14. Januar 2026

Der Bastard

Nikolaj Arcels historisches Filmdrama „King’s Land“

1755. Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen), ein verdienter Soldat, der zum Hauptmann aufgestiegen ist, wendet sich an die Verantwortlichen der „Rentkammer“, die im dänischen Königreich für die Verwertung des Landes zuständig ist. Er plant, in der als unfruchtbar geltenden jütländische Heide Ackerland herzustellen und zu bewirtschaften.

Kahlens Vorhaben wird von den Beratern des Königs zunächst als undurchführbar lächerlich gemacht. Aber der ehemalige Soldat bietet ihnen eine attraktive Vereinbarung an, die für den König von Dänemark ohne Risiko ist: Er werde die Umwandlung der Heide in Ackerland mit seiner eigenen Offiziersrente finanzieren. Und für den Fall, dass sein Unternehmen Erfolg habe, verlange er lediglich den Adelstitel.

Unter diesen Voraussetzungen erhält Kahlen den Auftrag, auf dem Land des Königs („King’s Land“) tätig zu werden. Also nimmt er in der sandig-steinigen Wildnis der Heide Bodenproben, um den bestmöglichen Ort für sein Projekt zu finden und macht sich ans Werk.

Zunächst gelingt es Kahlen nicht, ausreichend Arbeitskräfte zu finden. Hilfe erhält er vom jungen Pastor Anton Eklund (Gustav Lindh), der ihm auch Ann Barbara (Amanda Collin) und ihren Mann Johannes (Morten Hee Andersen) vorstellt. Die beiden Pachtbauern sind von ihrem früheren –gewalttätigen – Arbeitgeber geflüchtet.

Und schon bald erweist sich dieser, der Gutsherr Frederic de Schinkel (Simon Bennebjerg), als Kahlens Gegenspieler: Er betrachtet die jütländische Heide als Eigentum und kann niemanden brauchen, der ihm „sein“ Land wegnimmt. Der Auftrag des Königs interessiert ihn wenig. Er ist daran gewöhnt, dass hier draußen Geld und Macht die Fakten schaffen.

Spätestens als de Schinkels Männer Johannes zu fassen bekommen und der sadistische Gutsherr seinen entlaufenen Pachtbauern öffentlich zu Tode foltern lässt, erkennt Kahlen, dass er vor unerwarteten Herausforderungen steht.

Eigentlich hatte er geplant, hier mit dem Anbau von Kartoffeln – einer damals in Dänemark noch kaum bekannten Pflanze – erfolgreich zu sein. Er hatte gedacht, dass die Natur – der humusarme Boden oder unerwartete Kälteinbrüche – die größten Herausforderungen für ihn bereithalten würde. 

Aber nun spürt Kahlen einen noch eisigeren Gegenwind: Zunächst behandelt ihn de Schinkel lediglich herabwürdigend. Als unehelicher Sohn einer Küchenmagd, die ihrem Gutsherrn zu Diensten sein musste, sei er ein unbedeutender Bastard. 

Aber dann, als der erste Winter glücklich überstanden ist und sich auf Kahlens „Königsland“ sogar schon aus Deutschland angeworbene Siedler zum Kartoffelanbau einfinden, schreckt de Schinkel auch nicht davor zurück, Schwerverbrecher aus dem Gefängnis zu rekrutieren, um den ungeliebten Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

Ann Barabara hat indes ihren Platz an Kahlens Seite gefunden und ist ihm zur wichtigsten Stütze geworden. Aber schließlich wird er sich entscheiden müssen – zwischen ihr, die in sein hartes, karges Leben einen Funken Liebe gebracht hat, und seinem Traum vom Lebensabend im Adelsstand …

Das Filmdrama „King’s Land“ des dänischen Regisseurs und Drehbuchautors Nikolaj Arcels ist inspiriert von einem Roman Ida Jessens („Kaptajnen og Ann Barbara“, dt.: „Der Kapitän und Ann Barbara“), für den sich die dänische Schriftstellerin an historischen Dokumenten, Briefen und Tagebüchern orientierte. 

Mads Mikkelsen, selbst Däne, ist eine derart dominante Idealbesetzung für die Rolle des Ludvig Kahlen, dass man sich diesen Film mit einem anderen Hauptdarsteller bei bestem Willen nicht mehr vorstellen kann. Er wurde für seine Darbietung mehrfach ausgezeichnet (unter anderem mit dem „Europäischen Filmpreis“) und führt ein großartiges Schauspieler-Ensemble an.

Auch visuell besticht „King’s Land“: Nikolay Arcel und seinem Kameramann Rasmus Videbæk gelang ein atmosphärisch dichtes, ans Western-Genre angelehntes Meisterwerk, das ein relativ unbekanntes Stück dänischer Geschichte vergegenwärtigt, allerdings wegen seiner Brutalität (FSK 16) für zartere Gemüter definitiv ungeeignet ist. 

Warum der treffende dänische Originaltitel („Bastarden – Der Bastard“) in der deutschen (!) Fassung in „King’s Land“ umbenamst wurde, bleibt ein für den Film unbedeutendes Rätsel.

(2023, 128 Minuten)