„Leb wohl, o Erde, du Tal der Tränen“

Aida

Oper in vier Akten

Libretto: Antonio Ghislanzoni (1824–1893)

Musik: Giuseppe Verdi (1813–1901)

Uraufführung: 24. Dezember 1871, Kairo (Dar Elopera Al Misria) 

Dauer: ca. 2,5 Stunden, eine Pause

Akte:
1. Ein Saal im Königspalast zu Memphis, Ägypten; der Tempel des Vulkans
2. Die Gemächer von Amneris im Königspalast zu Memphis; ein Stadttor Thebens
3. Am Ufer des Nils
4. Ein Saal im Königspalast zu Memphis; ein unterirdisches Gewölbe

Hauptpersonen:
Aida, eine äthiopische Prinzessin: Sopran
Radamès, ein ägyptischer Feldherr: Tenor
Amneris, Prinzession von Ägypten: Mezzo
Der König von Ägypten, Amneris Vater: Bass
Amonasro, der König von Äthiopien, Aidas Vater: Bariton
Ramphis, ein Oberpriester: Bass

Eine Werkeinführung

„Aida“ zählt zu den wichtigsten und am häufigsten gespielten Opern Giuseppe Verdis. 

Der italienische Meisterkomponist hatte sich lange dagegen gewehrt, etwas „für Kairo“ zu schreiben. Schließlich aber, im Jahr 1870, überzeugten ihn die Überredungskünste seiner Freunde – und 150.000 Goldfranken – das höchste Honorar, das ein Komponist bis dahin gefordert und erhalten hatte, es doch zu tun.

Überliefert ist ein Brief, den Verdi am 16. Juli 1870 an seinen Freund Giuseppe Piroli richtete: „Eine Oper für Kairo komponieren!!! Puh! Ich gehe nicht hin, sie zu inszenieren, weil ich fürchten müsste, dort mumifiziert zu werden. […] Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, ‚du wirst für Kairo schreiben‘, hätte ich ihn für einen Verrückten gehalten. Aber jetzt sehe ich ein, dass ich der Verrückte bin.“

Nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Komposition fuhr Verdi auch nicht zur Uraufführung nach Kairo. Nichtsdestotrotz feierte seine „Aida“ dort am 24. Dezember 1871 einen triumphalen Erfolg. Und bis heute ist das beliebte Werk auf den Spielplänen aller Opernhäuser zu finden.

Mit seiner Komposition zeigte sich Giuseppe Verdi sehr zufrieden. Er hatte sogar die Absicht, mit diesem Werk seine Laufbahn als Opernkomponist zu beenden und schrieb tatsächlich viele Jahre lang keine weitere mehr. Er betrachtete sich, etwa 60jährig, als Rentner … bis er dann später glücklicherweise doch wieder zur Feder griff. Allerdings sollte Verdis nächstes, vorletztes Meisterwerk – „Otello“ – erst 16 Jahre nach „Aida“ seine Uraufführung erleben.

Die „Oper für Kairo“ spielt im Alten Ägypten der Pharaonen, etwa 1.000 vor Christus. 

Zwischen Ägypten und Äthiopien herrscht Krieg. Die Äthiopier unter König Amonasro sind in der Minderzahl, kämpfen aber weiter um ihre Unabhängigkeit. Prinzessin Aida, die Tochter des Königs, wurde als Gefangene nach Ägypten verschleppt und lebt am dortigen Königshof unerkannt als Sklavin. Um Aida wieder zu befreien, dringen die Äthiopier nach Ägypten vor.

Die Handlung


Kurz und gut …
Eine Prinzessin liebt während des Kriegs ausgerechnet den Heerführer des mächtigen Gegners. Im alten Ägypten kann das nur tragisch enden.

1. Akt: Ein Saal im Königspalast zu Memphis, Ägypten; der Tempel des Vulkans

Der ägyptische Oberpriester Ramphis unterrichtet den Feldherren Radamès von der Bedrohung des Landes durch die Äthiopier. Die Göttin Isis habe bereits bestimmt, wer Ägypten gegen den Feind führen soll, und er werde dem König jetzt „der Göttin Willen“ künden.

Radamès hofft, dass er der auserwählte Heerführer ist. Er träumt davon, siegreich vom Kampf gegen die Äthiopier zurückzukehren und in der Folge auch seiner geheimen Geliebten, der äthiopischen Sklavin Aida, helfen zu können. Er könnte sie dann zurück in ihre Heimat bringen und sie dort in Liebe auf den Thron erheben („Se quel guerrier io fossi! … Celeste Aida“)

O wäre ich erkoren,
Wenn sich mein Traum so erfüllte!
Eine Heerschar tapf’rer Männer,
Von mir geführet … und der Sieg und Beifall
Von Memphis mein! Wenn ich zu dir, Aida,
Dann heim mit Lorbeer’n kehre
Und sag’: Ich kämpft’ für dich, dein ist die Ehre!

Holde Aida, himmelentstammend,
Von Duft und Strahlen zaub’risch verklärt;
Du bist die Königin meiner Gedanken,
Durch dich allein ist das Dasein mir wert.
Möcht’ in die Heimat dich wieder bringen,
Dort, wo die Luft und der Himmel so schön,
Möchte ins Haar eine Krone dir schlingen,
Ach, deinen Thron bis zur Sonne erhöh’n!
 

Während Radamès so vor sich hin träumt, erscheint Amneris, die Tochter des Königs. Sie hegt große Leidenschaft für den jungen Feldherrn, fürchtet aber, dass Radamès Herz bereits einer anderen gehört. 

Als nun Aida auftaucht und Radamès bei ihrem Anblick unruhig wird, beginnt Amneris die Liebe der beiden zu erahnen – und Aida zu hassen. Doch noch ist sie nicht sicher, ob ihre Vermutung zutrifft, und sie zeigt ihre Gefühle nicht, sondern wendet sich der Sklavin schwesterlich zu. Denn Aida hat zu weinen begonnen. Sie fürchtet den drohenden Krieg gegen ihr Heimatland.

Und der soll sofort beginnen! Begleitet von Ramphis und seinem Hofstaat, hält der König Einzug in den Saal. Ein Bote hat ihm gerade bestätigt, dass die Äthiopier bereits in Ägypten eingedrungen sind. Der König erklärt ihnen den Krieg und beauftragt Radamès, der von der Göttin Isis dazu bestimmt sei, das ägyptische Heer gegen den Feind führen. 

Alle jubeln, Amneris überreicht Radamès die Kriegsstandarte, und dieser bricht unter den allgemeinen Siegeswünschen auf zum Tempel des Vulkans, um dort die „heiligen Waffen“ für den Kampf zu empfangen.

Aida bleibt allein zurück. Ihre Seelenqualen haben sich vertieft: Einerseits hat auch sie in den Jubel der Ägypter eingestimmt und Radamès eine siegreiche Heimkehr gewünscht, denn sie liebt den jungen Feldherrn innig. Andererseits aber bangt sie um ihren Vater Amonasro, der das äthiopische Heer gegen Ägypten führt – um sie zu befreien! Wer immer diesen Krieg gewinnt – sie wird Leid und Trostlosigkeit erfahren. So ersehnt Aida für sich den Tod …

Als Sieger kehre heim! Auch meinem Mund
Entfloh das Wort, so ruchlos! Kehr als Sieger
Meines Vaters, der nur für mich die Waffen
Ergriff, mir neu zu geben
Die Heimat, Macht und Ehren und einen Namen,
Den hier ich muss verbergen! – Kehr als Sieger
Meiner Brüder, dass ich gerötet
Von ihrem Blute dich sehe, im Triumph gefeiert
Von Ägyptens Volke! Am Siegeswagen
Ein Fürst, mein Vater, schwer gebeugt in Ketten! 

[…]

Götter, erbarmt huldvoll euch mein,
Hoffnung ist nicht für meinen Schmerz,
Trostlose Lieb’ bricht mir das Herz,
Bringt mir den Tod durch ihre Pein!

Im Tempel des Vulkans rufen die Priester und Priesterinnen in einer glanzvollen Zeremonie Phtha an, den Gott des Lebens, der Radamès in seinem Kampf gegen die Äthiopier schützen soll. 

Der junge Feldherr empfängt geweihte Waffen und eine Statue des Gottes, zu dem nun alle gemeinsam um Schutz beten. 

2. Akt: Die Gemächer von Amneris im Königspalast zu Memphis; ein Stadttor Thebens

Radamès ist mit seinem Heer auf dem Rückweg. Er hat die Äthiopier besiegt. Im ägyptischen Königspalast wird Amneris für die Siegesfeierlichkeiten angekleidet, zur Erheiterung der Prinzessin tanzen Mohrenknaben. Amneris ersehnt Radamès herbei, doch gleichzeitig ahnt sie seine Liebe zur Sklavin Aida. 

Als diese ihr die Krone bringt, entschließt sich Amneris, die Äthiopierin auf die Probe zu stellen. Sie will Gewissheit. Also erzählt sie Aida, Radamès wäre im Kampf gefallen. Und in der Verzweiflung, mit der die Sklavin reagiert, findet Amneris die Bestätigung für ihren Verdacht: „Offen liegt Dein Herz! Du liebst ihn!“

Und dann spielt sie, höchst erregt, ihre Karten aus – hier die mächtige Prinzessin, dort die niedere Sklavin, so sieht die Sache aus!

Ja, du liebst ihn – vernimm es denn:
Ich lieb’ ihn auch, bin deine Rivalin,
Tochter der Pharaonen! 

Aida richtet sich daraufhin stolz auf:

Du, Rivalin!
Wohlan, auch ich bin’s, Rivalin bin ich dir! 

Doch dann bezähmt sie ihren Stolz. Amneris soll nicht wissen, dass auch sie Prinzessin ist. Aber Aida gesteht ihre Gefühle für Radamès und bittet um Erbarmen. Sie lebe „allein in dieser Liebe“. Für Amneris indes sind die Fronten klar: Dieser äthiopischen Sklavin wird sie zeigen, wer hier herrscht:

Zu dem Fest, das sie bereiten,
Sollst du, Sklavin, mich begleiten;
Du im Staub, du vor mir im Staub;
Ich am Thron, dem König nah.
Folge mir und lern in Zeiten,
Ob du mir Rivalin da.

An einem Stadttor Thebens feiert das Volk den Sieg über die Äthiopier („Gloria all’Egitto, ad Iside“). Die ägyptischen Truppen ziehen triumphierend ein und führen die Schätze der Besiegten mit sich. Die Statue des Gottes Phtha wird an den Oberpriester zurückgegeben. 

Auf Geheiß des Königs erhält Radamès als Auszeichnung für seinen Sieg einen Kranz, den ihm Amneris überreicht. Außerdem könne er einen Wunsch äußern:

Was du wünschest, nichts sei dir verweigert
In dieser Stunde, ich schwör’ es
Bei meiner Königskrone, den heil’gen Göttern.

Doch ehe er seinen Wunsch äußert, möchte Radamès dem König die Gefangenen vorführen. 

Unter ihnen ist ein äthiopischer Offizier … in Wahrheit Amonasro, Aidas Vater, der die Äthiopier angeführt hatte.

Aida erkennt ihn und läuft ihm freudig in die Arme. Die Ägypter beobachten die Szene, aber niemand weiß um das Geheimnis, dass hier einander nicht nur Vater und Tochter, sondern der König und die Prinzessin Äthiopiens wiedergefunden haben. 

Aida und Amonasro, aber auch das ägyptische Volk und die Gefangenen, bitten den König um Gnade. Ramphis und die Priester dagegen wollen die Äthiopier vernichtet sehen.

Radamès erinnert den König nun an sein Versprechen, ihm jeden Wunsch zu erfüllen und schließt sich der Bitte um Gnade für die Gefangenen an.

Nun wohl, für die gefangenen Äthiopier
Bitt’ ich, o König, Leben und Freiheit aus!

Ramphis aber erinnert den jugendlichen Helden „weise“ daran, dass er sich – wohl nicht ganz durchdacht – für Feinde der Ägypter einsetze und rät dem König, wenn man die Gefangenen schon freilasse, so sollten doch wenigstens Aida und ihr Vater als „Pfand des Friedens“ bleiben müssen. 

Der König folgt dem Rat des Oberpriesters und bietet Radamès, dem „das Vaterland alles schulde“, die Hand seiner Tochter an: Gemeinsam mit Amneris solle Radamès einst über Ägypten herrschen!

Allgemeiner Jubel bricht aus, Amneris schwelgt in unverhofftem Glück.

Radamès aber ist im Stillen verzweifelt. Für ihn „wiegt Ägyptens Thron Aidas Herz nicht auf“. 

Und Aida versinkt in Hoffnungslosigkeit. Sie hat Amneris Worte im Ohr:

„Wage, o Sklavin,
Wage nun, den Teuren mir zu rauben!“

3. Akt: Am Ufer des Nils

Am Ufer des Nils steht ein Tempel, der Isis, der Mondgöttin, geweiht ist. Amneris ist hier, um am Vorabend ihrer Hochzeit zu beten. Sie hofft immer noch, dass Radamès für sie die gleichen Gefühle hegen wird wie sie für ihn. Der Oberpriester Ramphis rät ihr, gemeinsam mit ihm die ganze Nacht zu beten und steigt mit ihr zum Tempel hinauf.

Kurz danach erscheint Aida am Nilufer. Radamès hat sich mit ihr verabredet. Aida weiß nicht, was er ihr sagen will. Aber sollte es, wie sie vermutet, ein letzter Abschied sein, so würde sie in den Fluten des Nils ihr Grab suchen. In Ägypten gibt es keine Hoffnung mehr für sie. 

Aida sehnt sich nach ihrer äthiopischen Heimat („O patria mia“): 

O Vaterland, ich seh’ dich nimmerdar!
Azurne Bläue, o heimatliche Lüfte,
Wo hell der Morgen schien auf mich herab,
O grüne Hügel, Strand du voll Blumendüfte,
Mein Vaterland, dich seh’ ich nimmerdar.
Niemals, nein, o nimmermehr! 

Aber nicht Radamès begegnet ihr nun, sondern Amonasro, ihr Vater. Zunächst erschrickt Aida wegen seines Erscheinens; er aber gibt ihr rasch zu erkennen, dass er Bescheid weiß: Von ihrer Liebe zu Radamès und auch, dass dieser Aida ebenso liebt. Amonasro weiß auch, dass Aida in Amneris eine mächtige Rivalin hat. Dennoch liege es in ihrer Hand, das Schicksal zu ihren Gunsten und auch zugunsten des äthiopischen Volkes zu wenden:

Besiegen wirst du deine Rivalin,
Und Heimat und Liebe und Thron – alles wird dein sein.
Wiedersehen wirst du die duftigen Wälder,
Die kühlen Täler und unsrer Tempel Gold! 
 

Amonasro verdeutlicht seiner Tochter, wie dieses Ziel erreicht werden könne: Sein Volk sei bereit, sich gegen Ägypten zu erheben, es sei mutbeseelt und werde siegen – sofern man die Wege des feindlichen Heeres kenne. Aida könne Radamès dazu bewegen, dieses Geheimnis zu verraten!

Zunächst ist die Prinzessin entsetzt. So etwas komme nicht für sie in Frage: „Was rätst du mir an? Nein, nein, niemals!“

Doch als Amonasro an die Gräueltaten erinnert, die die Ägypter an den Äthiopiern begangen haben („Ströme voll Blutes fließen hin durch die besiegten Städte“) und seine Tochter schon wütend von sich stößt („Du bist mein Kind nicht, bist niedre Sklavin der Pharaonen“), will Aida für ihr Heimatland doch dieses Opfer bringen. –

Bald darauf erscheint Radamès, und Amonasro verbirgt sich hinter Palmen, um die beiden zu belauschen.

Zur Freude Aidas bekräftigt Radamès, nur sie zu lieben. Amneris sei kein Thema. Bald werde er das ägyptische Heer in eine weitere Schlacht gegen die Äthiopier führen und vom König dann als Siegespreis Aidas Hand erbitten.

Sie aber glaubt nicht an diesen naiven Plan. Aida kennt Amneris und die Priester nur zu gut. Die einzige Chance für ihre Liebe, versichert sie, sei die gemeinsame Flucht.

Radamès zögert vorerst:

Zur Ferne entflieh’n,
Wo fremd ich war,
Verlassen mein Vaterland,
Verlassen seine Altäre?
Der Boden, wo zuerst
Ich Ruhmeskränze pflückte,
Die Liebe uns entzückte,
Vergisst sich nimmerdar. 

Doch als Aida Radamès Liebe bezweifelt („Du liebst mich nicht, geh! … Es harret dein Amneris!“), ringt dieser sich zu dem Entschluss durch, Ägypten den Rücken zu kehren.

Aida kann ihr Glück kaum fassen. Aber auf welchem Weg könnte die Flucht gelingen? Überall lagern doch „die Scharen der Besatzung“! 

Radamès beruhigt sie – und verweist auf die „Schluchten bei Nàpata“:

Der Pfad, den wir gewählt
Zum Stoß auf den Feind, ist bis morgen
Völlig verlassen. 

Damit hat Amonasro, der das Gespräch der beiden aufmerksam belauscht, genug gehört. Er tritt aus seinem Versteck und gibt sich Radamès zu erkennen. 

Schlagartig wird diesem klar, dass er dem Führer des feindlichen Heeres gerade das wichtigste Geheimnis der bevorstehenden Schlacht verraten hat. Radamès fühlt sich als Verräter von Land und Volk („Weh! Weh! Ich bin entehret!“). Die Zurufe Aidas („Geliebter, höre mich, vertraue meiner Liebe!“) und Amonasros („Dir wird die Hand Aidas einen Thron erbauen“) gehen an ihm vorbei, und schon spitzt sich die Lage zu: Amneris und Ramphis kommen aus dem Tempel und wittern den Verrat. Amonasro zögert nicht und will Amneris, die feindliche Prinzessin, erdolchen, aber Radamès hindert ihn daran und drängt ihn und Aida zur Flucht.

Dann liefert er sich dem Oberpriester aus. 

4. Akt: Ein Saal im Königspalast zu Memphis; ein unterirdisches Gewölbe

Vor dem unterirdischen Gerichtssaal im Königspalast denkt Amneris traurig über die Ereignisse nach. Sie weiß, dass Radamès kein Verräter ist, aber sie weiß auch, dass er mit Aida – ihrer Rivalin – fliehen wollte. 

Weil sie Radamès immer noch liebt und ihn retten will, weist sie die Wachen an, den Gefangenen zu ihr zu bringen. Doch ihre Versuche, ihn zu einer Aussage vor Gericht zu bewegen – er solle sich durch die Situation, in die er geraten war, rechtfertigen – bleiben vergebens: Radamès hat mit seinem Leben, das „ihm nimmer Freude geben“ kann, abgeschlossen. Die Priester würden, ist er überzeugt, auf seine Rechtfertigung nicht hören. Auch sei Aida ihm entrissen und inzwischen wohl getötet worden: „Was hat die Welt noch für mich?“

Amneris berichtet, dass lediglich Amonasro im Kampf gefallen sei. Aida lebe noch, wenngleich man keine Kunde von ihr habe. Radamès solle doch von Aida lassen, sie würde sich dann vor dem König für ihn einsetzen und ihn vor einem Todesurteil retten. Doch Radamès geht nicht darauf ein. Sein Entschluss steht fest: Er wird vor dem Gericht schweigen. („Ach, das Sterben ist eine Wonne!“)

So geschieht es wenig später im Gerichtssaal. Radamès missachtet die Aufforderung der Priester, sich für den vermeintlichen Verrat zu rechtfertigen und verschweigt die Hintergründe seines Handelns. 

Also wird er zur Strafe für Hochverräter verurteilt: Unter dem Altar im Tempel des Vulkans soll er lebendig eingemauert werden.

Verzweifelt hört Amneris das Gerichtsurteil und verflucht die Priester. Sie kann nicht verhindern, dass hinter Radamès der Eingang zum unterirdischen Gewölbe mit einem Stein verschlossen wird.

Radamès sieht sein Grab vor sich; in Gedanken ist er bei Aida. 

Da hört er plötzlich einen Seufzer und nimmt „ein menschlich Antlitz“ wahr. Es ist Aida. Sie hat sich davor in das Gewölbe geschlichen, um gemeinsam mit ihm zu sterben. 

Radamès Versuch, den Stein am Eingang von der Stelle zu wälzen, endet erfolglos.

Während Amneris über ihm und Aida im Tempel mit tränenerstickter Stimme zu Isis betet, sehen die beiden ihrem Tod entgegen:

Leb wohl, o Erde, o du Tal der Tränen,
Verwandelt ward der Freudentraum in Leid;
Es schließt der Himmel seine Pforten auf,
Und unser Sehnen schwinget sich empor
Zum Licht der Ewigkeit.

 

(Libretto-Übersetzung ins Deutsche: opera-guide.ch)