16. April 2026

Emotionale Achterbahnfahrt

Craig Brewers Filmdrama „Song Sung Blue“

Mike Sardina (Hugh Jackman) ist Mechaniker, ehemaliger Alkoholiker und tritt bei Jahrmärkten und kleineren Veranstaltungen als Sänger und Imitator auf. Als Künstlernamen hat er sich „Lightning“ zugelegt, aber die Veranstalter haben wenig Interesse daran, ihn als eigenständige „Marke“ zu engagieren. Er soll bei seinen Auftritten so gut wie möglich andere kopieren – mehr ist nicht gefragt.

Eines Tages lernt Mike Claire (Kate Hudson) kennen. Sie rät ihm, sich ganz auf die Interpretation von Neil-Diamond-Songs zu konzentrieren. 

Nachdem Mike seine Bedenken, dem legendären Sänger und Songschreiber nicht gerecht zu werden, überwunden hat, folgt er Claires Vorschlag. „Sweet Caroline“, „I’m A Believer“, „Forever in Bluejeans“, „Beautiful Noise“, „I Am … I Said“, „Holly Holy“, „Cherry, Cherry“, „Song Sung Blue“ … Mike entwickelt zu vielen Diamond-Songs eine tiefe Beziehung, und zugleich findet er mit Claire das Glück seines Lebens.

Die beiden lieben einander, die Kinder aus ihren früheren Beziehungen finden ebenfalls zusammen, sie heiraten schließlich, und auch künstlerisch klappt alles. Mike und Claire treten nun gemeinsam als das Neil-Diamond-Tribute-Duo „Lightning & Thunder“ auf – vor zunehmend großem Publikum.

Doch dann kommt es zur Katastrophe: Claire wird bei der Arbeit vor ihrem Haus von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Sie überlebt zwar, verliert aber ihr linkes Bein,  beginnt an Depressionen zu leiden, wird von Schmerzmitteln abhängig, und endet in einer psychiatrischen Klinik, während Mike nach 20 Jahren „Trockenheit“ Gefahr läuft, wieder zur Flasche zu greifen …

Craig Brewers Drama „Song Sung Blue“ ist – wie es der Titel des Neil-Diamond-Hits treffend ausdrückt („blue“ kann mit „traurig“ oder „trübsinnig“ übersetzt werden) – kein Wohlfühl-Film. Zwar bietet er viele Gelegenheiten, die Songs eines der großartigsten Song-Komponisten unserer Zeit neu zu erleben – und in bestimmten Stimmlagen klingt Hugh Jackman tatsächlich ähnlich wie Neil Diamond! –, aber die Geschichte von Mike und Claire ist phasenweise schwer zu ertragen. 

Dabei wurde sie vom Leben selbst geschrieben. Denn „Song Sung Blue“ beruht auf wahren Begebenheiten. Craig Brewer, der nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor tätig war, hat die Geschichte von Mike und Claire Sardina – wie in Biopics üblich – lediglich dramaturgisch verdichtet. 

Gelungen ist ihm damit eine sehenswerte emotionale Achterbahnfahrt, die – nach Filmen wie „Die Möwe Jonathan“ und „The Jazz Singer“ – nicht zuletzt auch Neil Diamonds Musik noch einmal filmisch würdigt. 

Der Sänger hat seit den späten 1960-er Jahren insgesamt etwa 1000 Songs aufgenommen, Hunderte davon selbst geschrieben. Mit mehr als 125 Millionen verkaufen Tonträgern, zahlreichen Nummer-1-Hits und einem bemerkenswerten Spätwerk (zum Beispiel erreichte sein 29. Studioalbum „Home Before Dark“ im Jahr 2008 Platz 1 in den „Billboard Charts“) gehört Neil Diamond zu den erfolgreichsten Musikern und den bedeutendsten Songwritern überhaupt.

Zu sehen und zu hören, wie Hugh Jackman und Kate Hudson – die US-amerikanische Schauspielerin erweist sich als bemerkenswerte Sängerin! – sich von Diamonds zeitlosen Songs faszinieren lassen und die Freuden und Leiden des Tribute-Paars „Lightning & Thunder“ in allen Facetten „greifbar“ machen, ist ein Erlebnis!

Craig Brewer ist mit „Song Sung Blue“ ein kleines Meisterwerk gelungen, an dem nicht nur alle ihre Freude haben werden, die Diamonds Musik von Jugend an begleitet hat. Denn mit diesem Streifen ist auch der Kunst des klassischen, von Produktionskniffen unabhängigen Songwritings ein Denkmal gesetzt.

Sehens- und hörenswert!

(2025, 132 Minuten)