„Unsterblich in der 6-dimensionalen Welt“ – Die Physik Burkhard Heims


Der deutsche Physiker Burkhard Heim (1925–2001) zählt zu den (fast) vergessenen großen Denkern des 20. Jahrhunderts. Vor Jahrzehnten wurde er noch als „neuer Einstein“ gehandelt. Er entwarf ein neues, mathematisch fundiertes Weltbild mit sechs Dimensionen, das auch das Seelisch-Geistige mit umfasst. Einer von Heims Zeitgenossen und Freunden ist der Astrophysiker Illobrand von Ludwiger. In diesem Interview erzählt er von revolutionären Gravitationsantrieben und von der Möglichkeit eines Wissenschaftsverständnisses, das auch religiös-spirituelle Komponenten mit einschließt.

In Ihrem BuchUnsterblich in der 6-dimensionalen Weltbefassen Sie sich mit dem Weltbild von Burkhard Heim, der im allgemeinen ja als eher schwer zugänglich gilt. Wann und wodurch sind Sie auf ihn aufmerksam geworden?

VON LUDWIGER: Schon sehr früh, vor 60 Jahren. Als ich aus der DDR in den Westen kam, um meinen Großvater zu besuchen, habe ich in einer Illustrierten einen kurzen Bericht über einen jungen Physiker gelesen, der eine neue Flug-Antriebsart erfunden hatte, die Gravitationsfelder benutzte. Als Physikstudent habe ich 1957 anlässlich einer Tagung über „Raketentechnik und Raumfahrtforschung“ in Frankfurt einen Vortrag von Heim gehört und ihn anschließend persönlich kennengelernt.

Ich habe selbst Gravitationstheorie studiert, bin dann in die Raumfahrt gegangen und habe für Heim geworben, er war dann dort auch als Berater tätig. Ich bin sozusagen mit ihm aufgewachsen. Wir waren bis zum Jahre 2001, als er gestorben ist, befreundet. Aus seiner Theorie, die ja – im Gegensatz zu Einstein – nahe legt, dass man Gravitation doch künstlich erzeugen kann, habe ich sehr viel gelernt.

Gab es diesen Antrieb wirklich schon fertig konstruiert, oder handelte es sich zunächst nur um ein Konzept?

VON LUDWIGER: Es gab ihn erst einmal als Theorie. Wir haben in den 1980er Jahren bei der DASA [Anm.: deutscher Luft- und Raumfahrtkonzern, heute Airbus] versucht, Gelder für ein Experiment zu bekommen. Wir wollten das, was Heim voraussagt, dass nämlich neutrale rotierende Massen ein Magnetfeld erzeugen, im Experiment überprüfen. Das aber hätte 2 Millionen D-Mark gekostet, und dieser Betrag war nicht aufzubringen. Das Experiment ist bis heute nicht durchgeführt worden. Aber wenn es stimmt, dass man auf diese Weise ein Magnetfeld erzeugen kann, dann müsste es umgekehrt auch gelingen, durch sehr starke gegenläufig rotierende Magnete ein Gravitationsfeld zu erzeugen. 

Was sind denn, zusammenfassend betrachtet, die wichtigsten Ansätze im Weltbild von Burkard Heim? Was ist neu darin?

VON LUDWIGER: Neu ist, dass er nicht sagt, dass nur die Gravitation ein geometrischer Effekt ist, sondern dass alles geometrisiert werden muss. Heim hat in seiner Theorie zunächst das elektromagnetische Feld und das Gravitationsfeld einheitlich beschrieben. Später hat er versucht, die Felder geometrisch zu interpretieren. Wenn man aber so vorgeht, kommt man nicht mit vier Dimensionen aus, sondern man muss noch zwei imaginäre dazu nehmen. „Imaginär“ bedeutet, dass diese Dimensionen nicht durch Länge, Breite und Höhe definiert sind. Das war Heims neue Idee: die Welt sechsdimensional zu betrachten.

Betrachtenheißt in diesem Fall: Er hat sie auch mathematisch so beschrieben.

VON LUDWIGER: Ja. Aber die Physiker wissen nicht, was zusätzliche Dimensionen sein sollen. Heim sagt, dass es sie nicht nur mathematisch und kompaktifiziert gibt, sondern dass sie tatsächlich ausgebreitet sind, dass es sie in der makroskopischen Welt gibt. Nur können wir sie nicht so richtig fassen und nicht messen. Bei Heim laufen sie durch die Welt. Die fünfte Dimension wirkt organisierend. Aber immer im Zusammenhang mit einem Ziel, wohin sich etwas organisieren muss – und das ist die sechste Dimension. Sie bestimmt, wie die Organisation in der Zeit abläuft. 

Vor einigen Jahrzehnten waren die Ideen von Burkhard Heim viel beachtet, einige Medien haben ihn sogar mit Albert Einstein verglichen. Heute ist er eher in Vergessenheit geraten. Warum, glauben Sie, hat Burkhard Heim die Anerkennung, die er, wenn man Ihrem Buch folgt, unbedingt verdienen würde, nicht erhalten? 

VON LUDWIGER: Die wird noch kommen. Es liest ja kaum jemand seine Werke – weil sie nicht in Englisch geschrieben sind, und auch die deutsche Fassung ist nicht optimal publiziert worden. Das Manuskript musste von ursprünglich 800 Seiten auf die Hälfte zusammengestrichen werden. Es fehlt also vieles, und manches ist im Versuch zu kürzen auch didaktisch nicht gut geschrieben. Einige Physiker meinen deshalb: Man müsste Heims Werk umschreiben, aber die grundlegenden Ideen sind  genial. 

Ihrem Buchtitel und damit auch dem Weltbild von Burkhard Heim zufolge ist der Mensch ein sechsdimensionales, unsterbliches Wesen. Was bedeutet das konkret im Hinblick auf den Tod? Leben wir nach Ihrer Auffassung in irgend einer Form nach dem Tod weiter?

VON LUDWIGER: Ja. Natürlich muss man erst einmal definieren: Was ist das denn, das da weiterexistieren soll? Die die beiden zusätzlichen Dimensionen, die Heim postuliert, sind ja etwas Qualitatives. Aber über Qualitatives spricht die Physik nicht. Also muss man versuchen, die Physik und deren Weltbeschreibung zu erweitern – und auch die aristotelische Logik, die bloß Ja-Nein-Aussagen zu Sachverhalten enthält, zu ändern. Das hat Heim auch gemacht. Danach kann man versuchen, Qualitäten und Quantitäten zusammenzuführen und zu definieren, was Bewusstsein ist. Was sind das für Vorgänge? Wie sind sie in der Raumzeit angesiedelt? Ist Bewusstsein überhaupt im Raum oder kommt es woanders her? Letzteres ist meines Erachtens der Fall. Wenn man diese Frage richtig untersucht, wie es Heim begonnen hatte, und wenn man verstanden hat, was Bewusstsein ist, dann kann man auch die Wechselwirkungen eher verstehen. Kann Bewusstsein etwas bewirken in der Raumzeit? Wo kann Bewusstsein existieren? – Im Raum sicher nicht. Also in anderen Dimensionen? Aber was ist dann der Träger? Hier geht es um Informationen, Bildelemente, Bedeutungen. Das sind alles Qualitäten, die es in der Welt gibt, die aber in der Physik noch nicht beschrieben wurden.

Sehen Sie Verbindungen zwischen Burkhard Heims Aussagen und denen von Sterbeforschern unserer Zeit? Der niederländische Kardiologe Pim van Lommel geht ja beispielsweise davon aus, dass das Bewusstsein des Menschen auch ohne den Körper weiter bestehen kann. 

VON LUDWIGER: Ja, das ist ganz klar der Fall. Was man früher lächelnd und abfällig als Spiritismus bezeichnet hatte, das sollte man jetzt – nach dem Weltbild Heims – als „R6“ bezeichnen. Wer die Welt als sechsdimensional erkennt, kommt zu dem Schluss, dass in den „Transbereichen“ jenseits von Raum und Zeit etwas existiert, wo sich Bewusstsein aufhalten kann. Und damit hat Heim als Folge aus seiner Teilchentheorie wissenschaftlich eine Grundlage gelegt auch für das Verständnis des Lebens nach dem Tode.

Religionen sprechen von einer Seele, die den Körper beim Tod verlässt und dann in einer anderen Dimension weiter besteht. Entspricht das im Wesentlichen dem, was sich auch aus dem Weltbild von Burkhard Heim folgern lässt?

VON LUDWIGER: Eigentlich ist es das. Man muss es nur konkretisieren und formallogisch entwickeln, wie sich Bewusstsein und Seele aufbauen. Man muss eine Skalierung in diesen Qualitäten einführen. Das ist sehr komplex, aber die ersten Schritte dazu sind getan. Im Prinzip bestätigt Heim, dass das Bewusstsein nach dem Tod weiter besteht. Es kann aber nicht mehr in die physische Welt einwirken – oder nur in Ausnahmefällen. Und auch diese Ausnahmen müsste man genauer untersuchen …

Zusammenfassend: Unsterblichkeit das gibt es für den Menschen?

VON LUDWIGER: Ja!

Sie sind also einerseits unabhängig von der Terminologie von der Unsterblichkeit des Menschen überzeugt, andererseits sind Sie Naturwissenschaftler. Man kann also wohl davon ausgehen, dass sich in Ihrem Weltbild Naturwissenschaft und Religion ganz gut ergänzen

VON LUDWIGER: Ja! Allerdings nicht im Hinblick auf eine Konfession, sondern im Hinblick auf die „Idee Religion“. Die allen Religionen gemeinsame Idee ist ja, dass es außer dem Körper noch etwas gibt. Da ist eine Bedeutung, da ist eine Idee … Es kann nicht sein, dass mit dem Körper alles vergeht. Das ist die alte philosophische  und religiöse Haltung. Nun kommt mit der Wissenschaft der Beleg dafür, dass die Welt mehr Dimensionen hat. Und alles, was da drin ist, selbst die Materie, hat Ausläufer in die Transdimensionen. Alles ist mehrdimensional. Bloß: Wir sind damit nicht mehr nur in der Physik, wir sind im qualitativen Bereich. Der gehört aber mit zur Welt! Naturwissenschaft ist beschränkt auf die Raumzeit, aber die Wirklichkeit umfasst mehr als das, geht darüber hinaus. Und alles das kann man nach Heims Theorien – er nennt sie „Syntrometrie“ –einheitlich  fassen, ohne dass ein Widerspruch besteht.