„Die heilige Flamme der Pflicht erstrahlte vor meinen Augen“

Don Carlos

Oper in fünf Aufzügen

Libretto: Joseph Méry (1798–1866), Camille du Locle (1832–1903)

Musik: Giuseppe Verdi (1813–1901)

Uraufführung: 11. März 1867, Paris (Théâtre Impérial de l’Opéra)

Dauer: ca. 4 Stunden, zwei Pausen

Akte:
1. Der Wald von Fontainebleau in Frankreich
2. Das Kloster San Juste
3. Die Gärten der Königin; Vor der Kathedrale von Valladolid
4. Das Arbeitszimmer des Königs; Ein Gefängnis
5. Das Kloster San Juste

Hauptpersonen:
Philip II, König von Spanien: Bass
Don Carlos, Philips Sohn, Infant von Spanien: Tenor
Rodrigo, Marquis von Posa, Carlos Freund: Bariton
Elisabeth von Valois, Tochter des Königs von Frankreich: Sopran
Prinzessin Eboli, Hofdame Elisabeths: Mezzosopran
Thibault, ein Page: Sopran
Der Großinquisitor: Bass
Ein Mönch, früher Karl V.: Bass
Der Graf von Lerma: Tenor

 

Eine Werkeinführung

Die im Jahr 1867 in Paris uraufgeführte Oper „Don Carlos“ gilt als „Schmerzenskind“ Giuseppe Verdis. Sie beschäftigte den italienischen Komponisten 20 Jahre lang. Er schuf insgesamt sieben Fassungen dieses Werkes, das inhaltlich einem Drama von Friedrich Schiller (1759–1805) folgt. Die französische Originalfassung hatte fünf Akte, die 1884 an der Mailänder Scala uraufgeführte Fassung in italienischer Sprache kürzte Verdi auf vier Akte. Die dritte wichtigen Version, die 1886 in Modena uraufgeführte überarbeitete italienische Fassung, umfasste dann wieder fünf Akte.

Die Oper spielt um 1560 in Frankreich (1. Akt) und Spanien und beleuchtet die Zeit von Philipp II. (1527–1598), des Königs von Spanien, der sich – wie auch sein Vater Karl V. – berufen sah, den katholischen Glauben überall in seinem Reich durchzusetzen und den Protestantismus zurückzudrängen.

Die Hauptfigur der Oper war Philipps ältester Sohn. Der historische Don Carlos (1545–1568) gilt –vermutlich infolge der nahen Verwandtschaft seiner Eltern – als körperlich zurückgeblieben und dürfte nicht eben der Klügste gewesen sein. Nachdem sein Vater ihn nicht als Feldherrn eingesetzt hatte, stellte sich Don Carlos erstmals gegen den König. 

Als sich der Prinz später abermals nicht gebührend beachtet fand und erneut gegen seinen Vater auftrat, ließ Philipp II. seinen Sohn gefangen nehmen. Don Carlos starb 1568 an den Folgen der Inhaftierung. Sein kurz vor dem Tod geäußerter Wunsch, sich mit dem Vater zu versöhnen, fand keine Erfüllung.

In Verdis Oper vertreten Don Carlos und sein Freund Rodrigo eine liberale Gesinnung. Sie wollen dem durch den spanischen Kaiser und die Kirche unterdrückten Flandern (ein Teil Belgiens) helfen, während Carlos’ Vater Philipp mit harter Faust regiert und das Land in die Knechtschaft zwingt.

 

Die Handlung

 

Kurz und gut …
Wenn die eigene Geliebte unverhofft zur Stiefmutter wird, muss mit Familienstreitigkeiten gerechnet werden … die im Hause des spanischen Kaisers nur ein untoter Großvater befrieden kann.

 

1. Akt: Der Wald von Fontainebleau in Frankreich 

Es herrscht ein zermürbender Krieg zwischen Spanien und Frankreich, doch es gibt Aussicht auf Frieden. Die französische Prinzessin Elisabeth von Valois soll Don Carlos, den spanischen Thronfolger, heiraten. Allerdings kennen die beiden einander noch nicht. Deshalb ist Carlos, Sohn Philipps II. von Spanien, heimlich nach Frankreich gereist. Er möchte seine künftige Frau noch vor der Hochzeit treffen. 

Im winterlichen Wald von Fontainebleau, dem Landsitz des französischen Königs, gelingt es ihm, einen ersten Blick auf Elisabeth zu werfen. Er verliebt sich sofort in die schöne Prinzessin und träumt von seinem Glück: 

Fontainebleau! Wald, unermesslich und einsam!
Welche Gärten, strahlend von Blumen und Licht,
kämen für Don Carlos in seinem Glück diesem vereisten Boden gleich,
wo seine Elisabeth lächelnd vorüberging?
Ich verließ Spanien und den Hof meines Vaters,
trotzte Philipps furchtbarem Zorn,
verbarg mich im Gefolge seines Gesandten
und konnte sie nun endlich sehen, meine schöne Braut,
die seit langem meine Gedanken beherrschte,
die von nun an mein Herz beherrschen wird! 

Ich sah sie, und aus ihrem Lächeln,
aus ihren Augen voll lieblichem Feuer
konnte mein tief bewegtes Herz
das Glück erfahren, zu leben und sie zu lieben.
Zukunft voller Zärtlichkeit!

Prinzessin Elisabeth und ihr Gefolge haben sich während der Jagd verirrt, es naht bereits die Nacht. Eine ideale Gelegenheit für Don Carlos, der Prinzessin seinen Schutz anzubieten. 

Anfangs weiß die Königstochter nicht, wen sie vor sich hat. Der Spanier gefällt ihr zwar und erweckt sofort ihr Vertrauen, aber Carlos stellt sich zunächst als sein eigener Gesandter vor. Als er sich dann zu erkennen gibt, scheint das Glück der beiden perfekt; sie gestehen einander ihre Liebe und freuen sich, durch ihre Heirat den Frieden der beiden Königreiche besiegeln zu können.

Doch es kommt anders: Elisabeth erhält noch am gleichen Abend die Nachricht, dass sie nicht Don Carlos, sondern dessen Vater, den König von Spanien, ehelichen soll. Nur dadurch könne es Frieden zwischen Frankreich und Spanien geben.

Die Prinzessin weiß, was auf dem Spiel steht. Ihr ist bewusst, wie sehr das Volk unter dem Krieg bereits gelitten hat. Deshalb willigt sie schweren Herzens in die Ehe mit Philipp II. ein. 

Don Carlos bleibt verzweifelt zurück. 

2. Akt: Das Kloster San Juste 

Im Kloster San Juste lebt der ehemalige spanische Kaiser Karl V., Don Carlos’ Großvater, zurückgezogen und unerkannt als Mönch. Er hat dem Thron entsagt. Auch die Mönche wissen nichts vom Vorleben ihres Glaubensbruders. Sie denken, dass Karl V. verstorben ist, denn eine Kapelle des Kloster birgt sein Grab.

Hier in San Juste, wo sein Großvater „müde seiner Größe sein Leben beschloss“, versucht Don Carlos zu vergessen. Elisabeth hat Philipp II., seinen Vater, geheiratet. Sie ist nun Königin, er aber kann seine Liebe zu ihr nicht überwinden. Ein Mönch – es ist Karl V., der sich aber nicht zu erkennen gibt – will ihm Trost spenden. Doch seine Stimme irritiert Don Carlos; er spürt die Gegenwart des verstorben geglaubten Großvaters.

Rodrigo, der Marquis von Posa, reißt ihn aus seinen Gedanken. Er ist gerade aus Flandern (Belgien) zurückgekehrt und erzählt seinem alten Freund offen, wie sehr die Menschen in diesem Land leiden – geknechtet vom spanischen König und der Inquisition. 

Auch Don Carlos öffnet sein Herz. Er verrät Rodrigo, dass er Elisabeth – nun die Frau seines Vaters und also seine Stiefmutter – liebe, ja, dass er regelrecht „von Sinnen vor Liebe“ zu ihr sei.

Rodrigo ist die Brisanz dieser Situation sofort klar. Er rät seinem Freund, sich als Herrscher für das flandrische Volk einzusetzen. In Erfüllung dieser Aufgabe könne er seinen Kummer überwinden.

Don Carlos ist bereit, dem Rat seines Freundes zu folgen. Die beiden schwören einander ewige Freundschaft („Dio che nell’alma infondere“). Als nun aber Elisabeth mit dem König im Kloster erscheint, um sich zum Grabmahl Karls V. zu begeben, gelingt es Don Carlos nur schwer, seine neu aufflammenden Gefühle zu bezwingen. –

Da Elisabeths Hofdamen das Kloster nicht betreten dürfen, vertreiben sie sich ihre Zeit im Garten mit Gesängen. Unter ihnen befindet sich Prinzessin Eboli („Nel giardin del bello“). Sie ist in Don Carlos verliebt und glaubt, seine rätselhafte melancholische Stimmung als Zeichen seiner Liebe zu ihr deuten zu dürfen. Fröhlich singt Eboli ein Lied über einen König, der eine verschleierte Schönheit umwirbt, die sich später als seine eigene Frau entpuppt …

Da erscheint Elisabeth. Rodrigo tritt an die Königin heran, übermittelt ihr einen Brief von ihrer Mutter – und eine heimliche Nachricht von Don Carlos. Er bitte sie dringend um ein Gespräch. Elisabeth ringt um Fassung, erklärt sich aber bereit, ihn zu empfangen. –

Zunächst ersucht Don Carlos die Königin, sie möge seinen Vater dazu bewegen, ihn nach Flandern zu senden. Doch bald verliert er seine Beherrschung und fällt ihr zu Füßen, gesteht ihr erneut seine Liebe. Elisabeth versucht die Distanz zu wahren, spricht ihn standesgemäß als „mein Sohn“ an, gibt aber zu erkennen, dass er ihr alles andere als gleichgültig ist: 

Carlos, beschuldigt mein Herz nicht der Gleichgültigkeit.
Ihr solltet seine hohe Gesinnung besser kennen und sein Schweigen.
Die heilige Flamme der Pflicht erstrahlte vor meinen Augen,
von ihr geleitet, gehe ich meinen Weg
und richte meine Hoffnung auf den Himmel! 

Schließlich gesteht Elisabeth Carlos ihre tiefen Gefühle („In diesem Leben mit Euch zu leben, wäre das Paradies gewesen!“), doch als er jede Beherrschung verliert und sie umarmen will, stößt sie ihn von sich. Wohin würde diese Beziehung führen? Soll der Sohn seinen Vater erschlagen und, „besudelt von seinem Blut“, die „Mutter vor den Altar“ führen?

Verstört stürzt Don Carlos davon. Elisabeth bleibt allein zurück – und verärgert damit den König, der sie so antrifft. Denn das höfische Protokoll verbietet es, dass die Königin ohne Begleitung bleibt. Also verbannt Philipp II. die dafür verantwortliche Hofdame nach Frankreich. Elisabeth muss von ihrer engsten Vertrauten Abschied nehmen. –

Der König von Spanien regiert mit harter Hand, um überall die Kontrolle zu behalten, auch in Flandern. Er lässt sich nun von Rodrigo über die Situation in diesem Land informieren – und wird mit harter Kritik konfrontiert: Die Menschen würden leiden, es herrsche ein Friedhofs-Friede, und ein König könne nicht „für die Zukunft säen“, indem er „Tod säe“. Rodrigo nimmt sich kein Blatt vor den Mund und beeindruckt den König mit seiner Offenheit. Zwar lässt sich Philipp II. nicht in seiner Meinung beirren, dass es „Träumerei“ sei, die Menschen in liberaler Art regieren zu wollen, aber er zeigt ein gewisses Verständnis für diese Sicht der Dinge – und warnt Rodrigo vor dem Großinquisitor, der ebenfalls die Macht in Flandern personifiziert: „Hüte dich vor meinem Inquisitor!“

Gleichzeitig vertraut der König Rodrigo seine Befürchtung an, Elisabeth könnte ein Verhältnis mit seinem Sohn Carlos haben. Er möge die beiden beobachten …

3. Akt: Die Gärten der Königin

Anlässlich des Krönungsjubiläums von Philipp II. ist ein Ball im Gange. Königin Elisabeth aber ist bereits müde geworden und hat, um sich zurückziehen zu können, ihre Kleider und ihre Maske mit Prinzessin Eboli vertauscht. Diese hat Don Carlos – ohne darin ihren Namen zu nennen – einen Brief geschrieben und ihn um Mitternacht zu einem Treffen gebeten. Eboli möchte endlich seine Liebe gewinnen.

Don Carlos aber glaubt und hofft, das Schreiben stamme von der Königin. Als nun zum vereinbarten Zeitpunkt eine Frau in der Maske und den Kleidern der Königin erscheint, ist er sicher, Elisabeth vor sich zu haben und überhäuft sie überschwänglich mit Liebeserklärungen … bis Prinzessin Eboli ihre Maske abnimmt und ihm ihre Liebe gesteht.

Als er bemerkt, wen er wirklich vor sich hat, erstarrt Don Carlos, und Eboli erkennt enttäuscht, dass seine Worte nicht ihr gegolten hatten. Gerade beschuldigt sie ihn, der Geliebte der Königin zu sein, als Rodrigo hinzukommt. Ihre Drohungen, ihr Wissen gegen Don Carlos auszuspielen, erzürnen den Marquis von Posa so sehr, dass er seinen Dolch zieht. Doch er beherrscht sich, gegen Prinzessin Eboli tätig zu werden, so dass diese wütend die beiden Freunde zurück lässt.

Nun, da es gefährlich werden könnte, drängt Rodrigo Don Carlos dazu, ihm alle Briefe oder Notizen zu übergeben, die ihn in Gefahr bringen könnten. Einen Moment lang zögert Don Carlos, weiß er doch, dass sein Rodrigo nun der Vertraute seines Vaters ist. Doch letztlich ist er von der Tiefe dieser Freundschaft überzeugt („Dir überlasse ich mich!“), und die beiden Männer fallen einander in die Arme.

Vor der Kathedrale von Valladolid

Das Volk preist den König, Mönche führen die von der Inquisition zum Tode Verurteilten über den Platz. Im Rahmen einer großen Zeremonie, dem Autodafé, sollen Verräter und Ketzer verbrannt werden.

Zuvor aber führt Don Carlos sechs Gesandte aus Flandern vor den König. Sie bitten um Gnade und Freiheit für ihr Land. Doch Philipp II. sieht keinen Anlass, die „von Gott Abgefallenen“ anders als mit harter Hand zu behandeln und lässt sie von den Wachen entfernen. Da kommt es zum Eklat: Don Carlos stellt sich dem König fordernd in den Weg: 

Sire, die Zeit ist gekommen, dass ich lebe!
Ich bin es überdrüssig, die Jugend müßig
an Eurem Hofe zu verbringen.
Wenn Gott es will, dass einst auf meinem Haupt
die goldene Krone funkle,
so bereitet Spanien einen würdigen Herrscher!
Vertraut mir Brabant und Flandern an!

Philipp lehnt die Bitte seines „wahnsinnigen“ Sohnes ab. Da zieht dieser seinen Degen gegen den König – und keiner von Spaniens Granden wagt es einzugreifen. Alle ziehen sich vor Don Carlos zurück – bis schließlich Rodrigo, um Schlimmeres zu verhindern, seinem Freund die Waffe abnimmt. Er wird dafür zum Herzog ernannt, Don Carlos verhaftet.

Danach beginnt unter den Jubelrufen des Volkes das Autodafé. Die Scheiterhaufen brennen. 

4. Akt: Das Arbeitszimmer des Königs

Philipp II. hat die Nacht in düsteren Gedanken durchwacht. Er sinniert über die Sterblichkeit und das Verhältnis zu seiner Frau, die ihn, den Alten, wohl nie geliebt hat.  

Sie liebt mich nicht! Nein! Ihr Herz ist mir verschlossen,
nie hat sie mich geliebt!
Ich sehe sie noch, den Blick schweigend
auf mein weißes Haar gerichtet, an jenem Tag, als sie aus Frankreich kam.
Nein, sie liebt mich nicht!
Sie liebt mich nicht!

Da erscheint der blinde Großinquisitor, den der König hatte rufen lassen. Er sucht den Rat des kirchlichen „Vaters“, weil er nicht weiß, wie es mit seinem inhaftierten Sohn weitergehen soll. Der Inquisitor rät zur Strenge und hält nichts von Nachsicht; Don Carlo müsse geopfert werden: „Der Friede der Welt ist das Blut eines aufrührerischen Sohnes wert.“

Eine noch größere Gefahr sieht der Blinde jedoch in Rodrigos liberalen Ansichten. Es sei an der Zeit, auch ihn der Inquisition zu übergehen. Die Kirche könne als „gute Mutter“ aufrichtige Reue anerkennen. Doch Philipp wehrt sich dagegen, seinen Vertrauten und Freund auszuliefern. Da erinnert ihn der Großinquisitor daran, dass auch Könige vor das Tribunal gebracht werden können. Philipp lenkt ein, um Frieden mit dem Kirchenmann bemüht, aber dieser verlässt missmutig den Arbeitsraum. –

Kurz darauf erscheint Elisabeth, unsicher, verstört, und wirft sich dem König zu Füßen. Sie sei unwürdig behandelt und beraubt worden. Eine Schatulle, die alles ihr Wertvolle enthalte, Juwelen und „noch größere Kostbarkeiten“, sei verschwunden.

Philipp zeigt sich wenig überrascht. Er greift zum Tisch und präsentiert seiner bass erstaunten Frau die vermisste Schatulle. Er öffnet sie und findet darin ein Bild seines Sohnes. Grund genug, Elisabeth des Ehebruchs zu beschuldigen. Sie bekennt sich dazu, dass ihr Carlos, dem sie ursprünglich ja versprochen war, wertvoll sei, aber sie habe kein Verbrechen begangen. Als der König ihr jedoch Meineid vorwirft und „Blutvergießen“ androht, kann Elisabeth dem Druck nicht mehr standhalten und fällt in Ohnmacht.

Auf Philipps Ruf eilen Rodrigo und Eboli herbei, um ihr zu helfen. Die Prinzessin wird nun, angesichts von Elisabeths jammervollem Zustand, von Gewissensbissen geplagt – und gesteht ihr schließlich reumütig, die Schatulle gestohlen zu haben … aus Eifersucht. Sie selbst liebe Don Carlos, doch er habe sie zurück gewiesen. Aber nicht nur das: Einst habe sie selbst den König verführt, gesteht Eboli: „Ich klagte Euch an, und ich selbst beging das Verbrechen!“

Entsetzt befiehlt ihr die Königin, den Hof am nächsten Tag zu verlassen. Prinzessin Eboli gehorcht – aber sie ist nun fest entschlossen, alles daran zu setzten, Don Carlos zu retten.

Ein Gefängnis

Rodrigo besucht Don Carlos im Gefängnis, um ihm ein letztes Lebewohl zu sagen. Er sei sicher, sein Freund werde diesen düsteren Ort verlassen können. Denn er selbst habe „den Blitz der Rache“ auf sich gelenkt. Die Papiere, die man bei ihm gefunden habe, würden ihn nicht nur als verräterischen Aufrührer in Flandern ausweisen, sondern auch als Nebenbuhler des Königs. Er habe diese Beweise für seinen Verrat absichtlich ausgelegt, um den Verdacht von Don Carlos abzulenken, unter dessen Herrschaft in Flandern das Goldene Zeitalter wiedererstehen werde. Elisabeth erwarte in morgen in San Juste …

Carlos ist entschlossen, seinen Freund zu schützen, doch das Gespräch der beiden findet ein jähes Ende: Zwei Männer, einer bewaffnet, der andere im Gewand des Inquisitionsgerichtes, sind die Treppe zum Gefängnis herabgestiegen. Ein Schuss aus dem Hinterhalt trifft Rodrigo tödlich. Don Carlos sinkt verzweifelt über dem toten Körper seines Freundes nieder.

Schon erscheint der König, um seinem Sohn den Degen – und damit seine Freiheit – zurückzugeben. Doch der sagt sich von seinem Vater los („Zurück! Eure Hand trieft von Blut!“). Er klärt den König darüber auf, dass Rodrigo unschuldig sei und seine „Schuld“ nur gestanden habe, um ihn zu schützen: „Schwüre hielten uns verbunden … Er gab sein Leben, um mich zu retten!“

Philipp findet durch diese Worte seine vagen Ahnungen bestätigt und beklagt den Tod des Vertrauten, der auch ihm zum Freund geworden war.

Indes hat Prinzessin Eboli das Volk mobilisiert. Ein Aufstand ist im Gange, Don Carlos soll aus dem Gefängnis befreit werden. Doch der Mut der Demonstranten endet, als der Großinquisitor vor sie tritt und verlangt, sich „vor dem, den Gott beschützt“ zu beugen.

Mit den Worten „Herr! Verzeiht uns!“ wirft das gläubige Volk sich auf die Knie. 

5. Akt: Das Kloster San Juste 

Vor dem Grab Karls V. wartet Elisabeth auf Don Carlos und betet um Hilfe:

Du hast die Nichtigkeit der irdischen Größe erkannt,
du genießest endlich den lieblichen, tiefen Frieden:
Wenn auch im Himmel Tränen vergossen werden,
so trage du weinend meine Tränen dem Ewigen zu Füssen!
Carlos kommt hierher! Ja! Er muss fort von hier, er muss vergessen …
 

Wenig später taucht Don Carlos auf. Er ist nun entschlossen, auf die Liebe zu Elisabeth zu verzichten und sich um das Wohl Flandern zu kümmern. Rodrigos Tod soll nicht vergebens gewesen sein. So hoffen die beiden unter Tränen auf ein Wiedersehen in einer besseren Welt – und nehmen voneinander Abschied.

Doch in diesem Moment tauchen Philipp II. und der Großinquisitor mit Angehörigen des Inquisitionsgerichts auf. Der König ist entschlossen, seinen Sohn auszuliefern und weist die Männer an, Don Carlos zu ergreifen. Dieser weicht, sich verteidigend, zum Grabmahl Karls V. zurück. 

Da öffnet sich das goldene Gitter, ein alter Mönch erscheint – Karl V. im Krönungsornat – und richtet sich mit Worten des Friedens an seinen Nachfolger, während er den überraschten Don Carlos mit sich ins schützende Kloster zieht:

Mein Sohn, die Schmerzen der Welt
verfolgen uns bis ins Kloster.
Der Frieden, den Euer Herz erhofft,
ist nur bei Gott zu finden! 

  

(Alle Zitate und alle unter Anführungszeichen gesetzten Textteile stammen aus dem Libretto der Oper; Übersetzung aus: opera-guide.ch)