12. Mai 2026

Ein frühes Meisterwerk

Terrence Malicks Filmdrama „In der Glut des Südens“

Chicago, USA, um 1917: Der junge Bill (Richard Gere) arbeitet in einer Stahlfabrik. Eines Tages gerät er in einen hitzigen Streit mit seinem Vorarbeiter, und nachdem er ihn in dieser Auseinandersetzung getötet hat, flieht er gemeinsam mit seiner kleinen Schwester Linda (Linda Manz) und seiner Freundin Abby (Brooke Adams) nach Texas.

Dort arbeiten die drei als Erntehelfer auf den Weizenfeldern eines wohlhabenden Farmers (Sam Shepard), wobei Bill und Abby sich als Geschwister ausgeben. Sie denken, dass sie es leichter haben, wenn sie ihre Beziehung verbergen, und vielleicht sind sie von der Tiefe ihrer gegenseitigen Liebe auch nicht wirklich überzeugt.

Nachdem Bill ein Gespräch belauscht und herausgefunden hat, dass der reiche Farmer, für den sie arbeiten, erkrankt ist und dass ihm voraussichtlich nur noch ein Jahr Lebenszeit verbleibt, sieht er eine Chance für sich und seine Freundin, reich zu werden. Er empfiehlt Abby, den Annäherungsversuchen des offensichtlich einsamen und eher schüchternen Mannes nachzugeben. 

Sie tut es – und bald findet ihre Hochzeit mit dem Farmer statt.

Im Zusammenleben mit ihrem Mann erkennt Abby jedoch dessen Qualitäten und verliebt sich in ihn. Bill akzeptiert das und zieht sich zurück. Indes ist es dem Farmer aber nicht entgangen, dass seine Frau und Bill mehr als nur geschwisterliche Zuneigung füreinander empfinden.

Argwöhnisch beobachtet er die beiden, bis es eines Tages – als zugleich riesige Heuschreckenschwärme die Ernte der Farm bedrohen und an den Nerven aller Beteiligten zehren – zum Eklat kommt …

Mit seinem Filmdrama „In der Glut des Südens“ schrieb der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Terrence Malick 1978 ein Stück Kinogeschichte. Nicht, weil er eine besonders außergewöhnliche Geschichte aus der Zeit der Vereinigten Staaten vor deren Eintritt in den Ersten Weltkrieg verfilmte, sondern mit der Art, wie er sie in Szene setzte.

Seine Bilder gleichen Gemälden. Sie sind detailgenau nach historischen Vorbildern komponiert, nur mit natürlichem Licht aufgenommen und führen den Zuschauer unmittelbar in die Lebenswirklichkeit der Menschen von damals. Zugleich zieht eine eigenwillige, an tiefen, oft naturverbundenen Lebensmomenten orientierte Dramaturgie in ihren Bann.

Der Film mit dem Originaltitel „Days of Heaven“ („Tage des Himmels“) war erst die zweite Arbeit von Terrence Malick und begründete dessen Ruf als Ausnahme-Regisseur. Doch nachdem er 1979 mit diesem Streifen bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Preis als bester Regisseur gewonnen und Hollywood ihm Geld und freie Bahn – für was auch immer er drehen wolle – geboten hatte, zog er sich überraschend für 20 Jahre völlig aus dem Filmgeschäft zurück, um zurückgezogen in Paris zu leben und sich in anderer Art künstlerisch zu betätigen.

Später festigte Malick mit Filmen wie „Der schmale Grat“ (1998), „The Tree of Life“ (2011) oder „Ein verborgenes Leben“ (2019) seinen Ruf als geheimnisvolle Regie-Legende – der nicht zuletzt dadurch gefördert wurde, dass von ihm kaum Fotomaterial existiert. Ebenso gibt es kein „Making of“, das Terrence Malick bei der Arbeit zeigt. 

Zum Sprungbrett für seine Weltkarriere wurde „In der Glut des Südens“ auch für den jungen Richard Gere – obwohl Malicks Charaktere in diesem Film eher oberflächlich gezeichnet erscheinen. Zur besonderen Anmutung des Streifens trägt eher Ennio Morricones Filmmusik bei, die auch die markanten, für einen Spielfilm ungewöhnlich intensiven Naturaufnahmen würdigt.

Terrence Malicks frühes Meisterwerk wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen. Aber nicht, weil es gealtert ist, sondern weil seine künstlerische Eigenständigkeit auch nach Jahrzehnten noch ihresgleichen sucht.

(1978, 95 Minuten)