Kalter Krieg auf der Agentenbrücke

Steven Spielbergs preisgekrönter Spionage-Thriller „Bridge of Spies – Der Unterhändler“

Es gibt Helden, über die in den Geschichtsbüchern kaum etwas zu finden ist. Bisweilen aber sorgen glückliche Fügungen dafür, dass das Engagement solcher Persönlichkeiten doch einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird. Eine dieser Ausnahme-Biographien betrifft den US-amerikanischen Juristen James B. Donovan (1916–1970), dem vermutlich fast 10.000 Menschen ein Leben in Freiheit verdanken. 

Dass seine Lebensgeschichte nun aus dem Schatten geheimdienstlicher Aktivitäten während der Zeit des „Kalten Kriegs“ tritt, ist dem großen Regisseur Steven Spielberg und den am Drehbuch beteiligen Brüdern Ethan und Joel Coen zu verdanken. Sie schufen 2015 mit dem mehrfach ausgezeichneten Thriller „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ein Epos, das eindrucksvoll den Sieg der beharrlicher Überzeugung und Intelligenz über Bürokratie und Unmenschlichkeit in Szene setzt.

Im Mittelpunkt der nach wahren Begebenheiten erzählten Geschichte steht neben James B. Donovan (gespielt von dem wie immer großartigen Tom Hanks) ein unscheinbar wirkender, älterer Mann namens Rudolf Abel (1903–1971), dargestellt von Mark Rylance (der für diese Rolle einen Oscar erhielt). Abel war einer der erfolgreichsten russischen Spione in den USA und übermittelte wichtige Atom-Informationen an die Sowjetunion, ehe er Ende der 1950er Jahre enttarnt und verhaftet wurde. 

Als Abels Pflichtverteidiger gelingt es Donovan – dem großen Druck der Öffentlichkeit und auch des amerikanischen Geheimdienstes zum Trotz –, seinen Klienten vor der Todesstrafe zu bewahren. Dieses juristische Engagement macht sich bezahlt, als am 1. Mai 1960 ein US-amerikanischer Pilot, Gary Powers (Austin Stowell) bei einem Spionageflug über der Sowjetunion abgeschossen und inhaftiert wird. 

Donovan soll nun – höchst inoffiziell – den Austausch von Abel gegen Powers in die Wege leiten. Er reist nach Ostberlin, wo gerade der Bau der Mauer fertiggestellt wird und die ersten Menschen ihre verzweifelten Versuche, sie zu überwinden, mit dem Leben bezahlen.

Letztlich gelingt es Donovan durch geschickte Verhandlungstaktik, Abel nicht nur gegen Powers, sondern auch gegen einen zweiten Amerikaner auszutauschen, einen jungen Studenten, der in der DDR (zu Unrecht) als vermeintlicher Spion inhaftiert ist. Die Übergabe findet auf der Glienicker Brücke, der sogenannten „Agentenbrücke“ („Bridge of Spies“) in Berlin statt.

Aus dem Abspann erfährt der Zuschauer dann noch, dass Donovan nach seiner erfolgreichen Mission in Ostdeutschland auch als Unterhändler in Kuba eingesetzt wurde. Dort gelang es ihm nach der gescheiterten US-Invasion in der „Schweinebucht“ (1961), statt der ursprünglich erhofften 1.100 mehr als 9.000 Freilassungen zu erreichen.

„Bridge of Spies“ ist dramaturgisch hervorragend gestrickt, ruhig erzählt, wird von herausragenden Schauspielern (darunter Scott Shepherd, Sebastian Koch, Amy Ryan und Alan Alda) getragen und ist vor allem auch optisch ein Meisterwerk. 

In Deutschland wurde der Film mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. „Spielberg gelingt es in seinem Film auf überzeugende Weise, sowohl den Zeitgeist des Kalten Krieges wie auch den Look jener Zeit spürbar zu machen. Auf diese Weise entsteht das detailgetreue und liebevolle Bild einer Zeit, deren politische Grabenkämpfe bei genauerer Betrachtung gar nicht so weit von den Konflikten unserer Tage entfernt sind“, hieß es in der Begründung.

Nominiert für sechs Oscars und international mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, reiht sich „Bridge of Spies“ nahtlos in die Reihe der engagiertesten, anspruchsvollsten Arbeiten Steven Spielbergs („Schindlers Liste“, „Die Farbe Lila“, „München“) ein. Und das Finale auf der Agentenbrücke gehört meines Erachtens überhaupt zu den atmosphärisch dichtesten, unvergesslichsten Szenen der Filmgeschichte. Sehenswert!

(2015, 142 Minuten)