Gute schwarze Geister

Ted Taylors Rassismus-Drama „The Help“

Jackson, die Metropole des US-Bundesstaates Mississippi, Anfang der 1960er Jahre: In vielen „weißen Haushalten“ arbeiten schwarze Hausmädchen. Sie kochen, putzen, kümmern sich (oft mehr als die Eltern) um das Wohlergehen der Kinder, servieren und bedienen, verdienen wenig – und schlucken Tag für Tag die rassistischen Vorurteile ihrer Arbeitgeber. Zum Beispiel, dass es doch angebracht wäre, überall eigene Toiletten für die „Negerinnen“ einzurichten … die Gefahr ansteckender Krankheiten verbiete es den Weißen doch eigentlich, gemeinsam die WCs zu benutzen. 

Gedanklicher Alltag in Jackson. Die Schwarzen nehmen ihre unwürdige Behandlung notgedrungen in Kauf, für die Weißen aus der „Oberschicht“ ist es selbstverständlich, „Menschen zweiter Klasse“ in ihren Häusern zu beschäftigen, die üblicherweise eher als Sklaven denn als Partner zu behandeln sind.

Doch nicht alle denken so. Als Eugenia „Skeeter“ Phelan (Emma Stone) nach ihrem Studium in ihre Heimatstadt zurückkehrt und fest entschlossen ist, Journalistin, vielleicht auch Schriftstellerin zu werden, kommt ihr eines Tages die Idee, die Lebensgeschichten der Hausmädchen für eine Veröffentlichung zu sammeln. 

Zunächst stößt sie mit ihrem Vorhaben auf große Skepsis und Ablehnung, schließlich aber sind die gutherzige Aibileen Clark (Viola Davis) und die resolute Minny Jackson (Octavia Spencer, für ihre Darbietung mit einem „Oscar“ ausgezeichnet) dazu bereit, aus dem Nähkästchen zu plaudern … wobei neben tragischen und witzigen auch eher unappetitliche Details ans Tageslicht kommen. Denn wenn ein Hausmädchen beispielsweise jahrelang mit verbaler Sch… beworfen und schließlich aus heiterem Himmel entlassen wird, die Hausherrin trotzdem gerne noch einmal einen ihrer köstlichen Schokoladekuchen verschlingen möchte, dann kann es passieren, dass die frustrierte Köchin in der Wahl der Zutaten – im wahrsten Sinn des Wortes – für gerechten Ausgleich sorgt …

Erfreut bemerkt Skeeter schließlich, dass ein Dutzend weiterer „Zeitzeugen“ aus der schwarzen Gemeinde dem Beispiel von Aibileen und Minny folgen und ebenfalls über ihre Erlebnisse berichtet. Doch bis das gegen alle Konventionen gerichtete Buchprojekt schließlich zum großen Erfolg wird, wühlt es in ihrem persönlichen Umfeld mehr auf, als Skeeter gedacht hätte. Nicht nur die Beziehung zu ihre Freundinnen aus Kindheitstagen (großartig: Bryce Dallas Howard und Allison Janney) zerbricht, auch ihre eigene Lebensgeschichte erscheint nun in neuem Licht …

Mit einer großartigen Besetzung (darunter Jessica Chastain als verzweifelt überdrehte Celia, die sich heimlich ein Hausmädchen leistet, um ihrem Mann zu beweisen, wie gut sie selbst als Hausfrau ist) gelang dem US-amerikanischen Regisseur und Drehbuchautor Ted Taylor ein Sittenbild nordamerikanischer Alltagswirklichkeit, von dem uns nur wenige Jahrzehnte trennen und dessen Gedankenmuster sicher noch heute in den Köpfen nicht weniger Menschen spuken.

„The Help“ ist die gelungene Verfilmung des international erfolgreichen, in 40 Sprachen übersetzten Romans „Gute Geister“ (Originaltitel: „The Help“) der in Jackson geborenen US-amerikanischen Schriftstellerin Kathryn Stockett. 

Als der Film in die Kinos kam, entging die Autorin übrigens nur knapp einer Schadenersatzzahlung: Abilene Cooper, die zwölf Jahre lang als Hausmädchen für den Kathryn Stocketts Bruder gearbeitet hatte, verlangte eine Entschädigung von 75.000 US-Dollar. Sie behauptete, dass ihre persönliche Lebensgeschichte ohne Genehmigung für die Romanfigur Aibileen Clark verwendet worden sei. Die Klage wurde zwar abgewiesen (weil sie nicht fristgerecht eingereicht worden war), aber sie kann als Beleg dafür gelten, dass „The Help“ durchweg auf wahren Begebenheiten beruht – auch wenn das im Abspann nirgendwo vermerkt ist.

(2011, 146 Minuten)