8. Februar 2026

Ein gut polierter Spiegel

Paul Thomas Andersons Drama „One Battle After Another“

„Ghetto Pat“ (Leonardo di Caprio), ein Bombenexperte, und seine draufgängerische Geliebte Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) gehören der linksextremen Terrororganisation „French 75“ an. Die Gruppe kämpft gegen das US-amerikanische System, das mit vermummten Spezialeinheiten, Mauern, Stacheldraht und Tränengas gegen Migranten vorgeht und, unterlaufen von einem christlich-rechtsextremen Geheimzirkel, einem aggressiven White-Supremacy-Rassismus neue Wege in der Gesellschaft bereitet.

Die „French 75“-Aktivisten rauben Banken aus, verüben Anschläge und befreien inhaftierte Migranten. „Eine Schlacht nach der anderen“ lautet die Devise – bis es in einer Haftanstalt zu einer folgenschweren Begegnung kommt. Perfidia demütigt dort den leitenden Militäroffizier Steven J. Lockjaw (Sean Penn), was aber letztlich dazu führt, dass dieser – ein (über)strammer Weißer –, eine Obsession für die toughe schwarze Aktivistin entwickelt. Er verfolgt fortan ihre Aktivitäten und stellt sie, während sie einen neuen Anschlag vorbereitet. Um nicht aufzufliegen, gibt Perfidia Lockjaws sexuellen Begehrlichkeiten nach – und lässt ihn in seinem selbstverliebten Glauben, der Mann ihrer Träume zu sein.

Nachdem sie Willa (Chase Infinity) zur Welt gebracht hat, von der Pat glaubt, sie sei seine Tochter, zieht dieser sich zurück. Er will mit seiner Familie an einem sicheren Ort ein neues Leben beginnen. Perfidia aber entschließt sich, in der „French 75“ weiterzukämpfen. 

Als ein Banküberfall außer Kontrolle gerät, sie einen Wachmann erschießt und ihr verzweifelter Fluchtversuch misslingt, droht ihr eine Verurteilung wegen Mordes. Mit Hilfe Lockjaws kommt Perfidia jedoch frei. Sie geht auf seinen Deal ein, Mitglieder der „French 75“ zu verraten und dafür ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen zu werden, und taucht danach unter.

Lockjaw wird auf Grund seines erfolgreichen Kampfes gegen den linken Terror geehrt. Er erhält die  „Bedford Forrest Ehrenmedaille“ (benannt nach einem Anführer des Ku-Klux-Klans), wird zum Colonel befördert und erhält die Einladung, Mitglied im „Christmas Adventurers Club“ zu werden, einem neofaschistischen, rechtsextremen Geheimzirkel. Zu den Voraussetzungen für die Aufnahme in diesen besonderen christlichen Freundeskreis gehört, nie eine intime Beziehung mit einer Farbigen gehabt zu haben.

Lockjaw gibt an, diese Anforderung zu erfüllen – und doch hat er Indizien dafür gefunden, dass Perfidias Tochter sein eigenes Kind sein könnte. 

Als er 16 Jahre später herausfindet, in welcher Kleinstadt Pat und Willa zu finden sind, aktiviert er eine ihm ergebene paramilitärische Polizeitruppe, um dort „Drogenrazzien“ durchzuführen. Der eigentliche Auftrag an die Männer lautet, Pat zu töten und das Mädchen für ein Verhör in Gewahrsam zu nehmen.

Und so sieht sich Pat – gealtert, eingeraucht, nur noch ein Schatten seiner selbst – bald der schwer bewaffneten Mannschaft eines Colonels gegenüber, der zu allem – auch zur Ermordung seiner Tochter – entschlossen ist, um zu vertuschen, dass er in „Rassenschande“ gelebt hat. 

Eben davon haben allerdings inzwischen auch seine Gesinnungsgenossen aus dem „Christmas Adventurers Club“ erfahren – wodurch Lockjaw, ohne es zu wissen, selbst auf der Abschussliste steht …

Ein weiterer Handlungsstrang in „One Battle After Another“ spannt sich um Willas Beziehung zu ihrer Mutter, vor der das Mädchen nur vom Hörensagen weiß.

Als sie sie in Gefahr weiß, versucht Perfidia ihrer Tochter – ohne sich als Mutter zu erkennen zu geben – mit allen Mitteln und Kontakten, die ihr zur Verfügung stehen, zu helfen. Letztlich ohne Erfolg. Willa wird die Schlachten ihres Lebens selbst kämpfen müssen …

Im großen Showdown lässt der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson die fiktiven Charaktere und Organisationen seines Filmdramas mit voller Wucht, eindrucksvoll inszeniert, aufeinander knallen. Dass sein Streifen mit zahllosen Preisen und Nominierungen ausgezeichnet wurde, hat aber wohl doch erst in zweiter Linie mit den gediegenen künstlerischen Leistungen – Buch, Regie, Schauspiel, Musik … – zu tun. Denn vor allem wirkt „One Battle After Another“ als gut polierter Spiegel politisch-religiöser Entwicklungen in den USA.

Dabei liegt das eigentliche Drama in der Frage, ob diese durch Andersons cineastische Fiktion in unterhaltsamer Zuspitzung ad absurdum geführt werden – oder ob die bittere Realität gar nicht mehr überzeichnet werden kann.

(2025; 162 Minuten)