On the Town
• Musical in zwei Akten von Leonard Bernstein•
Libretto: Betty Comden (1917–2006) & Adolph Green (1914–2002) •
Musik: Leonard Bernstein (1918–1990) •
Uraufführung: 28. Dezember 1944, New York City (Adelphi Theatre) •
Dauer: ca. 3 Stunden
1. Akt: New York City (Hafen von Brooklyn; U-Bahn, Stadtinneres; Carnegie Hall; Times Square)
2. Akt: New York City (Nachtclubs; U-Bahn; Coney Island; Hafen von Brooklyn)
Hauptpersonen:
Gabey, Matrose: Tenor
Chip, Matrose: Tenor
Ozzie, Matrose: Tenor
Ivy Smith, Bauchtänzerin und „Miss Subway“: Sopran
Claire De Loone, Anthropologin: Sopran
Hildy Esterhazy, Taxifahrerin: Sopran
Lucy Schmeeler, Hildys Mitbewohnern: Sprechrolle
Madame Dilly, Gesangslehrerin: Mezzo
Pitkin W. Bridgework, Richter: Bariton
Kurze Werkeinführung
Das Musical „On the Town“ war das erste große Bühnenwerk des US-amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein (1918–1990). Er schrieb dieses musikalisch ausgereifte Meisterwerk, das auf klassisch-jazziger Grundlage verschiedenste Musikstile zwanglos miteinander verbindet, im Alter von nur 25 Jahren.
Bernstein, der auch Pianist war und als Dirigent Weltkarriere machte, gilt als einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts.
Seine Musical-Komödie spielt vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges in New York City, 1944. Drei Matrosen wollen sich während ihres 24-stündigen Landgangs in der Stadt amüsieren und finden dafür Begleiterinnen, die sie nie vergessen werden …
Die Handlung
Kurz und gut …
Drei Matrosen allein in New York – auf der Suche nach der „Miss Subway“ und ein wenig Ablenkung von den Gräueln des Zweiten Weltkriegs.
1. Akt: New York
Am Hafen von Brooklyn gehen um 6 Uhr morgens drei Matrosen an Land. Gabey, Chip und Ozzie haben einen 24-stündigen Landgang vor sich und wollen New York und die Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden, ehe sie wieder zurück auf ihr Schiff – und in damit den Krieg müssen.
Während der Fahrt ins Zentrum fällt Gabey in der U-Bahn ein Plakat auf. Es zeigt die neue „Miss Subway“, ein Mädchen namens Ivy Smith. Und sofort ist Gabey klar, was er in den kommenden Stunden tun wird: Er muss und wird diese junge Frau finden und kennenlernen.
Seine Freunde haben zunächst andere Pläne, denn immerhin bietet New York jede Menge Sehenswürdigkeiten. Aber Chip und Ozzie entschließen sich, ihrem Freund bei seiner Suche zu helfen. Der Plan: Man trennt sich, jeder sucht eigenständig nach Hinweisen auf den Aufenthaltsort von Ivy Smith, und um Punkt 23 Uhr wird man einander wieder treffen, am Times Square.
Gesagt, getan.
Chip hofft, bei der U-Bahnverwaltung Hinweise auf „Miss Subway“ zu finden und will ein Taxi nehmen, um dorthin zu gelangen. Doch die Taxifahrerin, ein kommunikatives und für eine neue Beziehungen ohne weiteres offenes Mädchen namens Hildy, entführt ihn in ihre Wohnung. Und so hat die Suche nach Ivy für Chip bald Nachrang.
Ozzie ist indes im New Yorker Naturkundemuseum gelandet, wo er Claire De Loone kennenlernt. Männerbekanntschaften haben für die junge Anthropologin immer eine wichtige Rolle gespielt. Aber sie hat sich entschlossen, diese stürmische Lebensphase zu beenden und an der Seite des ehrenwerten Richters Pitkin W. Brigework künftig ein ruhiges, seriöses Leben zu führen. Noch an diesem Abend will mit ihm sie ihre Verlobung feiern.
Also erklärt Claire dem jungen, gut aussehenden Matrosen, der ihr nun gegenüber steht, dass Männer für sie nur noch von streng naturwissenschaftlichem Interesse seien. Jedoch dauert es nicht lange, bis Ozzie die stark romantischen Noten dieses Interesses erlebt.
Gabey fühlt sich zunächst allein in der großen Stadt New York („Lonely Town“).
Eine Stadt ist eine einsame Stadt,
wenn du sie durchstreifst
und niemand auf dich wartet.
Dann ist es eine einsame Stadt.
Du wanderst auf und ab,
die Menschenmassen eilen vorbei,
eine Million Gesichter,
und doch ist es eine einsame Stadt.
Weil Gabey davon ausgeht, dass „Miss Subway“ gewiss eine große Künstlerin sein müsse, macht er sich in Richtung Carnegie Hall auf – und hier ereignet sich tatsächlich, was er kaum zu hoffen gewagt hatte: Er trifft auf Ivy, die sich von Madame Dilly, einer exzentrischen Lehrerin, gerade Gesangsunterricht geben lässt. Diese lässt nicht zu, dass ihre Schülerin von einem dahergelaufenen Matrosen umgarnt wird, doch ehe er hinauskomplimentiert wird, ringt Gabey seiner „Miss Subway“ das Versprechen ab, dass sie um 23 Uhr zum Times Square kommen werde.
Pünktlich um diese Zeit treffen sich dort die drei Freunde.
Chip kommt in Begleitung von Hildy, Ozzie hat Claire De Loone mitgebracht. Und beide Mädchen haben sich so zurechtgemacht, dass sie auf den ersten Blick wie Miss Subway auf dem U-Bahn-Plakat aussehen. Denn sowohl Chip als auch Ozzie wollten Gabey nicht enttäuschen und hatten die Idee, ihm ihre Bekanntschaften als Ivy Smith vorzustellen.
Natürlich fliegt das Verkleidungsspiel schnell auf – und Gabey ist seinen Freunden auch nicht böse. Freudestrahlend berichtet er, Miss Subway in der Carnegie Hall selbst gefunden zu haben.
Doch seine Hoffnung, dass auch Ivy zur vereinbarten Zeit auftaucht, erfüllt sich nicht. Gabey weiß nicht, dass sie finanziell darauf angewiesen ist, abends als Bauchtänzerin auf Coney Island zu arbeiten, aber nicht den Mut hatte, ihm das zu gestehen …
2. Akt: New York
In der Nacht ziehen die Freunde von einem Club zum nächsten. Der Versuch, Gabey mit Lucy, Hildys Mitbewohnerin, zu verkuppeln, scheitert. Nach wie vor hat er nur Ivy im Kopf und trauert wegen des geplatzten Dates.
Indes wird Richter Pitkins großes Verständnis („I Understand“) für die Bedürfnisse seiner Geliebten auf eine harte Probe gestellt. Denn Ozzy hat Claires amouröses Interesse eindeutig neu entfacht – und in dieser Nacht hätte doch eigentlich er mit ihr die Verlobung feiern wollen.
Im „Slam Bang Club“ trifft die traute Runde auf Madame Dilly, und von ihr erfährt Gabey endlich den Grund, warum Ivy nicht zum Times Square kam. Sie müsse auf Coney Island arbeiten …
Sofort begeben sich alle in die U-Bahn dorthin („Subway Ride“) – und schließlich findet Coney seine „Miss Subway“ endlich wieder …
Um sechs Uhr morgens aber müssen die drei Matrosen von ihren Freundinnen Abschied nehmen. Es bleibt ihnen nur die Hoffnung, einander irgendwann wiederzusehen („Some other time“).
24 Stunden können so schnell vergehen.
Man schaut sich um, und der Tag ist vorbei.
Wenn man verliebt ist, ist Zeit etwas Kostbares.
Selbst ein ganzes Leben reicht nicht aus.
Wo ist die Zeit geblieben?
Wir haben nicht einmal die Hälfte von dem geschafft, was wir wollten.
Na ja, wir holen das ein anderes Mal nach.
Dieser Tag war nur ein Sinnbild.
Zu viele Worte sind noch ungesagt.
Na ja, wir holen das ein anderes Mal nach.
Gerade wenn der Spaß beginnt,
kommt die Zeit des Abschieds.
Aber lasst uns froh sein über das, was wir hatten,
und über das, was noch kommen wird.
Es gibt noch so viel mehr zu entdecken,
noch so viel zu tun, aber die Zeit rennt davon.
Na ja, wir holen das ein anderes Mal nach.
Während die drei Freunde am Hafen von Brooklyn wieder an Bord gehen, verlassen drei andere Matrosen das Schiff, um sich in New York 24 Stunden lang in neue Abenteuer zu stürzten.
Titelbild: Oper Graz, 2025

