Zwölf Jahre Hölle

Steve McQueens grandioses Sklaverei-Drama „12 Years a Slave“

Eigentlich unvorstellbar, aber noch vor etwas mehr als 150 Jahren war es in den Vereinigten Staaten legitim, Menschen wie Waren zu kaufen und zu verkaufen. Erst 1865 wurde die Sklaverei endgültig abgeschafft.

100 Jahre davor, zum Zeitpunkt der Unabhängigkeitserklärung 1776, gab es in den USA schätzungsweise 460.000 Sklaven. Vor allem in den Südstaaten entwickelte sich die Wirtschaft auf dem Rücken geschundener Frauen und Männer afrikanischer Herkunft. Hier stieg die Zahl der Sklaven im Lauf der folgende Jahrzehnte auf über vier Millionen!

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Situation besonders skurril: Während Afroamerikaner in manchen Bundesstaaten – etwa in New York – als freie Menschen leben konnten, war es in anderen Staaten, beispielsweise in Luisiana, ohne weiteres möglich, sie zu versklaven.

In dieser Zeit spielt das Filmdrama „12 Years a Slave“, für das der britische Regisseur Steve McQueen 2014 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und das als einer der bedeutendsten Filme (nicht nur zu diesem Thema) überhaupt gilt. Auch Drehbuchautor John Ridley wurde mit einem Oscar ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt der Handlung, die im Jahr 1841 einsetzt, steht der afroamerikanische Geigenspieler Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), der mit seiner Familie in Saratoga Springs (New York) als freier Mann lebt – bis er sich von zwei zwielichtigen Typen für einen Auftritt nach Washington locken lässt und sich kurz darauf, nach einer durchzechten Nacht, in Ketten wiederfindet. Er wurde entführt, wird nun auf einem Schiff nach New Orleans transportiert und dort an den Plantagenbesitzer William Ford (Benedict Cumberbatch) verkauft. 

Von einer Stunde auf die andere verliert Solomon Northup seine Freiheit und seine Rechte als Mensch. Sein Leben als liebevoller Familienvater, als Künstler, der sich durch Musik verwirklicht, weicht jäh einer ganz anderen Wirklichkeit, die für Zehntausende Afroamerikaner in den Südstaaten allerdings der ganz normale Lebensalltag ist: Er hat als entrechtetes Lebewesen schwerste Arbeit zu leisten, „Herren“ zu ertragen, die ihm weder intellektuell noch menschlich das Wasser reichen können und immer wieder seelische Grausamkeiten und körperliche Misshandlungen zu erdulden, die er oft nur mit knapper Not überlebt … 

12 Jahre lang erträgt Solomon Northup das zermürbende, aussichtslose Leben in den tiefsten Abgründen des Menschseins – bis er durch Zufall Kontakt zu einem engagierten Sklavereigegner findet und seine Herkunft belegen kann, wodurch ihm letztlich doch der Weg zurück in die Freiheit gelingt.

„12 Years a Slave“ basiert auf Solomon Northups berührender Biographie, die allerdings in Vergessenheit geraten war, bis sie Mitte des 20. Jahrhunderts von Historikern neu entdeckt wurde. 

Aber erst Steve McQueens Regiearbeit, John Ridleys Drehbuch und die außergewöhnlichen darstellerischen Leistungen (darunter Michael Fassbender, Paul Dano, Brad Pitt und vor allem Lupita Nyong’o – als „beste Nebendarstellerin“ ebenfalls mit einem Oscar ausgezeichnet) sorgten dafür, dass dieses einzigartige Zeugnis über ein besonders dunkles Kapitel der US-amerikanischen Geschichte weltweit gebührende Beachtung fand.

Absolut sehenswert!

(2013, 134 Minuten)