Il viaggio a Reims
• Oper in einem Akt von Gioachino Rossini •
Libretto: Giuseppe Luigi Balocchi (1765–1831) •
Musik: Gioachino Rossini (1792–1868) •
Uraufführung: 19. Juni 1825, Paris (Théâtre-Italien) •
Dauer: ca. 2 Stunden
Akt: Salon des Hotels „Zur Goldenen Lilie“; hell erleuchteter Hotelgarten
Hauptpersonen:
Corinna, römische Improvisationskünstlerin: Sopran
Marchesa Melibea, polnische Edelfrau: Alt
Contessa di Folleville, junge Witwe: Sopran
Madama Cortese, Dame aus Tirol, Hotel-Eigentümerin: Sopran
Cavaliere Belfiore, französischer Offizier und Amateurmaler: Tenor
Conte di Libenskof, russischer General: Tenor
Lord Sidney, englischer Oberst: Bass
Barone di Trombonok, deutscher Major und Musikliebhaber: Bass
Don Profondo, Literat: Bass
Don Alvaro, spanischer Admiral: Bass
Kurze Werkeinführung
Die Oper „ Il viaggio a Reims“ (deutsch: Die Reise nach Reims oder Das Hotel zur Goldenen Lilie) ist eine einaktige komische Oper des italienischen Komponisten Gioachino Rossini (1792–1868). Er komponierte sie zur Krönung des französischen Königs Karl X (1757–1836), die am 29. Mai 1825 in der Kathedrale von Reims stattfand.
Die Oper spielt in der damaligen Gegenwart, am 28. Mai 1825 im Badehotel „Zur Goldenen Lilie“ in der französischen Kleinstadt Plombières, wo einander recht eigenwillige Gäste aus verschiedenen Ländern begegnen, beobachten und bezirzen.
„Il viaggio a Reims“ wurde am 19. Juni 1825 im Théâtre-Italien in Paris uraufgeführt.
Das Werk ist eine der unterhaltsamsten Opern überhaupt, wird künstlerisch – nach dem „Barbier von Sevilla“ und „La Generentola“ – als weiteres Meisterwerk Rossinis betrachtet und ist seit seiner Uraufführung immer wieder auf den internationalen Bühnen zu sehen. Auf Grund der gesanglich anspruchsvollen zehn (!) Hauptrollen, für die Rossini virtuose Arien vorgesehen hat, gilt es allerdings als sehr schwer zu besetzen.
Eine besonders gelungene Aufführung gelang 2026 den „Salzburger Festspielen“.
Die Handlung
Kurz und gut …
Wenn eine bunte Gästeschar in einem Badehotel nächtigt, um der Krönung des französischen Königs beizuwohnen, dann aber erfahren muss, dass für die Reise keine Pferde mehr zu bekommen sind, dann ist Flexibilität in der persönlichen Orientierung gefragt …
Salon des Hotels „Zur Goldenen Lilie“
28. Mai 1825. Am kommenden Tag wird in der Kathedrale von Reims König Karl X. gekrönt. Im Hotel „Zur Goldenen Lilie“ in der französischen Kleinstadt Plombières bereiten sich Gäste aus mehreren Ländern zur Weiterreise nach Reims vor. Die Hausdame spornt die Angestellten zu mehr Fleiß an („Presto, presto… su, coraggio!“), der Hotelarzt überprüft die Speisen.
Madama Cortese, die Eigentümerin des Badehotels, würde die Krönung des Königs auch gern miterleben („Di vaghi raggi adorno“), aber sie hat zu viel zu tun. Die „Goldene Lilie“ soll allen Gästen in bester Erinnerung bleiben.
Zu diesen gehört die Contessa di Folleville, eine modeaffine junge Witwe, die in größter Sorge ist, weil ihre maßgeschneiderten Kleider noch nicht eingetroffen sind. Cavaliere Belfiore, ein französischer Offizier und Amateurmaler, verehrt die Contessa zwar, kann ihr bei ihrem akuten Problem aber auch nicht helfen. Und zu schlechter Letzt muss sie erfahren, dass die Kutsche, die ihre wertvollen Kleidungsstücke transportiert hat, umgekippt und die wertvolle Fracht wohl beschädigt ist. Grund genug für einen Ohnmachtsanfall.
Der Barone di Trombonok, ein deutscher Major und Musikliebhaber, eilt mit dem Hotelarzt und anderen herbei, um sich um die Contessa zu kümmern. Schließlich kommt sie wieder zu sich und beklagt ihr Schicksal („Partir, o ciel! desio“). Zum Glück stellt sich heraus, dass ihr Hut, ein besonderer Blickfang neuester Pariser Mode, den Unfall unbeschadet überstanden hat.
Der Barone kommt zum Schluss, dass die Welt ein Narrenkäfig ist („Sì, di matti una gran gabbia“).
Im Hotelsalon sind nun auch Don Profondo, ein Literat, und Don Alvaro, ein spanischer Admiral erschienen. Dieser ist in Begleitung der Marchesa Melibea, einer verwitweten polnische Edelfrau, auf die allerdings ein äußerst eifersüchtiger russischer General, der Conte di Libenskof, ein Auge geworfen hat.
Zwischen ihm und Don Alvaro kommt es zum Streit, schon wollen sie sich duellieren („Arpa gentil, che fida“), aber als aus einem Zimmer plötzlich Gesang erklingt, begleitet von einer Harfe, beruhigen sich die Gemüter wieder. Die römische Improvisationskünstlerin Corinna gibt ein Liebeslied zum besten („Arpa gentil, che fida“).
Immer ungeduldiger warten die Hotelgäste auf das Eintreffen der Pferde und des Wagens für die Weiterreise nach Reims.
Die Hotelbesitzerin, Madama Cortese, ist bereits beunruhigt, auch ihr Bote ist noch nicht zurückgekehrt.
Indes kämpft der englische Oberst Lord Sidney mit romantischen Gefühlen. Er hat sich in Corinna verliebt, zögert aber, ihr das zu gestehen (während Madama Cortese bereits weiß, dass die Künstlerin seine Liebe erwidert). Im Auftrag des Lords legen Gärtner ein Blumengesteck vor Corinnas Zimmertür („Ah! perché la conobbi?“ – „Invan strappar dal core“).
Für den Literaten Don Profondo, der mit ihm gern über englische Antiquitäten diskutieren würde, hat der Oberst jedenfalls kein Ohr.
Als Corinna Lord Sidneys Blumen entdeckt, steckt sie sich sogleich eine davon an. Doch sie hat noch einen weiteren Verehrer, den Cavaliere Belfiore. Leidenschaftlich umwirbt der französische Offizier, der ja eigentlich schon die Contessa di Folleville an seiner Seite hat, die Gesangskünstlerin, wird von ihr abgewiesen, glaubt selbst aber dennoch an seinen Eroberungserfolg („Sola ritrovo alfin la bella dea“ – „Nel suo divin sembiante“).
Don Profondo beobachtet die Szene und amüsiert sich über die ausgeprägten Charaktere dieser Reisegruppe („Medaglie incomparabili“). Als dann aber die Contessa di Folleville von ihm wissen will, ob er Cavaliere Belfiore gesehen habe und ob dieser allein gewesen sei, zögert der Literat zunächst, der jungen Dame von den Eroberungsversuchen ihres unsteten Liebhabers zu erzählen. Schließlich aber erkennt die Contessa zunehmend wütend, was da gerade passiert ist.
Und warum kann die Reise nach Reims immer noch nicht beginnen? Endlich klärt sich diese Frage – aber es sind keine guten Nachrichten, die Madama Corteses Bote bringt. Nirgendwo seien mehr Pferde aufzutreiben. Die Fahrt zur Krönungszeremonie müsse also abgesagt werden.
Das Entsetzen der Reisegesellschaft („Ah! A tal colpo inaspettato“) lindert dann aber ein Brief aus Paris, den Don Profono vorliest: Für alle, die in Reims nicht dabei sein konnten, plane der König in Paris eine eigene große Feier.
Spontan lädt Contessa di Folleville nun alle in ihr Haus in der französischen Hauptstadt ein. Sofort wird für den folgenden Tag eine Postkutschenreise nach Paris geplant. Und mit dem dadurch eingesparten Geld könne man sich ein ordentliches Bankett leisten.
Madama Cortese gibt Auftrag, den Garten ihres Hotels dafür vorzubereiten.
Indes entschuldigt sich der Conte di Libenskof bei der Marquise Melibea für seine Unbeherrschtheit und Eifersucht („Di che son reo?“) und gesteht ihr seine Liebe – die sie nach gebührlichem Zögern erwidert („D’alma celeste, oh dio!“).
Hell erleuchteter Hotelgarten
Die Vorbereitungen für das festliche Bankett im Garten des Hotels „goldene Lilie“ sind abgeschlossen, die Hausgäste werden geholt. Barone Trombonok hat eine Wandertruppe von Musikern und Tänzern eingeladen („L’allegria è un sommo bene“) und fordert nun alle dazu auf, Gesänge aus ihrer Heimat vorzutragen. Also ertönen deutsche, russische, spanische und französische Melodien; Madama Cortese stimmt, unterstützt von Don Profondo, eine Weise aus Tirol an.
Corinna soll, von der Lyra begleitet, mit einer Improvisation für den abschließenden Höhepunkt sorgen. Ein Los entscheidet über das Thema: Zum Zug kommt – wen überrascht das noch? – der französische König Karl X.
Und alle Stimmen in den Lobgesang ein …
Titelbild: Salzburger Festspiele, 2026

