„Gehirnströme sind nur die Oberfläche!“


Lernstörungen und cerebrale Schädigungen: Das Stuttgarter „Institut für Kommunikation und Gehirnforschung“ hat mit ungewöhnlichen musiktherapeutischen Ansätzen Erfolg. Ein Gespräch mit dem Institutsleiter Günter Haffelder

Günter Haffelder, Gehirnforscher aus Stuttgart, hat in seinem „Institut für Kommunikation und Gehirnforschung“ ein spezielles Meßverfahren – die EEG-Spektralanalyse – weiterentwickelt, das ungewohnte Einblicke in Gehirnprozesse bietet und differenzierte Aussagen zu persönlichen emotionalen Themen oder Lern- und Gedächtnisleistungen ermöglicht. Auf der Grundlage dieser Analyse ist es beispielsweise möglich, Lernstörungen erfolgreich zu beheben und bestimmte Gehirnschädigungen zu überwinden, indem die „Neubahnung von ausgefallenen funktionellen Prozessen des Gehirns“ gezielt gefördert wird. Zu diesem Zweck kommen spezielle, auf jeden einzelnen Patienten abgestimmte „neuroaktive CDs“ zum Einsatz – eine letztlich einfache, aber offenbar hochwirksame Form der Musiktherapie, für die Haffelder übrigens gern auf Wolfgang Amadeus Mozart zurückgreift …

Herr Haffelder, was kann man denn aus Ihrer Sicht zusammenfassend sagen: Ist es möglich, über Messungen – Gehirnstrommessungen, EEG-Messungen – wirklich etwas über die Persönlichkeit eines Menschen auszusagen? Und wenn ja, wie weit geht eine solche Aussage?

HAFFELDER: Ja, wir können heute mit unserem Meßverfahren, also mit der EEG-Spektralanalyse, die Persönlichkeit sehr präzise erfassen. Das hat den Hintergrund, daß wir am limbischen System messen und frontal ableiten, also an der Stirn. Dadurch, daß wir am limbischen System messen [Anmerkung der Redaktion: das „limbische System“, das der Verarbeitung von Emotionen dient und mit dem Triebverhalten in Zusammenhang steht], können wir bei entsprechender Fragestellung genau erkennen, was sich in dem Moment im Menschen tut. Die Analyse hängt also immer auch mit bestimmten Fragen zusammen, die wir stellen, und das limbische System reagiert eben gefühlsmäßig darauf.

Solche EEG-Spektralanalysen sind eine Spezialität Ihres Instituts. Was konkret kann man denn aus einer solchen Analyse zum Beispiel herauslesen?

HAFFELDER: Wir können die Befindlichkeit des Patienten herauslesen und wir können die Gefühle herauslesen. Je nachdem, welche Fragen wir stellen, reagiert natürlich das Gehirn darauf, und es zeigen sich auch Blockaden, Barrieren. Wenn ich zum Beispiel einen Mann auffordere, er solle an seine Familie denken oder an seine Ehefrau, kann ich sofort erkennen, ob dort alles stimmt oder nicht, ob da Blockaden sind, ob da Ängste sind und so weiter.

Und was machen Sie auf Grund dieser Analyse? Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es für eine Hilfestellung?

HAFFELDER: Erst einmal führen wir mit jeder Person einen Grundtest durch, und auf der Grundlage aller Tests, bei denen wir natürlich sehen können, was sich verändert, was vom normalen Standard abweicht, erstellen wir eine sogenannte neuroaktive CD. Das ist Musik mit ganz gezielten Impulsen, die dann im Gehirn bestimmte Botenstoffe aktivieren oder Blockaden auflösen.

Können Sie Beispiele nennen für Erfolge, die Sie mit dieser Therapie hatten? Welche Indikationen gibt es da?

HAFFELDER: Wir können zum Beispiel bei Lernstörungen helfen. Aber bei Lernstörungen gehen wir noch einen Schritt weiter. Wir können zum Beispiel ein Lernfenster im limbischen System öffnen, und durch dieses Öffnen des Lernfensters ist es völlig egal, was der Mensch oder das Kind lernen soll; wenn dabei die Musik gehört wird, ist das Lernen erfolgreich – allerdings brauchen wir dazu auch noch Bewegung. Das heißt, wir setzen das Kind auf ein Kissen, das mit Luft gefüllt ist, so daß es immer in einer Mikrobewegung ist, und das führt dazu, daß die Lerninhalte gut im Gehirn abgelegt und vernetzt werden. In diesem Bereich haben wir sehr große Erfolge.

Lernen hängt ja auch mit Gedankentätigkeit zusammen, aber die meisten Gedanken, die wir im Alltag hegen, sind ja auch mit bestimmten Gefühlen, Empfindungen und Erlebnissen verbunden. Was ist denn aus Ihrer Sicht das Wesen der Gedanken? Geht es dabei nur um Gehirnströme, die meßbar sind, oder sind da, wenn wir denken, aus Ihrer Sicht auch noch irgendwelche anderen Kräfte im Spiel, die durch das Denken und Fühlen bewegt werden?

HAFFELDER: Sagen wir so: Die Gehirnströme sind nur die Oberfläche. Da liegt noch sehr viel darunter oder darüber. Wir haben bei uns im Institut sehr viele Forschungsmessungen mit Menschen gemacht, die über besondere Fähigkeiten verfügen, und haben festgestellt, daß es wirklich verschiedene Ebenen gibt, in die sie mental gehen können, und daß sie sich Wege freigeschaltet haben, die eben nicht allen Menschen zugänglich sind. Wir konnten dann durch verschiedene Anordnungen, zum Beispiel durch das Einspielen von Musik oder durch bestimmte Körperübungen, bei anderen Menschen diese Wege auch freischalten und sehen, daß sie dadurch in einen anderen Bewußtseinszustand kamen. Wir haben Mönche gemessen, Menschen, die Qigong praktizieren, wir haben Heiler gemessen, in Österreich auch einen Mann, der über einen Röntgenblick verfügt, und so weiter – eine ganz große Bandbreite.

Und welche Effekte, zum Beispiel bei Heilern, konnten Sie dabei mitverfolgen?

HAFFELDER: Es gibt verschiedene Methoden des Heilens. Es gibt Heiler, die klinken sich zum Beispiel in den Patienten ein, übernehmen dessen krankes Muster, gleichen es in sich aus und schicken es sozusagen repariert wieder zurück. Und dann gibt es andere Heiler, die bestimmte Energien senden, und so weiter …

Demnach gibt es aus Ihrer Sicht jedenfalls eindeutige Belege dafür, daß Gedanken oder besondere Energien über die eigene Person eines Menschen hinauswirken. Gibt es also auch so etwas wie Gedankenübertragung?

HAFFELDER: Ja, eindeutig, auf jeden Fall! Wir haben zum Beispiel mit einem Heiler in dieser Richtung gezielte Experimente gemacht. Dieser Heiler befand sich in Japan, es war eine Mitarbeiterin von uns dort und hat ihn ans EEG angeschlossen, wir hatten telefonische Verbindung. Er bekam zwei Aufgaben, einmal hier in Stuttgart eine Patientin zu heilen, wobei er gar nicht wußte, was sie hatte, und außerdem sollte er in St. Petersburg an der Universität Wassergläser zu erhitzen versuchen – oder sagen wir besser, zu erwärmen. Und er schaffte es bei diesem Experiment, zwei Gläser aus der Ferne um 2,3 Grad zu erwärmen. Das ist natürlich eine immense Leistung! Es war allerdings so, daß meine Mitarbeiterin, die ihn in Japan ans EEG angeschlossen hatte, befürchtete, daß mit den Messungen irgendwie etwas schiefgegangen sei. Sie rief mich an und sagte, das könne überhaupt nicht sein! Denn solche Meßergebnisse hatte sie noch nie gesehen. Die Spektralanalyse sah ungefähr so aus, als ob man mit dem Frequenzgenerator durchfährt!

Das heißt, es war ein Effekt sichtbar, indem sich das Wasser meßbar erwärmt hat, und gleichzeitig war mit dem EEG festzustellen …

HAFFELDER: … daß er wahrscheinlich versucht hat, genau die Resonanzfrequenz mit diesen Gläsern zu finden. Das war erstaunlich, aber die Meßergebnisse haben natürlich gestimmt, das Equipment war in Ordnung, es war wirklich so. Wir hatten seinerzeit übrigens auch das Glück, den Ausbilder der russischen Sojus-Mannschaft auf dem Gebiet der Gedankenübertragung hier zu haben. Er hatte allerdings nur einen Tag Zeit, so daß wir alles sehr dicht packen mußten. Ich habe ihm die Aufgabe gestellt, er solle doch eine Telefonnummer per Gedanken nach Moskau übertragen, und zwar eine Geheimnummer aus unserem Institut, und er solle jemand dort beauftragen, diese Nummer anzurufen, so daß wir überprüfen können, ob die Übertragung angekommen ist oder nicht. Er war an das EEG angeschlossen, und eine dreiviertel Stunde später läutet das Telefon mit dieser Nummer. Es war tatsächlich eine russische Stimme am Telefon. Es hatte geklappt! Der Hintergrund für die Förderung von telepathischen Fähigkeiten war damals wohl der, daß die Russen Angst hatten vor der überragenden Technik der Amerikaner und ihre ganze Sojus-Mannschaft deshalb in Gedankenübertragung ausbildeten.

Tun sich angesichts solcher Ergebnisse aus Ihrer Sicht Möglichkeiten für den Menschen auf, die derzeit brachliegen, die aber genutzt werden sollten?

HAFFELDER: Ja, sehr viele, allerdings: Es kommt wieder auf den Menschen an. Man kann ungewöhnliche Fähigkeiten natürlich auch mißbrauchen. Und das ist an sich die große Gefahr, das ist auch eine der Gefahren, warum ich zum Beispiel die CDs, die ich zum Ausgleich von bestimmten Störungen einsetze, bis heute selbst anfertige.

Ihre Musikproduktionen sind also Eigenproduktionen. Bedeutet das, Sie verwenden für diese Therapiezwecke keine fertige Musik, sondern stellen die Musik selbst her?

HAFFELDER: Nicht ganz. Wir benutzen bisher Mozart-Musik. Allerdings muß ich sie immer neu einspielen lassen, wofür mir glücklicherweise ein sehr gutes Orchester zur Verfügung steht. Wir müssen die Musik, die wir für therapeutische Zwecke verwenden, deshalb neu einspielen, weil der normale Grundton A bei 440 Hz gestimmt ist, und das ist für unsere Zwecke zu hoch. Wir verwenden die alte französische Stimmung von 432 Hz. Alle Körperrhythmen sind mit dieser Stimmung verbunden, also benutzen wir sie und lassen dann immer langsamer spielen, bis wir bei EEG-Messungen auf Grund von bestimmten Parametern sehen, daß zum Beispiel der Spiegel eines Botenstoffs, der unbedingt für das Lernen notwendig ist, steigt. Wenn er angestiegen ist, dann wissen wir, jetzt haben wir die richtige Geschwindigkeit. Wir benutzen die Musik also quasi als Träger, und darauf kommen zum Beispiel spezielle „Frequenzpatterns“, die wir erstellen, um bestimmte Blockaden zu lösen.

Herzlichen Dank für diesen Einblick in Ihre Arbeit und für das informative Gespräch!