alle Funktionen. Wir können Bewusstsein für uns als Schalter definieren, der Informationen in den Körper, in die Materie schafft. Das Unterbewusstsein begegnet uns dabei hauptsächlich im Traum, wobei wir mit diesem Unterbewußtsein viel breitere Möglichkeiten der Wahrnehmung haben als mit dem Alltagsbewußtsein. Und es sieht so aus, als wäre da ein Schlüssel, wie wir unsere Wahrnehmung erweitern können. Wenn es nämlich gelingt, über das Unterbewußtsein und den Traum mehr Information in unseren Körper zu steuern als uns bisher üblicherweise in unserer Kultur beigebracht worden ist, dann würden sich enorme Perspektiven eröffnen. Dafür bietet sich der lucide Traum an. Lucid bedeutet: Ich weiß, dass ich träume, und ich kann den Traum mit dem üblichen Tagbewusstsein steuern – zum Beispiel in Richtung Heilung oder Schmerzlinderung. Ich kann mir aussuchen, was ich erlebe, weil ich es steuern kann. Und es kommt gar nicht drauf an, ob das jetzt eine Halluzination ist oder eine Vision, sondern die Erfahrung ist entscheidend, die mein Körper damit macht. Und diese Erfahrung behalte ich noch, wenn ich diesen luciden Traum abstelle, weil er ja in die Materie hineingewirkt hat. Möglicherweise kann man in Zukunft Heilungen mit Hilfe dieses Mechanismus stark forcieren.

Ist unser Neokortex überentwickelt?

Angenommen, das Potential, mit Hilfe des Unterbewußtseins unser Wohlergehen bewusst beeinflussen zu können, ist natürlich in uns angelegt – was ist dann Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass wir in solche erweiterten Wahrnehmungen so schwer hineinkommen?

WARNKE: Unser Gehirn besteht, ganz einfach gesprochen, aus zwei Abteilungen, einem von der Evolution her uralten Teil, das ist das sogenannte limbische System, das die Materie auf Grund der angeborenen Gefühle steuern kann. Auf der anderen Seite haben wir einen evolutionär neueren Teil des Gehirns, den sogenannten Neokortex. Dieser Neokortex ist für Vernunft, für Analyse verantwortlich, und er sagt dem anderen Teil, wie er sich benehmen soll, er zensiert das limbische System. Dieses System steht in direkter Verbindung mit einer kleinen Drüse, die genau im Mittelpunkt des Gehirns sitzt, der Zirbeldrüse. Wenn jetzt Gefühle entstehen, entweder angeborenerweise oder weil ich gefühlsmäßig auf meine Umgebung reagiere, dann werden durch die Zirbeldrüse körpereigene Drogen freigesetzt, die mir auch den Zugang zur sogenannten Metawelt oder Anderswelt öffnen könnten. Aber der Neokortex sagt: „Geh nicht zu häufig in diese Drogenausschüttung rein, sondern mache das, was der Alltag für dich darstellt.“ Aber es gibt einen Mechanismus, bestimmte Methoden, um den Neokortex zwar nicht abzuschalten, aber in der Aktivität zu hemmen und damit die Zensur zu unterbinden – und auch die plappernden Gedanken, die uns dauernd überfallen. Damit fällt weg, dass wir nur noch über die Vernunftsebene handeln, und wir haben mit Hilfe dieser körpereigenen Drogen, die nun verstärkt wirken können, wieder mehr Kontakt mit der Metawelt, womit wir den Erlebnissen des luciden Traumes schon sehr nah sind. Früher hatten die Völker viel mehr Übung und Lernfähigkeit in Richtung „Neokortex abschalten“, das gehörte zu deren Leben. Aber wir wissen heute, dass es durch die Neuroplastizität des Gehirns möglich ist, auch in dieser Richtung durch regelmäßiges Üben zu lernen. Das könnte künftig eine Methode sein, Heilungsmechanismen in Gang zu setzen.

Theo Löbsak hat im 20. Jahrhundert den Menschen einmal als einen „Irrläufer der Evolution“ bezeichnet – eben deshalb, weil es offenbar zu einer Überentwicklung des Neokortex gekommen ist, durch die sich der Mensch selbst gefährlich werden kann. Wohl durch dieses überproportionale Wachstum sind wir im Vergleich zu dem, was wir erleben könnten und gegenüber erweiterten Wahrnehmungsmöglichkeiten gehemmt. Sehen Sie jetzt eine Trendumkehr?

WARNKE: Ja. Wir werden dieses Erleben eines übermäßigen Neokortex erst einmal hinter uns gebracht haben müssen, damit etwas Neues entstehen kann. Das geht immer in einer Art Sinuskurve: Wir müssen erst einmal übermäßig etwas erfahren haben, um zu merken, dass wir zurück oder in eine andere Sphäre müssen. Dann wird entsprechend gegenkompensiert – bis diese Gegenkompensierung zu stark wird, und es wieder in eine neue, möglicherweise abermals falsche Richtung geht. Aber nur so kann sich Evolution vollziehen. Es muss immer etwas erkannt werden, das falsch läuft, damit gegengesteuert wird. Und ich glaube, genau das passiert jetzt. Der Neokortex hat Gewalt über unseren Körper bekommen, es geht nur noch um Vernunft, um Analyse und um Ziele, die uns schaden, während das eigentlich Vitale in uns, das Erfahrungsammeln mit Hilfe von Empfindungen, zu wenig berücksichtigt ist. Es wird jetzt umgeschaltet werden.

Was hat uns die Quantenphysik zu sagen?

Sie haben ein beeindruckendes Buch mit dem Titel „Quantenphilosophie und Spiritualität“ geschrieben. Die Quantenphysik ist momentan ja in aller Munde, aber man hat dabei auch den Eindruck, dass rundum schon alles „quantelt“, dass dieser Begriff für alles und nichts verwendet wird. Können Sie, auch als Untermauerung zu unserem Thema „Gedanken und Bewusstsein“, beschreiben, was aus Ihrer Sicht die wichtigsten Schlußfolgerungen aus der Quantenphysik sind? Was ändert sich im Weltbild im Vergleich zur klassischen Physik? Und vor allem: Was ändert sich für unser Menschenbild?

WARNKE: Es stimmt, der Begriff Quantenphysik wird inflationär benutzt. Es ist wirklich schlimm, wie viele Menschen dieses Wort in den Mund nehmen, ohne eine Ahnung davon zu haben. Über die wesentlichen Erkenntnisse aus diesem Bereich könnten wir schon seit mehr als 60 Jahren Bescheid wissen, aber sie werden nicht kolportiert, das heißt, die Medien haben dieses Wissen bisher zu wenig in die Gesellschaft gebracht. Nach heutiger – ich sage einmal vorsichtig: mehrheitlicher – Anerkennung geht es um folgende Zusammenhänge: Sie wissen, alles, was wir sehen, was wir Materie nennen, besteht aus Massen. Massen haben ein Gewicht, sie unterliegen der Schwerkraft; Elektronen haben eine Masse, Atomkerne haben eine Masse, alles besteht aus Atomkernen und Elektronen. Aber es gibt einen Raum zwischen Atomkern und Elektron, und der ist riesengroß. Wenn Sie den Atomkern so groß wie einen Fußball annehmen, 20 Zentimeter, dann wäre im Falle des Wasserstoffatoms das nächste Elektron in zehn Kilometer Entfernung. Das ist also ein Riesenraum, und dieser Raum füllt auch uns fast vollständig aus. Zu 99 Komma – und jetzt kommen weitere neun Neunen – Prozent unseres Raumvolumens bestehen wir aus diesem masseleeren Raum. Es gibt keine Masse darin. Oder umgekehrt: Nur zu Null komma – und jetzt kommen acht Nullen und dann eine Eins – Prozent bestehen wir aus Massen. Das ist ein so geringer Prozentsatz, daß man ihn eigentlich vergessen könnte. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wenn wir schon vollständig aus sogenanntem Vakuum bestehen – so heißt der Leerraum in der Physik – was steckt da eigentlich drin? Und hier gibt es ein Modell in der Quantenphysik – es heißt die „Kopenhagener Deutung“ –, das davon ausgeht, daß dieser Raum voll ist von Energie und Information, aber – und das ist jetzt wichtig – als sogenannte Virtualität, als Möglichkeit. Und diese Information, diese Energie, wartet darauf, in die Realität geschaltet zu werden.

Wie entsteht unsere „Realität“?

Mit dem In-die-Realität-Schalten ist gemeint, daß aus dem allgemeinen Raum der Möglichkeiten eine konkrete Wirklichkeit entsteht, die wir sinnlich wahrnehmen können …

WARNKE: Realität ist für uns westliche Menschen – in der östlichen Philosophie sieht‘s etwas anders aus – das, was mit Kräften arbeitet und mit Zeitoperationen. Was heißt das? Wenn wir ein Meßgerät aufstellen, dann wird eine Energie übertragen, es entsteht eine Kraft, es ist etwas vorhanden – Realität. Und weil dieses Vorhandene anders aussieht als das vorher, sagen wir, es ist „Zeit vergangen“. Kräfte entstehen immer erst an Massen, Zeit entsteht immer erst an Massen, und wir nennen diese Kraftoperation und diese Zeitoperation Realität. Man mag nun fragen: Ja, wer schaltet denn aus dem Virtuellen, aus dem Möglichen, in die Realität? Und jetzt kommt etwas ganz Wichtiges: Die „Kopenhagener Deutung“ sagt, es ist eine Beobachtung, der damit verbundene Meßvorgang selbst. Und diese Beobachtung ist an ein Geben von Sinn und Bedeutung gekoppelt. Eine Maschine kann das nicht. Wer aber gibt nun Bedeutung? Menschen oder andere Lebewesen – ein Bewusstsein ist notwendig! Wieder sind wir beim Bewusstsein. Und wir geben Sinn und Bedeutung auch aus dem Unterbewusstsein – mit Gefühlen. Das ist sogar der Sinn der Gefühle.

Die sinnlich wahrnehmbare Realität entsteht demnach durch das Einwirken von Bewusstsein.

WARNKE: Wenn wir einer Beobachtung Sinn und Bedeutung gegeben haben, passiert etwas sehr Eigenartiges: Aus allen Möglichkeiten – das ist eine Überlagerung, ein Rauschen von allem Möglichen – entsteht eine sogenannte Entität. Man spricht vom „Kollabieren der Möglichkeiten“. Entität heißt das, was ein Sein hat, was die Information für eine Kraftübertragung darstellt. Damit sind wir soweit, dass wir etwas messen können, jetzt haben wir Realität. Also, zusammengefaßt: Die Quantenphysik, im speziellen Fall die Quantenmachanik, sagt: Es gibt ein „Meer aller Möglichkeiten“, sprich: den Vakuumbereich – wobei das ist ein schlechter Ausdruck ist, weil Vakuum immer ganz leer wirkt, aber der Raum ist ja voll von virtueller Energie. Und sobald wir aus diesem Meer aller Möglichkeiten eine Möglichkeit herausfischen, die wir mit Sinn und Bedeutung erkannt haben, entstehen Teilchen. Wir nennen diese Teilchen Quanten – es kann sich um Photonen handeln, oder um Gluonen, da gibt es viele Teilchen –, und nun werden Kräfte übertragen, es entsteht Realität. Wichtig ist: Dieses Vakuum, sprich: das Meer aller Möglichkeiten, ist auch in uns. Wenn man es rausnehmen würde aus unserem Körper, blieben nur etwa 20 Mikrometer übrig, man müsste uns mit dem Mikroskop suchen … Unser Übergewicht würden wir allerdings leider trotzdem behalten, weil die Massen ja da drin sind …

„Vakuum raus“ steht als Diät wohl schon deshalb nicht zur Diskussion, weil das „Meer der Möglichkeiten“ ja nicht auf einen menschlichen Körper beschränkt ist.

WARNKE: Ja, das Vakuum jedes unserer Körper geht fließend über in diesen Raum, dieser Raum geht fließend über in die Atmosphäre der Erde, fließend über in den ganzen Kosmos, ins ganze Universum. Der Raum des Universums, einschließlich meines Innenraums, ist identisch mit dem Meer aller Möglichkeiten. Und sobald ich etwas in die Realität geschaltet habe, ist es registriert von dieser universellen Speicherplatte, in der alles mit allem verbunden ist, und die Muster meiner Realität bleiben erhalten. Man spricht diesbezüglich, als Modell, von einer „Musterordnung der X-Teilchen“; man denkt, daß diese Information über „X-Teilchen“ repräsentiert wird. Was immer ich also durch mein Bewusstsein als Realität einspeichere, hier und jetzt, verbreitet sich sofort, quasi instantan, weil es keine Zeit gibt, ins ganze Universum. Und an jedem Ort des Universums könnte ich diese Information wieder herausholen und wieder zu Kräften laufen lassen.

Reichen unsere Gedanken über den Körper hinaus?

Sie zitieren diesbezüglich in Ihrem Buch den amerikanischen Physiker Jack Sarfatti, der sagt: „Mit jedem Gedanken, jeder Handlung beschreiben wir nicht nur unsere eigene kleine Festplatte, sondern speichern auch etwas im Quantenuniversum ab, was unser irdisches Leben überdauert.“ Kann man daraus, vereinfacht gesagt, folgern, dass unsere Gedanken, Gefühle und Empfindungen eine Wirkung haben, die über den eigenen Körper hinausreicht? Und daß damit auch unsere Gedanken mit einer großen Verantwortung verbunden sind?

WARNKE: Absolut. Alles, was wir einspeichern, bleibt für immer erhalten. Was wir in die Realität geführt haben, kann diesseits, in der Materiewelt, gelöscht werden, aber im Meer aller Möglichkeiten ist es weiterhin vorhanden. Und damit ist eine Riesenverantwortung für die Menschheit verbunden. Dafür gibt es inzwischen auch recht gut fundierte Experimente. Das „Global Conciousness Project“ zeigt beispielsweise: Immer dann, wenn viele Menschen gleichzeitig bestimmte Gefühle investieren, verändert sich die Elektronik, sprich die Elektronen. In einem Zufallsgenerator ist dann kein allgemeines Rauschen mehr da, sondern es geht in Richtung positiver oder negativer elektrischer Impuls. Es gibt inzwischen sehr konkrete Hinweise, daß unsere Gedanken, die Gefühle, die wir innerhalb dieser Menschheit investieren, andere Menschen beeinflussen, die Natur beeinflussen, und daß diese Wirkung über die Generation hinaus besteht. Denn für diese universelle Speicherplatte gibt es ja keine Zeit, es ist alles gleichzeitig vorhanden. Das heißt, sie wird immer stärker formiert und kann auch entsprechend wieder abgerufen werden. Und je unverantwortlicher wir mit diesem Prinzip umgehen, umso schlechter sieht es für die Menschheit aus.

Insofern bedeutet die immer wieder zitierte Aussage der Quantenphysik, daß alles mit allem in Verbindung steht, also nicht nur eine Verbindung über den Raum, sondern auch zwischen Vergangenheit und Zukunft …

WARNKE: Ja, ganz eindeutig ist das so. Außerdem ist folgendes interessant: Wie gesagt, nimmt das Unterbewusstsein, also der Teil in uns, der eigentlich alle Körperfunktionen steuert, 95 Prozent unserer Tätigkeit ein. Nur fünf Prozent laufen über die Gedanken, also über das Alltagsbewußtsein. Und jetzt kommt etwas sehr Spannendes: Es gibt inzwischen Physiker, die ein Modell geschaffen haben, das besagt, dass diese 95 Prozent, die das Unterbewusstsein repräsentieren, identisch sind mit den 95 Prozent der Energien im Universum, die als „dunkle Energie“ und „dunkle Materie“ bezeichnet werden. Die beiden zusammengenommen, dunkle Energie und dunkle Materie, machen 95 Prozent aller Energien aus; das, was wir bisher als so wichtig betrachtet haben, was wir sehen können, also die elektromagnetische Energie, nimmt nur fünf Prozent ein. Das ist ein neuer Ansatz, die Welt zu betrachten. Ich glaube, ein sehr erfolgreicher.

Gibt es eine „höhere Intelligenz“?

Könnte man auf der Grundlage einer ganzheitlichen, holistischen Weltsicht, wie sie aus der Quantenphysik hervorgeht, nicht auch anderen Überlegungen im Hinblick auf eine höhere Intelligenz, auf einen Schöpfer, Raum geben? Sie zitieren in Ihrem Buch den Physiker Wolfgang Pauli, der sich schon 1934 kritisch zur Evolutionstheorie geäußert und sinngemäß gemeint hat, dass die „Einführung des Zufalls“ im Grunde nur nötig sei, weil man den Gedanken einer zielgerichteten Evolution ausschließen will – als Folge einer kausalen, materialistischen Weltsicht, wie sie sich im 19. Jahrhundert etabliert hat. Könnte man nun, in einem zeitgemäßen, holistischen Welt nicht einfach davon ausgehen, daß es die Evolution in der bekannten Weise deshalb gab, weil das Potential dafür von Anfang an in dem „Meer der Möglichkeiten“ verankert war? Würde das nicht einige Rätsel erklären?

WARNKE: Die Evolution ist sicher das Ergebnis eines zielbestimmten, sprich intelligenten Systems. Es ist nichts zufällig entstanden. Wir haben das früher angenommen, aber es stimmt einfach nicht. Und die heutige Forderung lautet: Es muss ein universelles Bewusstsein geben, das über uns steht und uns mit steuert, an dem wir insofern teilhaben. Das ist zwar jetzt noch eine Annahme, aber es spricht sehr viel dafür.

Werden wir ein neues Weltbild haben?

Sie haben vorhin die Notwendigkeit für uns Menschen angesprochen, Verantwortung wahrzunehmen? Haben Sie dafür konkrete Empfehlungen?

WARNKE: Wenn wir diesen Mechanismus, den ich versuchte zu skizzieren und der sehr vereinfacht dargestellt ist, aber als Modell recht gute, plausible Grundlagen hat, kennen und ernst nehmen wollen, dann müssten wir, um uns selber nicht zu schaden, ein anderes Leben führen als das, was im Augenblick gesellschaftlich – ich sage wieder: mehrheitlich – anerkannt ist. Wir würden versuchen, Empfindungen zu investieren, die die Materie aufbauend schalten, auch im Hinblick auf Heilung und Gesundheit, und die uns dementsprechend mehr Freude bringen können. Das, was wir damit geschafft haben – mehr Freude in die Welt zu bringen –, würde eingespeichert sein und mehrheitlich auch für nachfolgende Generationen zur Verfügung stehen. Diese Verantwortung wahrzunehmen, würde uns sogar selbst guttun, und wir würden sie gerne wahrnehmen, wenn wir denn erkannt hätten, worum es geht. Es zeigt sich, daß die Evolution zunächst mehr oder weniger neutral gehandelt hat, was unsere menschliche Entwicklung anlangt. Es gab Völker, die im Hinblick auf die vorhin skizzierte Bedeutung des limbisches Systems, der Zirbeldrüse und der körpereigenen Drogen die Innenwelt verstärkt gesehen haben. Dann kam die Technik, und sie hat uns genau in die falsche Richtung geführt, nämlich in die der analytischen Vernunft, aber nicht berücksichtigt, wie die Welt sich ändert, wenn wir ohne Empfindungen und ohne ausreichenden Kontakt zur Innenwelt nur noch auf Vernunftbasis arbeiten. Und im Augenblick sind wir gerade wieder an einem Punkt angelangt, wo sehr viel schiefgeht, wo das Wissen um diese zweite Hälfte des Menschseins, die eigentlich im Gleichgewicht mit der anderen stehen sollte, immer dringender nötig ist. Aber so läuft es. Je tiefer wir absinken, als umso wichtiger wird die andere Seite wiedererkannt werden. Inzwischen gibt es aus dem engeren Kreis der Physiker genügend Beispiele für die Beschreibung dieser neuen Welt. Ich denke, daß etwas passiert, sozusagen ein Paradigmenwechsel, von dem die Menschheit profitieren wird.

Sie selbst arbeiten gerade auch an einem neuen Buch, das sich mit praktischen Anwendungen der Quantenphilosophie beschäftigt. Welche Inhalte dürfen sich Ihre Leser damit erwarten?

WARNKE: Eine praktische Anwendung tut einfach not. Wir müssen wieder etwas üben, das wir in unserer Gesellschaft bisher vernachlässigt haben, nämlich die Gedanken weitgehend abzuschalten, den Zensor des limbischen Systems zu stoppen, um dem Ursprung unserer Gefühle wieder eine größere Bedeutung zu geben. Wir können für die Zukunft lernen – und das soll in dem neuen Buch beschrieben werden –, diesen Mechanismus so einzustudieren, daß er genauso gewohnt wird wie unser heutiges tägliches Erleben in einer immer mehr technisch bestimmten Welt. Das funktioniert, wie man weiß, nach 14 Tagen. Wenn ich etwas übe, wie autogenes Training zum Beispiel, dann habe ich nach 14 Tagen ungefähr den Mechanismus automatisch drin. Wenn wir uns also eine Art Meditation – und es gibt weitere Methoden, es muß nicht Meditation sein – angewöhnen, dann kommen wir auch an Informationen heran, an die wir im Augenblick gar nicht denken können. Das heißt, wir holen aus dem Meer aller Möglichkeiten – so nenne ich dieses Bewußtseinsfeld des Universums, das ja schon viele Erfahrungen von uns eingespeichert hat; es ist die sogenannte Anderswelt, mit der wir aber dauernd kommunizieren; wir können ebenso auch vom Unterbewußtsein reden –, wir holen aus diesem Feld etwas in uns hinein, was wir dann konkret umsetzen können. Man nennt das auch die Glaubenswelt, aber es geht um viel mehr als einfachen Glauben, es geht um etwas, das dann mit Kräften in uns hineingeschaltet wird. Und ich denke, dieses neue Buch bringt eine praktische Anleitung, wie wir das lernen können. Alles muss gelernt werden.

Das klingt so, als ob sich darin altes, vor allem östliches Wissen mit den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen treffen wird.

WARNKE: Ja. Der Dalai Lama hat ja übrigens auch genau diese Ziele: Er trifft sich mit Wissenschaftlern und versucht, Gemeinsamkeiten zwischen der Quantenphysik und den alten Traditionen herauszufiltern. Ich würde diesbezüglich auch die Alchemie erwähnen. Sie ist eine uralte Tradition, die geheimgehalten wurde, weil sie sehr viele Möglichkeiten beinhaltet, mit denen man auch Schlechtes anstellen kann. Aber wenn eine bestimmte Reife in die Gesellschaft kommt, werden wir genau diese alten, traditionellen Methoden wiedererwecken, um sie für uns nützlich zu gestalten.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Anmerkung: Das zuletzt erwähnte Buch erschien 2013 unter dem Titel „Quantenphilosophie und Interwelt“