3. Oktober 2022

Berührende Einheit im Geist

Kay Pollaks empfindungsvolles Musikfilm-Drama „Wie im Himmel“

• Daniel Daréus (Mikael Nyqvist) ist als Stardirigent international erfolgreich, von allen großen Konzerthäusern angefragt, auf Jahre ausgebucht, voller Hingabe für seine künstlerischen Arbeit, Menschen gegenüber hingegen eher scheu, schroff und ablehnend. Nachdem er infolge von Stress und Dauerbelastung während eines Konzerts einen Herzinfarkt erleidet, beschließt er eine radikale Änderung seines Lebens. Er kehrt der Kulturszene den Rücken und reist ins nordschwedische Dorf Ljusåker. Dort hatte er die ersten Jahre seiner Kindheit verbracht. Seine Mutter hatte ihn allein großgezogen und auch sein musikalisches Talent gefördert, das sich schon früh im Geigenspiel zeigte.

Doch es war keine angenehme Kindheit gewesen. Von seinen Mitschülern war Daniel gemobbt worden, seine musische Begabung und sein feinempfindendes Wesen hatten ihm vor allem Spott und Prügel eingebracht, so dass seine Mutter, um ihn zu schützen, Ljusåker schließlich verlassen hatte, als er 8 Jahre alt war.

Und nun ist er in eben dieses Dorf zurückgekehrt. Es spricht sich schnell herum, dass ein berühmter Dirigent das alte Schulgebäude gekauft hat, um dort in einfachsten Verhältnissen zu leben. Aber zunächst weiß niemand, dass Daniel selbst aus Ljusåker stammt.

Die Dorfgemeinschaft reagiert auf den Neuankömmling mit gemischten Gefühlen. Die lebenslustige junge Verkäuferin Lena (Frida Hallgren) schließt Daniel sofort ins Herz, und der umtriebige Geschäftsmann Arne (Lennart Jähkel) drängt ihn dazu, sich doch einmal den örtlichen Chor anzuhören und ihn mit ein paar Tipps künstlerisch zu fördern, was Daniel nach einigem Zögern tatsächlich tut.

Doch da sind auch der Ortspfarrer Stig (Niklas Falk), dem die ungewöhnlichen Chorproben bald zu weit gehen. Zu sehr riechen sie nach Lust und Sünde. Und da ist Gabriella (Helen Sjöholm), die begabteste Chorsängerin, die von ihrem Mann (Per Morberg) regelmäßig misshandelt wird … von Conny, der einst als Schüler schon den jungen Daniel verdroschen hatte.

Mit all diesen Protagonisten gelang dem schwedischen Autor und Regisseur Kay Pollak ein großartiges Musik-Drama, das charakterliche Entwicklungen fokussiert und, wenn auch gelegentlich etwas plakativ, direkt auf die Empfindung abzielt. 

Der Zuschauer lebt und bangt mit den Figuren, erfreut sich an deren kleinen und großen Lebensmomenten und lernt mit ihnen, dass das einfache, ehrliche menschliche Miteinander nicht nur viel nachhaltiger als jeder äußere Erfolg zu Glück und Freude führt, sondern auch weitaus spiritueller wirkt als kirchliche Traditionen und religiöse Dogmen. Der Chor wird zum Sinnbild des empathischen Miteinanders, der menschlichen Einheit im Geist, eines Erlebens „wie im Himmel“.

Bemerkenswert, dass diese ziemlich geradlinig und bisweilen gar nicht sonderlich nuancenreich erzählte Geschichte, die in eine berührende, fast rührselige Todesnähe-Erfahrung des Hauptprotagonisten mündet, nicht unangenehm moralisierend daher kommt. „Wie im Himmel“ wurde für einen Oscar nominiert („Bester fremdsprachiger Film“), erhielt einige Filmpreise und feierte mit monatelangen Kinoeinsätzen vor allem beim Publikum große Erfolge. 

Bemerkenswert ist auch der zurückhaltende, aber sehr gelungene Soundtrack (Musik: Stefan Nilsson), der mit „Gabriellas Song“ seinen Höhepunkt findet. Das Lied wird von Helen Sjöholm selbst dargeboten. Sie kann’s ja: Die Schauspielerin feierte als Sängerin mit „Benny Anderssons Orkester“, einem Projekt des legendären ABBA-Komponisten, große Erfolge.

Sehens- und hörenswert!

(2004, 133 Minuten)