WWW – die WissensWerteWelt

Okt 1, 2019

Das Ende des „furchtbaren Würgers“


„Friedenstag“ von Richard Strauss ist meine „Oper des Monats“

Kategorie: Neuigkeiten


„Friedenstag“ gehört zu den am seltensten gespielten Opern des deutschen Komponisten Richard Strauss (1864–1949) und dürfte seine umstrittenste sein.

Der Entwurf für die Textdichtung stammte vom österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig (1881–1942), der die Arbeit daran jedoch wegen seiner jüdischen Abstammung in der zunehmend vom Nationalsozialismus geprägten Entstehungszeit aufgab. An seiner Stelle und auf seine Empfehlung hin verfasste dann der österreichische Theaterwissenschaftler und Schriftsteller Joseph Gregor (1888–1960) den Text, wobei es zwischen Strauss und ihm aber nie zu einer ähnlich inspirierenden Zusammenarbeit kam, wie sie den Komponisten mit Stefan Zweig – etwa für das Werk Capriccio – verband.

Umstritten blieb der „Friedenstag“ bis heute, weil die Oper nach ihrer Uraufführung am 24. Juli 1938 von den Nationalsozialisten in höchstem Maße gelobt und gefördert wurde. Vor allem die darin zum Ausdruck kommende soldatische Opferbereitschaft wurde politisch ausgeschlachtet. 

Andererseits lässt sich der „Friedenstag“, den Zweig ursprünglich als Parabel auf die Lebenssituation im sogenannten Dritten Reich konzipiert hatte, auch als Kritik an der nationalsozialistischen Gesinnung interpretieren. Diese Orientierung findet in der Textdichtung jedenfalls keinerlei Unterstützung. Und die Tatsachen, dass es in dem Werk letztlich um den Frieden geht, dass die Waffen weggeworfen werden, die Gegner einander umarmen, und der Krieg als „furchtbarer Würger“ verachtet wird, erhärten die mitunter geäußerten Verwürfe, Strauss habe mit seinem „Friedenstag“ Nazi-Propaganda betrieben, nicht wirklich.

Datiert ist die Oper exakt mit dem 24. Oktober 1648. Sie spielt zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) in der zertrümmerten Zitadelle einer belagerten Stadt. 

Lesen Sie hier eine ausführlichere Werkeinführung