Ali Abbasis Filmbiographie „The Apprentice – The Trump Story“ •
Die „Washington Post“, eine der renommiertesten Zeitungen der Vereinigten Staaten von Amerika, dokumentierte, dass Donald Trump in seiner ersten Amtszeit als Präsident der USA (2017–2021) öffentlich 30.573 mal die Unwahrheit gesagt hat.
Als erster ehemaliger US-Präsident der Geschichte musste sich Trump in mehreren Prozessen strafrechtlich vor Gericht verantworten. Ab dem 30. Mai 2024 galt er verurteilten Straftäter.
Davor wurde er wegen sexueller Übergriffe und Verleumdung in einem Zivilverfahren zu einer Geldstrafe in Millionenhöhe verurteilt. In einem weiteren Zivilprozess wegen Finanzbetrugs verurteilte ein New Yorker Gericht Donald Trump zur Zahlung einer Strafe in dreistelliger Millionenhöhe. Begründung: Er und seine Söhne, Donald junior und Eric, hätten über Jahre hinweg die Vermögenswerte eigener Immobilien um Milliardenbeträge künstlich aufgebläht, um günstigere Kredite zu erhalten.
Eine beeindruckende Liste von Insolvenzen dokumentierte bereits in den Jahrzehnten davor Trumps wirtschaftliche „Erfolge“: „Trump Taj Mahal“ (1991), „Trump Plaza Hotel & Casino“ (1992), „Trump Hotels & Casino Resorts“ (2004), „Trump Entertainment Resorts“ (2009) …
Am 5. November 2024 wurde Donald Trump zum zweiten Mal zum US-amerikanischen Präsidenten gewählt.
Sein Erfolgsprinzip lässt sich auf drei Grundsätze reduzieren:
„Die erste Regel lautet: Angreifen, angreifen, angreifen […] Regel zwei: Nichts zugeben, alles leugnen […] Regel drei: Egal, was passiert, du beanspruchst den Sieg und gibst niemals eine Niederlage zu. Du musst bereit sein, jedem alles anzutun, um zu gewinnen.“
In seinem Film „The Apprentice“ („Der Lehrling“) beleuchtet der iranische Regisseur und Drehbuchautor Ali Abbasi die „Lehrjahre“ Donald Trumps (Sebastian Stan) – und das Leben jenes Mannes, der ihm die drei Regeln beigebracht hat: Roy Cohn (Jeremy Strong), ein kaltblütiger Rechtsanwalt.
Ihn lernt Trump im Jahr 1973 in New York kennen, als er – ein 27-jähriger Playboy, der in die High Society will – eine Lösung für ein aussichtslos erscheinendes Rechtsproblem sucht: Dem von seinem Vater Fred Trump (Martin Donovan) aufgebauten Immobilien-Imperium drohen schwer wiegende Probleme. Denn das US-Justizministerium habe wegen Diskriminierung von Schwarzen bei der Vermietung von Wohnungen geklagt.
Für Cohn ist die erdrückende Beweislast, die gegen Trump vorliegt, Nebensache. „Spiele nicht den Ball“, erklärt er seinem „Lehrling“ mit einem Gleichnis aus dem Sport, „sondern den Mann“. Und schon bald – nachdem Cohn den Vertreter der Stadt New York damit erpresst hat, dessen Homosexualität publik zu machen – ist die Angelegenheit zu Trumps Zufriedenheit bereinigt.
In den folgenden Jahren wird aus dem Lehrling selbst ein Meister …
Ali Abbasi thematisiert in seinem Film einige weitere Machenschaften Trumps im Immobilien-Bereich, seine misslungene Ehe mit Ivana (Marija Bakalowa), und er skizziert auch – wenigstens ansatzweise –, wie aus einem eher unsicheren Playboy, der seinem übermächtigen Vater beweisen will, dass er größer und besser ist als er, der narzisstische Mann wurde, der der Wahrheit rücksichtslos und menschenverachtend seine eigene Scheinwelt entgegen klotzt.
„The Apprentice“ kam 2024 in die Kinos – und konnte die Wiederwahl Donald Trumps im November des gleichen Jahres ebenso wenig verhindern wie die Gerichtsverfahren oder die Dokumentation der von diesem Präsidenten verbreiteten Unwahrheiten.
Und so musste und durfte die Menschheit einen maschinenhaft wider jegliche Vernunft agierenden US-Präsidenten erleben, der sich offiziell (über den „X“-Account des Weißen Hauses) als Stellvertreter Gottes (im Papst-Ornat) oder Comic-Held (im Superman-Kostüm) präsentiert und seinen eigenen Machtrausch beständig mit guten „Shows“ und ein schnellen „Deals“ zu befeuern sucht.
Vor allem aber zeigt der Fall Trump (wieder einmal), wie einfach es ist – ausreichende Dünkelhaftigkeit vorausgesetzt –, Menschen zu verführen und sie der Wahrheit gegenüber abzustumpfen: Es reicht, sie in ihrer Wohlfühlzone abzuholen; ihnen genau das zu erzählen, was sie hören wollen; ihnen „Brot und Spiele“ zu bieten und vermeintlich Verantwortung abzunehmen: als „allmächtiger Erlöser“, der für jegliche Unannehmlichkeit zielsicher Schuldige benennt und sie rücksichtslos verfolgt.
Wie es wohl dem nackten Menschen hinter der großen, tragischen Sieger-Figur Trump wirklich ergeht?
„The Apprentice“ zeigt schnitttechnisch seine blinde, rastlose Flucht vor den unausweichlichen letzten Konsequenzen. Nach der Beerdigung seines Vaters wäscht sich Donald exzessiv die Hände. Und als Roy Cohn zu Grabe getragen wird, lässt er sich Bauchfett absaugen und Haare implantieren.
Es lebe die Scheinwelt!
(2024, 120 Minuten)

