Tom Shadyacs Drama „Im Zeichen der Libelle“ •
Joe Darrow (Kevin Kostner) versucht verzweifelt, mit seiner schwangeren Frau Emily (Susanna Thompson) in Kontakt zu bleiben. Sie war als Ärztin für einen humanitären Einsatz in Venezuela unterwegs, hatte das Lager aber wegen starker Regelfälle verlassen müssen.
Alle Mühe ist vergeblich. Bald erfährt er von Tod seiner geliebten Frau. Emily starb wohl, nachdem der Bus, der sie in Sicherheit hätte bringen sollen, durch eine Hangrutschung in einen Fluss gestürzt war.
Joe, selbst Arzt, flüchtet sich in die Arbeit. Aber selbst nach mehreren Monaten findet er keine Ruhe. Immer wieder erinnern ihn zufällig erscheinende Begebenheiten an Emily. Libellen zum Beispiel, die sie so sehr gemocht hatte. Und obwohl er, wie alle in seinem Bekanntenkreis, materialistisch orientiert denkt, hat Joe immer stärker den Eindruck, dass seine verstorbene Frau den Kontakt zu ihm sucht.
Bestätigt wird ihm diese Vermutung unter anderem von Jeffrey, einem kleinen Krebspatienten, den schon Emily auf der Onkologie-Station betreut hatte. Nachdem er wegen eines Herzstillstandes erfolgreich wiederbelebt werden konnte, erzählt der Junge, dass er Joe während der Reanimation von der Zimmerdecke aus gesehen habe. Und mehr noch: Er wisse von Emily. Sie wolle, dass Joe zu ihr kommt. Er habe die besten Nahtoderlebnisse von allen hier, meint Jeffrey stolz.
Joe ist hin und her gerissen zwischen seinem bisherigen Weltverständnis und einer immer stärker werdenden Hoffnung, dass es tatsächlich ein Leben nach dem Tod geben könnte. Denn immer wieder taucht in seinem Umfeld ein geheimnisvolles Symbol auf, das eine Botschaft von Emily sein könnte. Als er schließlich dessen Sinn erkennt, ist er davon überzeugt, dass er nach Venezuela muss, an den Ort des Busunglücks.
Überzeugt, dort etwas entscheidend Wichtiges zu entdecken, macht Joe sich auf den Weg …
Tom Shadyacs Drama „Im Zeichen der Libelle“ thematisiert nicht nur Nahtoderfahrungen, sondern auch Erlebnisse, die heute in der Sterbeforschung unter dem Begriff „Nachtodkontakte“ bekannt sind. Studien zeigen, dass Hinterbliebene häufig von einer unerwarteten Präsenz nach Todesfällen im Familienkreis berichten, von bemerkenswerten „Zufällen“, die ihnen wie Botschaften aus dem Jenseits erscheinen, gelegentlich sogar von Spuk-Phänomenen.
In der Inszenierung solcher Begebenheiten zeigt Tom Shadyac wenig Zurückhaltung. Sein Drama streift zwischendurch das Horror-Genre, und die an sich gut geschriebene, packende und berührende Geschichte bedient dadurch das Vorurteil, dass alles Jenseitige irgendwie gruselig sein müsse.
Wer sich eingehender mit Todesnähe-Erlebnissen befasst, wird sich von dieser Hollywood-Oberfläche aber nicht abschrecken lassen. Denn tatsächlich trifft das Filmdrama bei vielem ins Schwarze. Etwa, was den gesellschaftlichen Umgang mit Nahtoderfahrungen und Nachtodkontakten anlangt. Das Abtun und Wegerklären solcher Phänomenen ist auch heute noch gang und gäbe, ebenso wie der analytische Reflex, spirituelle Erlebnisse und Begebenheiten als Spinnerei oder Halluzination abzutun.
Auch Joes Mäandern zwischen Glaube und Zweifel, zwischen selbst erarbeiteter Hoffnung und fremdbestimmter Vernunft, erscheint aus dem Leben gegriffen.
Viele Dialoge dieses Streifens, an dessen Drehbuch drei Autoren arbeiteten, wirken brillant und lebensnah, und Hauptdarsteller Kevin Costner scheint Spaß an der Darstellung des spirituellen Erwachens seines Filmcharakters zu haben.
„Im Zeichen der Libelle“ gehört zu den wenigen Filmen, deren Dramaturgie zwar von Spiritualität lebt, aber nicht in reine Fantasy-Gefilde abhebt. Solche Produktionen werden vom Publikum wahrscheinlich eher geschätzt als von materialistisch orientierten Kritikern – umso mehr, wenn sie sich, wie in diesem Fall, nicht im Mystery-Genre verlieren, sondern mit einem bodenständigen, die losen Handlungsfäden zusammenführenden Happy-End aufwarten.
Joe Darrow erfährt zu guter Letzt, weshalb er Emilys „Ruf“ gehört hat, und mit seinen optimistischen Schlussszenen deutet „im Zeichen der Libelle“ auch an, was Menschen mit Nahtoderfahrungen und Nachtodkontakten sehr häufig berichten: Das Leben ändert sich – für immer.
Alles in allem: Sehenswert!
(2002, 104 Minuten)

