„Und ich sehe ihre sieghaften Augen strahlen!“

Tosca

Ein Drama in drei Akten

Libretto: Giuseppe Giacosa (1847–1906) & Luigi Illica (1857–1919) nach einem Drama von Victorien Sardou (1831–1908)

Musik: Giacomo Puccini (1858–1924)

Uraufführung: 14. Januar 1900, Rom (Teatro Costanzi)

Dauer: ca. 2 Stunden, eine Pause

Aufzüge:
1. Die Kirche Sant’ Andrea della Valle, Rom
2. Palazzo Farnese, Rom
3. Plattform der Engelsburg, Rom

Hauptpersonen:
Floria Tosca, eine Sängerin: Sopran
Mario Cavaradossi, ein Maler: Tenor
Baron Scarpia, Chef der Polizei: Bariton
Cesare Angelotti: Bass
Spoletta, Agent der Polizei: Bass
Ein Schließer: Bass
Ein Hirt: Knabenstimme

Eine Werkeinführung

Die Oper „Tosca“ ist eines der bekanntesten und am häufigsten aufgeführten Musikdramen des italienischen Komponisten Giacomo Puccini. Sie spielt in Rom, am 17. und 18. Juni des Jahres 1800 und schließt an folgende Vorgeschichte an:

Unter dem Eindruck der französischen Revolution hat sich auch in Italien eine liberalistische und republikanische Gesinnung verbreitet. Aber solche Gedanken gelten als Hochverrat, denn Ferdinand IV. von Neapel und seine Frau, Königin Maria Carolina, erklären Frankreich den Krieg. 

Doch die Franzosen gehen als Sieger dieser Auseinandersetzung hervor, Rom wird eingenommen und zur „römischen Republik“ erklärt. Cesare Angelotti ist einer der neuen Konsuln.

Die Franzosen rücken daraufhin weiter südwärts. Königin Maria Carolina aber, die mit Ferdinand IV. nach Sizilien geflohen ist, organisiert von dort aus eine Streitmacht, die Neapel mit Hilfe Großbritanniens, Russlands und Österreichs von den Franzosen befreit. Anschließend marschieren die Koalitionstruppen nach Rom und nehmen die Stadt ein.

Ferdinand bleibt in Sizilien, aber seine Gemahlin Maria Carolina zieht nach Rom. Dort hat Baron Vitellio Scarpia nach dem Scheitern der Republik einen von Spionen und Spitzeln unterstützten Geheimpolizeiapparat aufgebaut, der der Königin ergeben ist, Revolutionäre verfolgt und bald auch Cesare Angelotti, den ehemaligen Konsul, wegen Hochverrats eingesperrt hat. Doch Angelotti gelingt die Flucht aus dem Kerker in der Engelsburg …

Vor diesem Hintergrund setzt Puccinis „Tosca“ ein. Allerdings hat sich das hier beschriebene Scenario historisch nicht so zugetragen. Die Personen sind – Victorien Sardous Drama „La Tosca“ folgend – frei erfunden. Einen geschichtlichen Hintergrund gibt es aber:

Im Februar 1798 errichteten französische Truppen tatsächlich die „Römische Republik“, und sie mussten sich nach dem Sieg der russisch-österreichischen Koalitionstruppen in der Schlacht an der Trebbia (19. Juni 1799) wieder aus Rom zurückziehen. Am 30. September 1799 marschierte dann die neapolitanische Armee unter König Ferdinand IV. in Rom ein. Vertreter der ehemaligen Republik wurden nun erbarmungslos verfolgt.

Im Mai 1800 zog Napoleon Bonaparte mit seiner Armee über die Alpen nach Norditalien. Am 14. Juni kam es zur Schlacht zwischen den Truppen Frankreichs und Österreichs. Gegen Mittag erstürmten die Österreicher das Dorf Marengo, und die Franzosen mussten sich zurückziehen. Vor diesem Hintergrund wird im 1. Akt von „Tosca“ – er spielt am 17. Juni 1800 – der Sieg über Napoleon gemeldet. 

Noch am Nachmittag des 14. Juni allerdings wendete sich das Blatt zugunsten der Franzosen. Und am Abend des 16. Juni gelingt es ihnen schließlich, die Koalitionstruppen zu schlagen. Die Nachricht von deren Niederlage wird im 2. Akt von „Tosca“ verkündet.

 

Die Handlung


Kurz und gut …
Bedrängte Sopranistinnen mit einem Hang zum Radikalen sollten vor allem dann nicht unterschätzt werden, wenn ein Messer in der Nähe liegt.

1. Aufzug: In der Kirche Sant’ Andrea della Valle

Cesare Angelotti, ehemaliger Konsul der „Römischen Republik“, die nach dem Vorbild der französischen Revolution entstand, befindet sich auf der Flucht. Gerade ist es ihm gelungen, aus dem Gefängnis in der Engelsburg auszubrechen. Nun sucht er in der Kirche Sant’ Andrea della Valle nach Frauenkleidern, die seine Schwester hier für ihn versteckt hat, um ihm die weitere Flucht zu erleichtern.

Bei seiner Suche wird er von einem Mesner unterbrochen, der Angelotti jedoch zum Glück nicht entdeckt. 

Kurz darauf betritt Mario Cavaradossi, ein Maler, die Kirche, um an einem Maria-Magdalena-Gemälde weiterzuarbeiten. Der Mesner bemerkt, dass das Bild große Ähnlichkeit mit einer Frau hat, „die schon seit Tagen des öfteren hierher kam, um zur Madonna zu beten …“

„So ist es“, antwortet Cavaradossi lächelnd. Die schöne Fremde war ihm als attraktives Modell willkommen gewesen. Allerdings war sie in Wirklichkeit nicht der Madonna wegen in die Kirche gekommen, sondern um Kleider für ihren Bruder zu verstecken …

Als der Mesner sich zurückgezogen hat, tritt Cesare Angelotti aus seinem Versteck hervor und begrüßt Cavaradossi, den er von früher kennt. Der Maler ist selbst Freidenker und fragt den Gesinnungsgenossen, wie er ihm helfen könne. Doch das Gespräch der beiden wird gestört, Angelotti versteckt sich wieder.

Tosca betritt die Szene. Sie ist Mario Cavaradossis Geliebte, allgemein als Sängerin berühmt, und speziell bei ihm wegen ihrer impulsiven Eifersucht. 

Auch jetzt wittert Tosca, dass etwas nicht stimmt. Nicht nur, dass sie gerade zwei Stimmen und das Rascheln von Frauenkleidern gehört zu haben meint. Sie glaubt auch, auf dem Maria-Magdalena-Gemälde ihre Nebenbuhlerin zu erkennen. 

Cavaradossi kann sie beruhigen. Er verspricht ihr die folgende Nacht auf dem Landgut und schwört auf Toscas Drängen, zuvor bei seiner weiteren Arbeit in der Kirche keinem weiblichen Wesen zugetan zu sein, keinem blonden, keinem braunen, keinem, das hierher zum Gebet kommt. Zufrieden küsst Tosca ihren Geliebten und überlässt ihn wieder seiner Arbeit.

Cavaradossi schlägt Angelotti nun vor, zu seiner Villa zu kommen. Der Weg dorthin sei sehr einsam, aber sollte wirklich Gefahr drohen, könne er sich in einer Höhle verstecken, die im Brunnenschacht verborgen sei. Niemand würde ihn dort vermuten oder finden können.

Angelotti willigt ein, froh über die Möglichkeit, bei Cavaradossi vor dem berüchtigten Baron Scarpia, dem Chef der Polizei, in Sicherheit zu sein. 

Da fällt ein Kanonenschuss – das Zeichen, dass Angelottis Flucht aus der Engelsburg entdeckt worden ist. Höchste Zeit zum Handeln! Cavaradossi entschließt sich, seinen Freund selbst zur Villa zu bringen.

Kurz nachdem die beiden fort sind, stürzt der Mesner wieder in die Kirche. Ihm ist der Maler und Freidenker schon lange suspekt. Nun will er ihn mit der „Frohbotschaft“, dass Napoleon eine Niederlage erlitten habe, ordentlich ärgern – nach dem bewährten Motto:

Wenn ich einen Ketzer quäle
dann gibt’s Ablass für die Seele.

Doch er trifft den Maler nicht an und beginnt seine Probenarbeit mit den Chorknaben. Bald, so meint der Mesner, werde man den Sieg über Napoleon gebührend feiern. Tosca werde im Palazzo Farnese eine Kantate singen …

Da betritt Baron Scarpia die Kirche. Er ist mit seinen Schergen dem flüchtigen Angelotti bereits auf den Fersen. Der düstere Polizeichef verhört den Mesner, und schon nimmt sein Killerinstinkt Witterung auf: Er findet einen verdächtigen Fächer, der aus dem Bündel Frauenkleider gefallen war, den Angelottis Schwester für ihren Bruder hinterlegt hatte. 

In diesem Augenblick kommt Tosca zurück in die Kirche. Sie will ihrem Geliebten zu erklären, dass sie wegen der angekündigten Siegesfeier die Nacht doch nicht mit ihm verbringen kann. Doch Mario ist nicht da – und in dem Fächer vermutet die eifersüchtige Tosca einen weiteren Hinweis auf die Untreue ihres Geliebten. Sofort entschließt sie sich, zu seiner Villa zu eilen.

Scarpia sendet der schönen Sängerin drei Spione nach. Er sieht eine günstige Möglichkeit, nicht nur den flüchtigen Angelotti zu fassen, sondern auch Tosca für sich zu gewinnen. 

Mit dieser Vision stimmt der Polizeichef grimmig und drohend in das „Tedeum“ ein, das gerade geprobt wird („Va, Tosca!“)

Doppelte Beute will meine Begier:
das Haupt des Rebellen
und die schöne Tosca!

Ah, und ich sehe ihre sieghaften Augen strahlen,
bebend vor Lust (Kanonenschuss)
in meinen Armen fühle ich sie vergeh’n!
Er stirbt am Galgen,
dann gehört Tosca mir!
Tosca, du machst, dass Gott ich ganz vergesse!

2. Akt: Palazzo Farnese, Rom

Am selben Abend in Scarpias Zimmer im oberen Stockwerk des Palazzo Farnese: Der Polizeichef sitzt an seinem Tisch und speist, unruhig und ganz in den Gedanken verstrickt. Er hofft, seine „Hunde“ müssten ihm Tosca demnächst als „Beute“ bringen. Dann treibt ihn eine Idee an sein Schreibpult, er wirft einige Zeilen hin und gibt einem Diener den Auftrag, Tosca dieses Schreiben zu bringen.

Beglückt gießt er sich daraufhin Wein ein:

Ah, wie ist es doch herrlich,
so ein Weib zu besiegen,
statt ihr nur zu erliegen. […]
Ja, was ich begehre,
das jag und genieß ich,
doch immer was Neues gilt es zu erobern.
Schuf doch Gott des Schönen so viel!

Da kommt Spoletta, einer der Spione, den Scarpia zur Villa Cavaradossis gesandt hatte, von seiner Mission zurück. Zaghaft berichtet er, keine Spur von Angelotti entdeckt zu haben, kann den wütenden Scarpia aber mit der Nachricht beruhigen, er habe den Maler verhaften lassen. Dessen Verhalten habe so viel Spott und Verachtung verraten, dass zu vermuten sei, er wisse mehr über den Flüchtigen. Der Baron ist zufrieden.

Schon wird Cavaradossi vorgeführt. Scarpia nimmt ihn sofort ins Verhör, doch der Gefangene bestreitet jegliches Wissen über Angelottis Flucht und dessen Verbleib. Weil der widerspenstige und selbstsichere Maler auf seine üblichen Drohgebärden nicht reagiert, entschließt sich Scarpia, den „Richter“ zu rufen: 

Da hilft nur noch die Folter.

In diesem Augenblick betritt Tosca den Raum. Sie erblickt Mario, läuft auf ihn zu, umarmt ihn. Er aber flüstert ihr ernst und dringend zu:

Verschweig, was du sahest,
denn das kann mein Tod sein!

Scarpia lässt Cavaradossi in den Nebenraum bringen – „Erst die üblichen Formen, später dann nach Weisung“ – und wendet sich mit Galanterie Tosca zu: 

Nun wollen wir als gute Freunde plaudern!

Tosca bestreitet zunächst vehement, etwas über Angelotti zu wissen. Sie habe in Cavaradossis Villa eine Frau vermutet, doch niemanden angetroffen. Ihr Geliebter sei allein gewesen.

Scarpia rät Tosca dringend, ihm alles zu gestehen. Nur das könne Cavaradossis Qual verkürzen. Als Tosca aus dem Nebenraum Marios Schmerzensschreie vernimmt, ahnt sie, was passiert. 

Was tun sie dort im Zimmer? –
Sie zwingen ihn, die Wahrheit zu sagen. –
O Gott! Und wie? Und wie? –
Gebunden an ein Kreuz trägt Euer Freund
ein Stacheldiadem um seine Schlägen.
Bei jedem ,Nein‘ dringen ihm die Stacheln
tiefer ins Fleisch!

Diese Schilderung und die zunehmenden Schmerzensschreie sind bald zuviel für Tosca. Obgleich ihr Cavaradossi aus dem Nebenraum verzweifelt zuruft, standhaft zu bleiben – „Schweige! Schweige, ich halt es aus!“ – gibt Tosca Angelottis Versteck im Brunnen preis.

Cavaradossi, inzwischen vor Schmerz ohnmächtig geworden, wird aus der Folterkammer geholt. Erwachend bemerkt er, dass Tosca das Versteck verraten hat. Er fühlt seine Kraft schwinden und stößt sie von sich. Doch in diesem Moment überbringt ein Bote die Nachricht, dass Napoleon bei Marenga unerwartet gesiegt hat: „Unsere Truppen sind geschlagen!“

Mit wachsender Spannung hat Cavaradossi dem Bericht zugehört. Die Begeisterung gibt ihm neue Kraft, sich gegen Scarpia zu stellen:

Viktoria! Viktoria!
Freiheit, leuchte uns rot,
bringt den Feinden den Tod!
Steige empor, Freiheit!
Schlagt die Tyrannen tot!

In größter Angst bittet Tosca ihren Geliebten, ruhig zu sein. Scarpia aber lacht nur über Cavaradossis Ausbruch:

Ja, bravo! Schrei nur! […] Dich erwartet der Galgen. Hinweg!

Der Gefangene wird abgeführt. Scarpia bleibt mit der erschütterten Tosca zurück – und nennt ihr ein Mittel, mit dem sie ihren Geliebten retten könne: Sie brauche ihm nur eine Stunde zu schenken. Natürlich könne sie auch gehen, sie sei frei – aber im Hof werde bereits ein Galgen errichtet. In einer Stunde sei ihr Mario tot. Es liege also ganz an ihr …

Tosca lässt sich schmerzgebrochen auf das Sofa fallen. Sie sieht keinen Ausweg mehr und zweifelt an ihrem Glauben und an Gott („Vissi d’arte“):

Nur der Schönheit weiht’ ich mein Leben
einzig meiner Kunst in Liebe ergeben!
Mit offnen Händen gab ich für Arme
barmherzige Spenden …
Immer mit echter Demut
ging ich zur Kirche
und sandte mein Gebet empor zu Gott,
und mit der gleichen Demut
weiht’ ich Blumen dem Altar!
Nun richtet eine Stunde
den Glauben mir zugrunde.
Warum, mein Gott,
suchst du mich heim so schwer?
Meine Juwelen hab ich der Kirche gegeben,
mit meinem Singen wollt’ ich
der Menschen Herzen zu dir wenden.
Warum, mein Gott und Herr, warum, warum
oh Gott, warum suchst du mich heim so schwer?

Scarpia indes meint, er verlange von Tosca doch gar nicht viel. Es sei eigentlich ein

ungleicher Handel:
Du willst ein Leben,
ich von dir nur eine Stunde!

Da kommen neue Nachrichten: Spoletta berichtet, Angelotti habe sich bei seiner Entdeckung das Leben genommen. Er will nun wissen, was mit Cavaradossi geschehen soll.

Scarpia blickt erwartungsvoll zu Tosca. Sie nickt gebrochen und fordert für ihre Zustimmung die sofortige Freilassung ihres Geliebten. Doch Scarpia lehnt ab. So einfach sei das nicht, die Öffentlichkeit müsse glauben, man habe Cavaradossi getötet. Aber er werde eine Scheinhinrichtung anordnen. Spoletta erhält den Auftrag, alles genau so zu machen wie bei früherer Gelegenheit „beim Grafen Palmieri“.

Spoletta hat den Befehl verstanden und geht, um die Vorbereitung für die Erschießung Cavaradossis zu treffen. Tosca verlangt nun freies Geleit für Cavaradossi und für sich selbst. Scarpia solle ihr einen Schutzbrief ausfertigen.

Während der Baron das Schreiben verfasst, ergreift Tosca zitternd ein Messer, das auf dem Esstisch liegt. Und als Scarpia aufsteht und sie an sich reißt, stößt sie ihm die Klinge in die Brust:

Diesen Kuss nimm von Tosca!

Scarpia ruft noch röchelnd um Hilfe, doch er stirbt unter Toscas Verdammniswünschen. Sie löst den Schutzbrief aus seiner verkrampften Hand, stellt zwei Kerzen neben seinen Kopf, „erhebt sich mit großer Vorsicht, geht und schließt die Tür hinter sich“.

3. Akt: Plattform der Engelsburg, Rom

Auf der Plattform der Engelsburg soll Cavaradossi erschossen werden. Es herrscht noch Dunkelheit, und im ersten Morgengrauen ertönen in der Ferne Herdenglocken und das Lied eines Hirtenjungen.

Mario hat einen Abschiedsbrief an Tosca geschrieben und besticht den Schließer des Gefängnisses mit seinem Ring, das Schreiben an die Sängerin weiterzuleiten. In Gedanken versunken blickt er zum Himmel („E lucevan le stelle“):

Und es blitzen die Sterne
und es dampfte die Erde,
die Tür des Gartens knarrte …
Es nahten sich heimliche Schritte …
Sie kam wie Duft von Blumen …
Und sie lag mir im Arme …
O süße Küsse, Zärtlichkeit und Kosen
wenn ich im Taumel
der schönen Reize Schleier dir dann löste!
Für immer ist der Liebe Traum verflogen …
Vorbei ist alles,
ich sterbe in Verzweiflung!
Noch niemals habe ich so geliebt das Leben …

Völlig unerwartet für Cavaradossi taucht in diesem Augenblick Tosca auf. Sie berichtet rasch von Scarpias Tod, von dem Schutzbrief und der Scheinhinrichtung, die sie erwirkt habe. Bei der bevorstehenden Erschießung solle er sich zu Boden fallen lassen und wie tot liegen bleiben. Wenn die Soldaten dann weg seien und sie ihn rufe, könne er wieder aufstehen …

Schon rückt ein Zug Soldaten an. Cavaradossi wird, wie von Scarpia befohlen, mit einer Salve von Schüssen hingerichtet. Er fällt zu Boden, die Soldaten ziehen wieder ab. 

Tosca ruft nun freudig ihren Geliebten, eilt herbei, um ihm aufzuhelfen – und muss entsetzt erkennen, dass er wirklich ermordet wurde. Scarpias Auftrag lautete anders: „Wie bei Palmieri“ fand die Hinrichtung nicht nur zum Schein statt.

Während Tosca fassungslos über den Tod Marios ist, eilen wieder Soldaten herbei. Scarpias Leichnam ist inzwischen entdeckt worden. Spoletta will Tosca dafür zur Rechenschaft ziehen und sich auf sie stürzen, „aber sie springt auf und stößt ihn so heftig zurück, dass er beinahe hinfällt […] dann schwingt sie sich auf die Mauerbrüstung“.

Mit dem meinen!
O Scarpia, uns richte Gott!

Mit diesem Ruf stürzt sich Tosca von der Engelsburg in die Tiefe.*


* In der technischen Umsetzung ist diese Szene mitunter eine Herausforderung. Oper-Regisseur Otto Schenk berichtete von schwergewichtigen Sängerinnen, die nach vollzogenem Todessprung von dem im hinteren Bühnengrund bereitstehende Trampolin wieder in den Blickbereich des Publikums hochgeschleudert wurden. In solchen Fällen bitte Haltung bewahren und für den strammen Applaus die Aufmerksamkeit ausschließlich auf Toscas sängerische Leistung fokussieren.

 

(Libretto-Übersetzung ins Deutsche: opera-guide.ch)