„Das Glück im Äußeren zu suchen, ist so, als ob man Durst hat und Salzwasser trinkt"

Für die Filmproduktion „Lebensfreude“ sprach ich mit dem prominenten Nürnberger »Peaceworker« und Weltenbummler Pino Fusaro über das Thema Glück.

Bis vor nicht allzulanger Zeit waren Sie im Raum Nürnberg als Gastronom in der Wirtschaft sehr bekannt. Dann haben Sie sich entschieden, ihr Leben doch ziemlich drastisch zu ändern. Was waren die Motivationen dafür?

FUSARO: Ich war, wie Sie schon sagten, Gastronom – und das knapp 28 Jahre lang, ich hatte große und kleine Gastronomien, insgesamt elf, und ich hatte eigentlich alles im Leben. Ich habe sehr viel Geld verdient, die schönsten Autos gefahren, die tollsten Reisen gemacht. Ich war an Orten wie Ibiza, Monte Carlo, San Tropez, Miami oder Los Angeles zu Hause – und das über viele, viele Jahre. Aber die Erfolgserlebnisse, die ich immer wieder hatte, blieben doch nur Momente, und nach einer Zeit war wieder alles ganz normal. 

Irgendwann dachte ich dann: das kann es doch nicht sein, und ich habe mich umgeschaut nach einem Weg zu beständigem Glück. Ich habe angefangen, mich mit Esoterik zu beschäftigen, später mit dem Hinduismus, aber auch darin fand ich nicht das, was ich suchte. Wirklich berührt hat mich ein Buch des Dalai Lama – so sehr berührt, daß ich 1998 bei einem seiner Vorträge war – und ab dem Punkt hat sich dann Schritt für Schritt mein Leben verändert.

Was würden Sie aufgrund dieser Veränderung zum Begriff Glück sagen? Was ist Glück für Sie?

FUSARO: Ich habe Glück früher immer im Äußerlichen gesucht – und es nie gefunden. Heute kann ich sagen, dass ich das Glück in mir gefunden habe. Ich bin nicht nur einen Moment lang glücklich oder zwei Momente oder einen Tag lang. Es ist eine Glückseligkeit, die sich über Tage, Wochen erstreckt. Aber diesen Reichtum kann man nur in sich finden, im eigenen Herzen, in der eigenen Seele!

Sie sind seit einigen Jahren als Pilger unterwegs und haben große Wanderschaften gemacht, unter anderem sind Sie von Nürnberg aus den Jakobsweg nach Santiago de Compostela gegangen. Waren diese Wanderungen und die damit verbundene Konfrontation mit sich selbst der Schlüssel für Ihre Erkenntnisse?

FUSARO: Ja, ich hab die Türe zugemacht und bin losgelaufen. Und auf diesem Weg mußte ich ja auf alles verzichten. Vor allem als erstes auf meinen Namen. „Ich bin der Pino Fusaro!“ – Das war auf einmal gar nicht mehr wichtig. Ich hatte auch nicht mehr die Bequemlichkeiten, die ich zu Hause hatte – tolles Auto, tolles Haus und tolle Freunde, was auch immer. Ich war einfach ein ganz normaler Pilger. Und diese Reise, die eben auch mit Anstrengungen und Verzicht und Schmerz verbunden war, hat in mir eine körperliche und geistige Reinigung geschaffen und mich zu meinem wahren Selbst geführt, hat mir Dinge gezeigt, die ich vorher gar nicht kannte … die Dankbarkeit für ein Dach über dem Kopf, für Essen, Trinken, für meine Gesundheit – was so wichtig ist! Und die Dankbarkeit dafür, an diesem Leben teilnehmen zu dürfen, was nicht selbstverständlich ist. Das Leben ist ein offenes Buch. Es kann morgen schon wieder zu sein, egal, ob man reich oder arm, jung oder alt ist. Und für die Zeit, in der ich hier bin und dieses Leben leben darf, bin ich sehr, sehr dankbar! Und diese Dankbarkeit schafft in mir Zufriedenheit und Glückseligkeit.

Sie haben 2002 gemeinsam mit einem Schauspieler die Organisation „Peaceworkers“ gegründet. Welche Idee steckt dahinter?

FUSARO: „Peaceworkers“ ist aus der Haltung heraus entstanden, Menschen zu helfen, was mir sehr, sehr am Herzen liegt. Es ist eine Bewegung von Menschen, die über ihren Tellerrand schauen. Das heißt, wir unterstützen Kinder, wir unterstützen Tiere, wir setzen uns für die Natur ein, wir setzen uns für die Menschenrechte ein. Und das Besondere an dieser Organisation, an dieser Bewegung, ist, dass wir keine Verwaltungskosten haben. Alle Kosten, die entstehen, tragen die Beteiligten aus eigener Tasche. 

Welchen Menschen helfen Sie damit zum Beispiel? 

FUSARO: Jasmina war ein fünf Jahre altes herzkrankes Kind, das in Rumänien von den Ärzten aufgegeben worden war. Ich habe die Unterlagen über ihre Krankheit nach Deutschland mitgenommen, um zu schauen, ob es doch noch möglich wäre, ihr junges Leben zu retten. Und nachdem Ärzte in München den Befund angeschaut hatten, haben sie uns gesagt, dass sie dem Mädchen helfen können, aber es wären 27.000 Euro dafür nötig. Um so große Summen aufzubringen, müssen wir natürlich an die Öffentlichkeit gehen und einen Spendenaufruf machen. Aber solche Aufrufe sind immer für ganz spezielle Projekte gedacht. 

Was ist das Hauptanliegen der „Peaceworkers“?

FUSARO: Unsere Botschaft lautet, für den Frieden zu arbeiten – in den Herzen der einzelnen Menschen und auf der Welt. Denn solange es keinen Frieden in unseren Herzen gibt, kann es auch keinen Frieden auf der Welt geben. Deswegen ist es ganz wichtig, dass wir erst für unseren eigenen Frieden arbeiten. Wenn wir Frieden in unseren Herzen haben, dann können wir diesen Frieden hinaustragen – in unsere Familie, zu unseren Freunden, in die Gemeinschaft, in der wir leben. Wir sind nicht auf dieser Welt, um die Welt zu verändern. Wir sind hier, um uns selber zu verändern und Vorbild für die anderen zu sein. Dadurch wird sich dann die Welt verändern. 

Wenn Sie wandern oder pilgern – machen Sie das im Grunde nur für sich, oder verbinden Sie damit eine besondere Botschaft, etwa um die Idee der „Peaceworkers“ zu vermitteln?

FUSARO: Wenn man so einen Weg geht, kann man das nicht trennen. Wenn ich auf Wanderschaft bin, verbinde ich damit natürlich auch die geistige Weiterentwickelung. Ich denke, jeder Mensch, der auf der Suche ist oder eben spirituell ausgerichtet ist, strebt die Vervollkommnung an. Mir ist es sehr wichtig, dass ich mich geistig weiterentwickle, weil das zu meiner Zufriedenheit, Lebensfreude und Glückseligkeit beiträgt. Ich spüre auch, je mehr man sich geistig weiterentwickelt, um so freier wird man. Und die Veränderung, die in einem selbst stattfindet, spüren auch andere. Ich erlebe immer wieder, dass ich für andere, denen ich begegne, wie ein Magnet wirke. Wildfremde Menschen kommen auf mich zu, wollen wissen, wer ich bin, woher ich komme – und dann geht es schon in tiefere Gespräche hinüber, sogar, wenn ich deren Sprache gar nicht verstehe. Wie zum Beispiel, als ich durch Frankreich gewandert bin. Ich konnte nicht französisch, aber es haben trotzdem Gespräche stattgefunden. Man ist sich in die Arme gefallen, manchmal sind sogar Tränen geflossen, man hat sich mit einem Lächeln verabschiedet und ist weitergegangen … Für mich ist es ein wunderschönes Gefühl, wenn ich durch meine Wanderschaften die Herzen der Menschen berühren kann!

Wie erreicht man aus Ihrer Sicht Glück? Soll man es überhaupt erreichen wollen?

FUSARO: Ich denke, Glück ist für jeden anders. Aber wer es im Äußerlichen sucht, kommt bei dieser Suche nie zu einem Ende. Denn würde so ein Mensch die ganze Welt besitzen, dann würde er auch noch nach dem Mond trachten. Das Glück im Äußeren zu suchen, ist so, als ob man Durst hat und Salzwasser trinkt. Je mehr man von dem Salzwasser trinkt, desto mehr Durst bekommt man – aber nie erreicht man die Durststillung. Ich persönlich denke, dass man wirkliches Glück im Inneren suchen muss – und da wird man es auch finden. Glück ist ein Geschenk, das in uns liegt, ein Reichtum, den uns auch keiner nehmen kann. Und wir entscheiden darüber, ob wir es erleben können. Zu wissen, dass es diesen Reichtum gibt und dass wir über ihn verfügen können, das ist, finde ich, etwas ganz Großes. Glück findet man nur in seinem Inneren.