„Unser Gehirn könnte Todesnähe-Erfahrungen nicht erzeugen!“


Der Schweizer Arzt Dr. Reto Eberhard Rast beschäftigt sich intensiv mit Nahtoderlebnissen und hält auch Vorträge zu diesem Thema. Im Gespräch berichtet er über seine Erfahrungen und Schlussfolgerungen.

Als Arzt und Sterbeforscher haben Sie häufig mit Sterbenden zu tun. Wie gehen Sie mit dem Thema um? Was sagen Sie Ihren Patientinnen und Patienten?

EBERHARD RAST: Ich stehe diesbezüglich wohl noch ganz am Anfang von dem, was man dazu lernen kann. Ich habe schon tiefe Wunden geschlagen, indem ich Patienten auf die Unabwendbarkeit des baldigen Todes aufmerksam machte. In anderen Situationen habe ich tiefer gehende Gespräche versäumt, manchmal aus Angst, jemandem zu nahe zu treten. Andere Male konnte ich einem Menschen kurz vor seinem Tode dank der Kenntnisse, die wir heute aus Nahtoderfahrungen haben, beistehen. Jedenfalls gibt es keine allgemein gültige Regel im Umgang mit tödlich erkrankten oder sterbenden Menschen.

Was weiß man denn aus Berichten über Todesnähe-Erlebnisse, zusammenfassend betrachtet, über die erste Zeitperiode nach dem Tod? Wie beginnt diese?

EBERHARD RAST: Am Anfang steht häufig die außerkörperliche Erfahrung: Bei der ersten Nahtoderfahrung, die ich als Kind in den 1970er Jahren mitbekommen habe, konnte der Verletzte von oben erkennen, welcher Polizist als erster die Unfallstelle erreichte. Er kannte aufgrund der Dorfstruktur noch weitere Personen und konnte nach dem Aufwachen darüber berichten. Der Pfarrer, dem er dies anvertraute, war glücklicherweise gegenüber dieser typischen außerkörperlichen Erfahrung sehr aufgeschlossen, da er selbst als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg Zeuge solcher Vorgänge geworden war.

Was kennzeichnet solche außerkörperlichen Erfahrungen denn noch?

EBERHARD RAST: Wenn ich mal bei der außerkörperlichen Erfahrung eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg bleibe, einer Zeit, wo aufgrund der immensen Anzahl tödlicher Verletzungen bei jungen und zuvor gesunden Menschen solche Phänomene gehäuft beobachtet wurden, dann wird beispielsweise im Sturm auf einen Schützengraben ein Infanterist von einer Kugel getroffen und fällt zu Boden. Sein Bewusstsein jedoch löst sich in diesem Moment vom zerschundenen Körper. Der tosende Lärm verstummt, der Soldat sieht sich selbst am Boden liegen, sieht seine Kameraden fallen oder vorwärts stürmen, erlebt ein Gefühl der Leichtigkeit und geistigen Klarheit, wie er es noch nie zuvor erfahren hat. Er hat damit wichtige Elemente einer Nahtoderfahrung erlebt: den außerkörperlichen, leichten und schwebenden Zustand, die erhöhte Klarheit des Denkens und ein positives Grundgefühl.

Solche Erfahrungen erinnern doch irgendwie auch an ein Traumerlebnis …

EBERHARD RAST: Das ist durchaus richtig. Die Elemente erinnern an einen Traum, wo man als Glücklicher auch einmal schweben kann, wo man keine Schmerzen erfahren muss, wo man ebenfalls wortlos kommunizieren kann – und … in dem man auch unsterblich ist.

Und was könnte nach Ihrer Meinung beweisen dass Nahtoderlebnisse nicht bloß Träume sind?

EBERHARD RAST: Rationalisten versuchen, sie tatsächlich als reine Nebenprodukte unseres Gehirns zu erklären. Dafür muss man aber zentrale Punkte ausblenden, die in einem Traum nicht vorkommen. Denn beispielsweise können betroffene Personen das reale Leben immer noch wahrnehmen. Das ist sicher einer der wichtigsten Unterschiede. Dieser allein würde eigentlich schon ausreichen, um zu erkennen, dass es sich bei Nahtoderfahrungen nicht um Träume handelt.

Hinzu kommt, dass sich die verschiedenen Schlafphasen im Gehirn anhand eines Elektroenzephalogramms (EEG) nachweisen lassen. Man kann dabei sogar traumintensive von traumarmen Phasen unterscheiden. Bei Nahtoderfahrungen jedoch, die unter Reanimations-Bedingungen gemacht werden, ist das Gehirn nicht mehr fähig, die Traumfunktion wahrzunehmen.

Wenn das Herz stillsteht, dauert es drei bis sieben Sekunden, bis die Hirnrinde ihre Funktion komplett einstellt, sich sozusagen auf Stand-by bringt, um maximal Energie zu sparen und dafür zu sorgen, dass das Gehirn nicht sofort erstickt. In dieser Zeit ist die elektrisch abgeleitete Hirnkurve flach. Eine Traumaktivität ist somit nicht mehr möglich. Trotzdem oder eben gerade deswegen werden in dieser Zeit die eindrücklichsten Nahtoderfahrungen gemacht.

Dann gibt es noch einen weiteren Aspekt, der weder auf einer gesunden noch einer eingeschränkten Hirnfunktion basieren kann. Ich meine das sogenannte Lebenspanorama, bei welchem das ganze Leben gleichzeitig vor einem ausgebreitet liegt, bei Erwachsenen oft erweitert durch das intensive Empfindungswissen, ob man damit Gutes oder Schlechtes ausgelöst hat.

Dieses Phänomen tritt öfters unter Lebensgefahr auf, beispielsweise in den Bruchteilen von Sekunden eines Verkehrsunfalls, also bei vollem Bewusstsein, es kann aber auch im Koma erlebt werden. Zu einer solchen Auflösung der uns bekannten Zeitverhältnisse ist unser Gehirn, das an Raum und Zeit gebunden ist, einfach nicht fähig.

Letztlich aber ist für die Betroffenen selbst der entscheidende Punkt, dass sie mühelos zwischen einem Nahtoderlebnis und einem Traum unterscheiden können. Eine Nahtoderfahrung ist viel realer. Sie erscheint ihnen – für uns unvorstellbar – sogar realer als das Leben selbst! Deshalb ist der Eindruck, den eine Nahtoderfahrung hinterlässt, auch sehr tief gehend und nachhaltig.

Wie schätzen Sie die transzendenten Erfahrungen ein, über die ja auch berichtet wird – Jenseitserlebnisse, die Begegnung mit Verstorbenen beispielsweise …

EBERHARD RAST: Gewisse Phänomene lassen sich recht einfach erklären, wenn man davon ausgeht, dass Leben auch außerhalb des jetzigen Körpers möglich ist. Andere Phänomene wiederum sind schwierig zu erklären und erscheinen uns unlogisch, manchmal phantastisch und bisweilen sogar lächerlich.

Einfach erklären lässt sich die oft berichtete Begegnung mit Verstorbenen. Von Skeptikern wird darauf hingewiesen, dass Nahtoderlebnisse höchstens ein Bewusstsein außerhalb des Körpers beweisen können, nicht aber das Überleben des Todes, denn vom endgültigen Tod kann niemand berichten.

Das ist natürlich korrekt. Begegnungen mit Verstorbenen aber, von welchen Menschen mit Nahtoderlebnissen oft berichten, sprechen eindeutig für ein Leben nach dem Tod.

Dass es sich bei diesen Begegnungen bloß um religiöse Wunschvorstellungen handeln soll, ist wenig plausibel. Zum einen machen diese Erfahrung auch Menschen, die vor ihrem eigenen Nahtoderlebnis ein Weiterleben nach dem Tode verneinten. Andererseits wird von Begegnungen mit Verstorbenen berichtet, bei denen der Betroffene vor seinem Nahtoderlebnis überzeugt war, sie lebten noch. Niemand im Umkreis wusste davon, dass diese Person tatsächlich Stunden oder nur Minuten zuvor verstorben war.

Es kommt auch vor, dass Menschen während ihres Nahtoderlebnisses leiblichen Geschwistern begegnen, von deren einstiger Existenz sie bisher keine Ahnung hatten, weil sie beispielsweise als Adoptivkind aufgewachsen waren und ihre biologische Familie gar nicht gekannt hatten. Ein fünfjähriges Mädchen brachte nach einer Nahtoderfahrung seine Eltern in Panik, da es plötzlich von dem sorgsam gehüteten Geheimnis wusste, dass es „im Himmel“ eine Schwester habe, die bald nach der Geburt verstorben sei.

Woher kommen denn diese Verstorbenen Ihrer Meinung nach?

EBERHARD RAST: Das ist eine gute Frage. Anhand der vielen Nahtoderlebnisse können wir nur Vermutungen darüber anstellen. Den Verstorbenen scheint ein Aufenthalt in unserer nächsten Umgebung möglich zu sein. Das heißt aber nicht, dass das die Welt ist, die sie bewohnen.

Ich möchte an dieser Stelle zwei Begriffe benützen, die einem besseren Verständnis dienen können: die Grob- und die Feinstofflichkeit. Verlassen wir unseren Körper, treten wir aus der jetzt bekannten grobstofflichen Welt in eine feinerstoffliche. Deshalb kann ein ins reale Leben zurückgekehrter Mensch sowohl von Geschehnissen berichten, die sich auf der Erde abgespielt haben, die also rein materiell und grobstofflich sind, als auch von Ereignissen, die wir normalerweise nicht wahrnehmen können.

Aber wir sind in diesem Zustand eben auch fähig, Feinstoffliches wahrzunehmen. Dies ist der Fall, wenn beispielsweise Gedanken von Mitmenschen wahrgenommen werden können oder wenn man plötzlich ein äußerst helles, aber nicht blendendes Licht sehen kann, wenn man durch einen Tunnel geht, wenn man andere Wesen oder gar andere Landschaften sieht. Und da unser materieller Körper dabei zurückbleibt, ist auch unser neuer Leib, soweit er überhaupt wahrgenommen werden kann, offensichtlich feinstofflicher Natur.

Deshalb sind nicht wenige Menschen mit einer außerkörperlichen Erfahrung darüber erstaunt, dass sie spielend durch eine irdische Wand gehen können. Oder sie berichten über ihre verzweifelten, aber sinnlosen Versuche, sich bemerkbar zu machen, vielleicht auch die Rettungskräfte an der Reanimation zu hindern, da sie meinen, dass dies gar nicht nötig sei, weil sie ja lebten.

Es gibt auch viele Nahtoderlebnisse, bei welchen man nur mit dieser feinstofflichen Welt in Kontakt tritt und die uns bekannte Umgebung gar nicht mehr wahrnehmen kann.

Um aber auf Ihre Frage, wo sich die Verstorbenen aufhalten, zurückzukommen: Meist wohl nicht in der nächsten feinstofflichen Umgebung. Aus Nahtoderfahrungen weiß man, dass die feinstoffliche Welt weit größer sein muss als die grobstoffliche, denn viele Menschen besuchen Welten, die es auf der Erde nicht geben kann. Manche davon müssen unglaublich schön sein!

Sie hatten vorhin auch von phantastischen, fast lächerlich wirkenden Phänomenen gesprochen, die dokumentiert wurden. Was sprechen Sie damit an?

EBERHARD RAST: Es mag zum Beispiel seltsam erscheinen, dass nordamerikanische Indianer im Jenseits Tipis als Behausungen vorfinden, Menschen aus anderen Kulturkreisen wiederum Städte mit goldenen Dächern, wieder andere furchtbare Abgründe, ähnlich der antiken Unterwelt. Oder wenn gewisse Polynesier berichten, sie seien im Jenseits auf gute Jobs und Fabriken gestoßen.

Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte sein, dass sich der Mensch im feinstofflichen Jenseits durch sein Wollen ganze Welten schafft. So entstehen Landschaften und Gegebenheiten, die seinen Seelenzustand zum Ausdruck bringen. Abwertende, hemmende Gedanken wie beispielsweise Neid und Missgunst fügen sich zu schweren, dunklen Sphären, während schöne Gedanken wie Fürsorge und Freude hoch nach oben führen.

So betrachtet, würden wir uns Himmel und Hölle selbst schaffen. Meinen Sie, dass unsere innere Haltung auch darüber entscheidet, wie es beim Sterben und nach dem Tod weitergeht?

EBERHARD RAST: Ja, das kommt beispielsweise auch in den Darstellungen des altägyptischen Totengerichts zum Ausdruck. Anubis wiegt das Herz des Verstorbenen auf einer Waage. Ist es leicht genug, darf er ins Totenreich eingehen. Das ist ein schönes Symbol für das einfache Prinzip, dass das Wollen und die Empfindungen, also das „Gewicht der Seele“, beim Eintreten in die jenseitige Welt sehr bedeutsam sind.

Expemplarisch zeigen uns das auch Menschen, die mehrere Nahtoderlebnisse hatten. Beispielsweise berichtet Pim van Lommel von einer jungen Mutter, die nach einem Kaiserschnitt eine lebensbedrohliche Darmperforation erlitt, infolge derer sie zunächst eine von tiefer Liebe durchdrungene und horizonterweiternde Nahtoderfahrung gemacht hatte.

Zurück in ihrem künstlich am Leben erhaltenen Körper, fand sie sich aber auf der Intensivstation nicht mehr zurecht, obwohl sie sich während ihres Nahtoderlebnisses bewusst zur Rückkehr in die diesseitige Welt entschieden hatte. Sie begann deshalb den Beatmungsschlauch durchzubeißen und unternahm damit einen Suizidversuch. Aber nun erlebte sie den vorhin noch sanften Strudel, der sie getragen hatte, als einen stahlharten, kalten Trichter. In panischer Angst wurde ihr bewusst, dass sie diesmal in einer anderen „Schicht“ war und dass sie selbst eine Mauer errichtet hatte.

Die Patientin beschrieb die unheimliche Angst während dieses zweiten Nahtoderlebnisses, von Gott verlassen worden zu sein – und zwar nicht als Folge des zurückliegenden Lebens, sondern als Folge der eigenen Auflehnung gegenüber dem jetzigen Leiden, als Folge der lieblosen Gemütsstimmung, welche sie in den Suizidversuch getrieben hatte. Und das ist ein wesentlicher Punkt: Nicht allein das zurückliegende Leben, sondern auch der aktuelle Gemütszustand entscheidet offenbar maßgeblich darüber, in welche Ebene wir kommen.

Hier wirkt meines Erachtens einfach ein „Gesetz der Schwere“, denn seelische Leichtigkeit oder Schwere kann jeder täglich an sich selbst erleben: Wenn ich zum Beispiel meine Schicht auf der Notfallstation antrete, dann fühle ich mich auf dem Hinweg manchmal belastet. Ich mache mir Sorgen, ob ich auch alles richtig erkennen und behandeln werde. Schaffe ich es dann und habe ich etwas zur Linderung der Schmerzen und Sorgen meiner Patienten beigetragen, dann fühle ich mich auf dem Heimweg leicht, dann höre ich wieder die Vögel oder sehe die Sterne am Himmel. Und dieses Gefühl der Leichtigkeit ist ja nicht bloßer Schein, es ist eine seelische Tatsache.

Schon beim ägyptischen Totengericht, das ich vorhin angesprochen habe, bestimmte nicht die Schuld das Urteil, sondern die Fähigkeit des Menschen, sich von seinen Sünden loszulösen. Unser Seelenzustand wirkt, je nach seiner Ausrichtung, verdichtend und beschwerend oder erhellend und erleichternd.

Wir können mit unserem Wollen und Empfinden sozusagen das Gewicht der Seele unmittelbar beeinflussen. Aber freilich ist die Fähigkeit eines Menschen, sich von Schuld zu lösen, letztlich das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses.

Wenn Sie also von der Existenz jenseitiger Welten überzeugt sind – was sagen Sie dann Ihren Kolleginnen und Kollegen, wenn sie darauf bestehen, dass Nahtoderlebnisse physiologisch oder psychologisch zu erklären seien, etwa durch Sauerstoffmangel im Gehirn oder durch Medikamente?

EBERHARD RAST: Die bisher bedeutendste Studie zu Nahtoderlebnissen, diejenige des Kardiologen Pim van Lommel mit insgesamt über 500 untersuchten Reanimationen, konnte zeigen, dass weder der postulierte Sauerstoffmangel noch spezielle Medikamente noch die persönlichen Kenntnisse und Ansichten vor einer Nahtoderfahrung mit deren Form und Auftreten in Zusammenhang gebracht werden können. Es besteht keine Korrelation.

Auch die bekannten Studien an der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Lausanne, wo man durch elektrische Stimulation des Schläfenlappens eine Art außerkörperliche Erfahrung erzeugt und dies als Erklärung des Phänomens der Nahtoderfahrung interpretiert hat, greifen zu kurz.

Zwar hat man bei manchen Versuchspersonen durch die genannte Hirnstimulation eine Sinnestäuschung erzeugen können, aber es handelt sich dabei nur um eine Illusion, die vom betreffenden Probanden auch als solche wahrgenommen wird. Die Versuchsperson hat nur das Gefühl, oberhalb ihres Körpers zu schweben, sie tut es aber nicht wirklich. Sie kann nicht beobachten, was unten vor sich geht, also beispielsweise Personen und ihre Handlungen wahrnehmen und danach korrekt beschreiben. Sie hat damit auch keine wirklich außerkörperliche Erfahrung gemacht, wie dies bei Nahtoderlebnissen tatsächlich vorkommt.

Meines Erachtens müssten wir für die Erklärung aller Todesnähe-Erfahrungen nur dem schlichten Prinzip folgen, dass wir Menschen einen immateriellen Geist, eine immaterielle Seele haben. In vielen Kulturen war dieses Wissen einst eine Selbstverständlichkeit: Eine eigenständige Seele und ihr Geist sind fähig, den Körper zu verlassen.

Wenn uns dieser Begriff zu belastet oder altmodisch erscheint, können wir auch einfach von einem immateriellen Bewusstsein sprechen. Dieses ist von einer körperlichen Störung nicht betroffen. Deshalb kommt es vor, dass Sterbende kurz vor dem Tod in der dann manchmal eintretenden luziden Phase ihre Demenz ablegen oder Farbenblinde plötzlich das richtige Farbspektrum sehen können und darüber erstaunt sind. Löst sich der Geist vom Körper, verliert er eben auch dessen Beschränkungen und Behinderungen. Es gibt sogar eine Studie, die zeigt, dass Blinde während ihrer Nahtoderlebnisse sehen konnten.

Was ändert sich denn für Menschen, die eine Nahtoderfahrung machen? Und welche Bedeutung hat es für Sie persönlich, solche Berichte zu hören und zu dokumentieren?

EBERHARD RAST: Zum Einen helfen die Berichte, die Angst vor dem Tod abzubauen, sie sogar zu verlieren. Wir können ein Urvertrauen zurückgewinnen, wenn wir diese Berichte hören. Sie können uns zu Tränen rühren.
Die Geborgenheit, die betroffene Menschen oft erfahren, und die dadurch gewonnene Sicherheit, den eigenen Tod zu überleben, ist wirklich hilfreich, beispielsweise, um andere Menschen besser in ihrem Sterben begleiten zu können. Sterbende, welche loslassen können, strahlen einen Frieden aus, der einen Begleiter tief berühren, beglücken kann. Ein solcher Tod hat etwas Geweihtes, selbst wenn der Tod unter dramatischen Umständen eintritt.

Ich habe einmal einen noch relativ jungen Mann betreut, dessen Sterben sich bei unstillbarer Magenblutung über ein paar Tage hinzog. Er war aber durch seine Krankheit so weit gereift, dass er sein kommendes Ableben akzeptieren konnte. Trotz des Blutes, das er immer wieder erbrechen musste, war sein Blick ruhig. Man konnte ihn freundlich anlächeln und ihn ohne viele Worte begleiten. Auf die bange Frage seiner Angehörigen, ob er denn nun und wann er sterben würde, antwortete er bloß mit großem Gottvertrauen: „Niemand weiß, nur Allah weiß.“