Stuart Hazeldines Filmdrama „Die Hütte“ •
Der 13-jährige Mackenzie Philips lebt in zerrütteten Familienverhältnissen. Zwar gelten in seiner US-amerikanischen Heimatgemeinde christliche Werte, aber sein Vater trinkt, misshandelt immer wieder seine Frau und schlägt auch ihn.
Nachdem „Mack“ sich einer Nachbarin (Octavia Spencer) anvertraut, ermutigt diese ihn, solche Misshandlungen nicht als normal anzusehen. Väter dürften ihren Kindern so etwas nicht antun, das sei keine Liebe. Mack solle sich mit seinem Kummer an Gott wenden, dieser höre immer zu.
Der Junge erzählt daraufhin dem Prediger in der Kirche, was sich bei ihm zu Hause abspielt – und das hat katastrophale Folgen: Der Vater fühlt sich vor der christlichen Gemeinde bloßgestellt und misshandelt seinen Sohn eine halbe Nacht lang so brutal, dass seine Frau verzweifelt die Familie verlässt.
„Ich hoffe, du kannst mir eines Tages vergeben“, schreibt sie auf einen Zettel – und Mack bleibt mit seinem gewalttätigen, alkoholkranken Vater allein. In seiner Not vergiftet der Junge den Whisky des Vaters mit Strychnin …
In seinen Träumen verfolgt Mack diese unüberlegte Handlung auch noch, als er erwachsen ist.
Mit seiner Frau Nan (Radha Mitchell) und den drei Kindern Kate, Josh und Missy führt er ein glückliches Familienleben. Auch in dieser Generation hält man an christlichen Traditionen fest. Vor allem Nan versucht, Gott ihren Kinder als vertrauensvolles Gegenüber begreifbar zu machen. Sie nennt ihn „Papa“.
Doch eines Tages verändert eine fürchterliche Tragödie alles. Während eines Campingausfluges verschwindet Missy, die jüngste Tochter, spurlos. Bald danach finden Suchtrupps in einer Hütte das blutige, zerrissene Kleid der Kleinen, und die schlimmsten Befürchtungen bestätigen sich: Sie ist das Opfer eines Serienmörders geworden, der jedoch nicht gefasst werden kann.
Mack (Sam Worthington) hadert fortan mit seinem Glauben und müht sich depressiv durch den Alltag – bis er an einem verschneiten Wintertag eine seltsame Nachricht in seinem Briefkasten findet: „Papa“ lädt ihn in die Hütte ein. Mack solle am kommenden Wochenende dorthin kommen, wenn er ihm wieder begegnen möchte …
Nachdem seine Nachforschungen, wer diesen Brief geschrieben haben könnte, ergebnislos verlaufen, macht sich Mack innerlich aufgewühlt auf den Weg. Die Erinnerung an seine Nachbarin, die ihm geraten hatte, sich mit jedem Kummer an Gott zu wenden, ist ihm gegenwärtig – aber er vermutet, dass der seltsame Brief von Missys Mörder stammt und hofft, ihm am Tatort begegnen und ihn stellen zu können.
Doch auf dem Weg zur Hütte ereignet sich ein schrecklicher Autounfall …
In seiner Verfilmung von William P. Youngs Roman-Bestseller „Die Hütte“ thematisiert der britische Regisseur Stuart Hazeldine ein typisches Nahtoderlebnis: Mack begegnet nach einer Übergangserfahrung – der Weg zur Hütte verwandelt sich von einer düsteren Winterszenerie zu wärmendem Licht – der „Liebe Gottes“, die er zunächst, seiner religiösen Prägung entsprechend, als Dreifaltigkeit wahrnimmt. „Gott“ erscheint ihm in Gestalt der früheren Nachbarin, Jesus als Freund. Später zeigt sich Gott als starker, weiser Helfer (Graham Green).
Mack beginnt aus höherer Perspektive bedingungslose Liebe zu begreifen; er begegnet seinem verstorbenen Vater und seiner Tochter Missi, lernt Vergebung und entscheidet sich schließlich zur Rückkehr in das irdische Leben.
Das, was er als „Wochenende mit Gott“ erlebt hat, waren in Wirklichkeit wenige Sekunden während des Unfalls. Aber sie haben Mack, seinen Glauben und seine Sicht auf das Leben für immer verändert.
Die überwiegend schlechten Kritiken, die Stuart Hazeldine für sein Filmdrama erntete – Stichworte: „Kitsch“, „New-Age-Bibelinterpretation“, „überlange Predigt“ … – resultieren wohl daraus, dass transzendente Erlebnisse hier allzu konkret und oft auch allzu banal in Dialoge und Bilder gegossen werden, so dass sich Momente tieferer Empfindungen nicht wirklich zu einem geschlossenen Gesamteindruck formen können. Vermutlich auch aufgrund dieses Problems wurde das große Thema des Filmdramas – eine religiös geprägte Nahtoderfahrung und ihre Folgen – gar nicht diskutiert, vielleicht nicht einmal erkannt.
Beim Publikum kommen spirituell orientierte Filme meist besser an als bei der Kritik – so auch hier.
Fazit: „Die Hütte“ stellt wahrscheinlich nicht den Höhepunkt im Filmschaffen von Stuart Hazeldine dar, aber wer für Nahtoderfahrungen und ähnliche Erlebnisse offen ist, könnte darin einige Lebensweisheiten entdecken, ohne von intellektuellen Vorurteilen abgelenkt zu werden.
(2017, 133 Minuten)

