Terrence Malicks Filmdrama „The New World“ •
An der Ostküste Nordamerikas zu Beginn des 17. Jahrhunderts: Drei englische Schiffe legen an, um in der „Neuen Welt“ einen Stützpunkt zu gründen – Jamestown, zu Ehren des englischen Königs James I. (1566–1625).
An Bord eines Schiffes ist John Smith (Colin Farrell), ein rebellischer junger Freigeist, der wegen Gehorsamsverweigerung an Land gehängt werden soll, seinem Schicksal aber gelassen entgegensieht.
Smith ist ein guter Handwerker, allseits beliebt, und es wäre unklug, in der unbekannten nordamerikanischen Wildnis auf einen guten Mann zu verzichten – weshalb Captain Newport (Christopher Plummer) ihn letztlich doch begnadigt.
Also beginnen die Engländer mit ihrer Arbeit und haben auch bald Kontakt zu den Ureinwohnern, aber die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben erfüllt sich nicht: Missverständnisse, Ängste und die kulturellen Unterschiede führen zu Kämpfen.
John Smith macht sich auf den Weg, um die Ureinwohner besser kennenzulernen, wird aber von Kriegern gefangengenommen und zu Häuptling Powhatans (August Schellenberg) gebracht. Dieser will den Gefangenen – als Warnung für die unwillkommenen Engländer – erschlagen lassen, aber seine jüngste Tochter Pocahontas (Q’orianka Kilcher) stellt sich dazwischen. Smith wird verschont und lernt in der folgenden Zeit die Lebensweise des Stammes, der Algonquian, kennen – und die Häuptlingstochter lieben.
Nach Einbruch des Winters kehrt Smith nach Jamestown zurück, wo die Männer inzwischen Hunger leiden und ums Überleben kämpfen. Pocahontas lässt den Freunden Smiths Nahrung bringen. Doch bald provozieren die Engländer neuen Streit und ein blutiger Kampf mit den Ureinwohnern beginnt, viele Tote auf beiden Seiten sind die Folge …
In seinem Spielfilm „The New World“ („Die neue Welt“) ließ sich der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Terrence Malick von der Pocahontas-Legende inspirieren. Die Häuptlingstochter soll zwischen Ureinwohnern und den Europäern vermittelt haben, als diese Nordamerika zu besiedeln begannen.
Dass sich zwischen John Smith und Pocahontas eine Liebesbeziehung entwickelte, gehört nicht zu den gesicherten historischen Fakten, aber Terrence Malick nutzt diese Geschichte, um das Aufeinanderprallen zweier grundverschiedener Kulturen auch an persönlichen Schicksalen festzumachen.
Bei den Algonquian und durch die Liebe von Pocahontas kommt John Smith dem Leben in seiner Ursprünglichkeit näher, seine Rolle bei den Engländern und ihren fragwürdigen Idealen erscheint ihm fast nur noch wie eine ferne Erinnerung – bis ihn nach seiner Rückkehr in Jamestown die alten Verpflichtungen doch wieder überwältigen und er schließlich zu einer neuen Mission aufbricht. Und bald bekomm Pocahontas die Nachricht, ihr Geliebter sei gestorben …
Die berührende Liebesgeschichte erfährt im letzten Drittel des Films eine entscheidende Wendung.
In Pocahontas Leben gibt es inzwischen einen anderen Mann, der sie aufrichtig liebt: John Rolfe (Christian Bale), dem sie aber ihr Herz nie ganz öffnen konnte, weil sie sich dem tot geglaubten John Smith immer noch in Treue verbunden fühlt.
Doch eines Tages, völlig überraschend, steht dieser ihr doch wieder gegenüber. Eine ferne, verklärte Erinnerung wird plötzlich zur Lebenswirklichkeit – und Pocahontas hat Gelegenheit zu erkennen, wie tief und aufrichtig Johns Gefühle für sie wirklich sind.
Ihre ganze Liebe noch einmal neu zu schenken, wird die letzte große Aufgabe, die das Leben Pocahontas stellt …
Wie in allen Werken Terrence Malicks prägen intensive, poetische Bilder (Kamera: Emmanuel Lubezki) und eine langsame, auf das Visuelle fokussierte Erzählweise auch sein Filmdrama „The New World“. Wer sich darauf einlassen kann, mag selbst die Sehnsucht nach etwas Ursprünglichem, Verlorenem spüren, die in diesem Film auch musikalisch auf eigenwillige Weise geweckt wird: Komponist James Horner (1953–2015), der den Soundtrack schrieb, überließ manche Szenen einfach Richard Wagners genialem „Rheingold“-Vorspiel, das auf einem einzigen, tiefen Es-Dur-Akkord beruht … dem „Ur-Naturklang“.
Erlebenswert!
(2005, 131 Minuten)

