Leichtes Metall mit schwerwiegenden Folgen

Bert Ehgartners aufrüttelnde Dokumentation „Die Akte Aluminium“

Aluminium ist aus unserem Leben fast nicht mehr wegzudenken: Alu-Dosen für Getränke, Leichtbauteile für Autos, Werkstoffe für Fassaden, sogar im Treibstoff für Raketen Verwendung. Weit verbreitet sind aber auch bioaktive Aluminium-Verbindungen: In Sonnencremes fördert Aluminium deren gleichmäßige Verteilung. In Deos reagiert Aluminiumchlorid mit den Zellen der Haut, so dass weniger Schweiß entsteht. Medikamente gegen Sodbrennen enthalten Aluminium, Impfstoffe ebenfalls, und auch Wasseraufbereitungsanlagen.

Aber der in unserer Konsumwelt „allgegenwärtige“ Werk- und Zusatzstoff hat gefährliche Schattenseiten, über die bis vor kurzem kaum etwas bekannt war – oder die einfach verschwiegen wurden.

Der österreichische Filmemacher und Wissenschaftsjournalist Bert Ehgartner hat nun aber „die Akte Aluminium“ aufgeschlagen. Seine aufrüttelnde Dokumentation führt hinter die glänzende, rostfreie Oberfläche. Sie zeigt die Verwüstungen beim Bauxit-Abbau, die Umweltprobleme durch die bei der Verarbeitung anfallenden toxischen Schlacken, die Ausbeutung der Menschen in Brasilien, die in der Aluminium-Produktion ihr Geld verdienen müssen – und ihr Wasser nicht mehr trinken können, die Folgen schrecklicher Katastrophen, die sich bereits ereignet haben … Etwa die Umweltkatastrophe von Ungarn, wo im Oktober 2010 die Mauer eines Rotschlammbeckens einbrach, eine meterhohe Flutwelle die benachbarten Ortschaften verwüstete – und jeden verätzte, der mit dem vermeintlichen „roten Wasser“ in Berührung kam: Zehn Menschen starben, über 100 wurden mit schwersten Verätzungen in Kliniken eingeliefert. An den Folgen leiden die Betroffenen noch heute – es gibt für sie keinen Weg, wieder gesund zu werden.

Vor allem aber zeigt Bert Ehgartner in seinem Film anhand von erschütternden Fallbeispielen, welche gesundheitlichen Schäden Aluminium offenbar anrichten kann. Britische Onkologen äußern den Verdacht, dass Aluminium, wie es in Deodorants als Wirkstoff verwendet wird, über die Haut aufgenommen werden und Krebs auslösen kann. Andere Forscher haben Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Aluminium, das in relativ hohen Dosen beispielsweise in Medikamenten gegen das Sodbrennen enthalten ist, sich im Hirn anreichern und die Entstehung der Alzheimer-Krankheit begünstigen kann. Und im Tierversuch gelang es mit Hilfe von Aluminium, ganz gezielt Nahrungsmittelallergien zu erzeugen …

Das Zeitalter des Aluminiums ist auch das Zeitalter der Zivilisationskrankeiten. Gibt es hier einen dramatischen, bisher unbekannten Zusammenhang? „Manche Forscher betrachten die Substanz als einen der am meisten unterschätzten Giftstoffe. Die Wirtschaftslobby versucht derweil, die aufkommenden Wogen zu glätten“, formulierte die österreichische Tageszeitung „Der Standard“, nachdem die Dokumentation in den Kinos anlief.

Noch vor 100 Jahren hätte niemand etwas mit diesem in der Erdkruste häufig vorkommenden Metall (das allerdings offenbar von keinem Lebewesen benötigt wird) anzufangen gewußt. Heute scheint Aluminium allgegenwärtig zu sein – und es wird weitgehend sorglos für alle Bereiche des Lebens verwendet: Wasserwerke benutzen Alu-Verbindungen zum Klären und liefern das gereinigte Trinkwasser – mit unvermeidlichen Alu-Rückständen – an die Haushalte. Die Kosmetikindustrie arbeitet damit, und auch die Pharmaindustrie. Zum Beispiel enthalten zwei Drittel aller Impfstoffe Aluminium als Wirkverstärker. Wie es genau wirkt, ist allerdings unbekannt, ein „dirty little secret“, ein „schmutziges kleines Geheimnis“, wie es in der Branche heißt.

„In der industriellen Verarbeitung weist kein anderes Metall eine derart rasant ansteigende Wachstumskurve auf wie Aluminium“, sagt Bernd Ehgartner. „Doch auch kritische Stimmen rücken vermehrt ins Zentrum öffentlichen Interesses: Für die Herstellung werden große Mengen Rohstoffe und Energie benötigt. Die Gewinnung kann zu Umweltkatastrophen beachtlichen Ausmaßes führen. Und aus Studien geht hervor, dass die toxische Wirkung des Leichtmetalls nicht zuletzt direkten Einfluss auf unsere modernen Zivilisationskrankheiten wie Alzheimer und Allergien hat.“

Aluminium: Ein Leichtmetall mit schweren Folgen? Bert Ehgartners kritischer Film über das Aluminiumzeitalter beleuchtet die Schattenseiten des Wohlstandssymbols und liefert eine Fülle wertvoller Informationen für den Konsumenten. Absolut sehenswert!

(2012; 87 Minuten; Erhältlich auf DVD über Komplett Media ISBN 978-3-8312-8148-0)