16. Juli 2024

„Über andere sich erheben macht den größten Künstler klein“

Der Schauspieldirektor

Singspiel in einem Akt von Wolfgang Amadeus Mozart

Libretto: Johann Gottlieb Stephanie d. J. (1741–1800)
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Uraufführung: 7. Februar 1786, Wien (Orangerie, Schloss Schönbrunn)
Dauer: ca. 1 Stunde

Einziger Akt: Zimmer des Herrn Frank

Hauptpersonen:
Frank,
Schauspieldirektor: (Sprechrolle)
Madame Herz, eine Sängerin: Sopran
Mademoiselle Silberklang, eine Sängerin: Sopran
Eiler, ein Bankier: (Sprechrolle)
Monsieur Vogelsang, ein Sänger: Tenor
Buff, Schauspieler: Bass

 

Kurze Werkeinführung

„Der Schauspieldirektor“ ist ein „Gelegenheitsstück“, für das Wolfgang Amadeus Mozart im Auftrag von Kaiser Franz Joseph II. (1741–1790) die Musik schrieb. Die Idee für diese Komödie, die das Theater und seine Stars thematisiert, stammte vermutlich vom Kaiser selbst.

Die Uraufführung des Werkes fand im Februar 1786 in der Orangerie des Schlosses Schönbrunn in Wien statt – gemeinsam mit einer Oper des Komponisten Antonio Salieri.

Das etwa einstündige Singspiel besteht überwiegend aus gesprochenen Dialogen, die sich auf alte, heute weitgehend unbekannte Theaterstücke beziehen. Daher werden diese Texte in aktuellen Aufführungen meist neu gestaltet.

Der einzige, etwa einstündige Akt spielt Ende des 18. Jahrhunderts. Ort der Handlung ist das Zimmer eines Schauspieldirektors namens Frank.

 

Die Handlung

Kurz und gut …
Künstler auf der Suche nach ihrem „Lebenselixier“: Schön, wenn ein Theaterdirektor schon nach einer relativ sanften Drohung miterleben darf, dass es der Truppe, die er engagieren will, nicht um den schnöden Mammon geht, sondern doch rein um die Gunst des Publikums.


Einziger Akt: Zimmer des Herrn Frank
In seinem Zimmer ist Schauspieldirektor Frank damit beschäftigt, eine Darstellergruppe für seine Wanderbühne zusammenzustellen. Buff, ein alter Schauspieler, rät ihm, auf Quantität statt auf künstlerische Qualität zu setzen, also 30 oder 40 billige Akteure einzusetzen, die für viel Wirbel auf der Bühne sorgen, so dass „der Zuschauer nicht Zeit hat, über irgend eine Szene nachzudenken“.

Frank steht diesem „Erfolgskonzept“ des alten Theaterhasen Buff skeptisch gegenüber. Er macht sich auch über die Finanzierung seiner Bühne Sorgen. Aber Eiler, ein Bankier, der ihn nun besucht, kann ihn beruhigen. Er sei selbst ein Theaternarr und bereit, bei der Finanzierung zu helfen. Frank müsse sich lediglich dazu entschließen, Madame Pfeil – Eilers Geliebte – zu engagieren.

Etwas widerwillig entschließt sich der Schauspieldirektor, der Dame eine Chance zu geben.

Bald finden sich auch andere Künstler bei ihm ein, die alle Proben ihres Könnens zum Besten geben – Madame Krone, Madame Herz, der Tenor Vogelsang oder Mademoiselle Silberklang, die mit einem romantischen Rondo für sich wirbt, weil sie gehört hat, dass der Schauspieldirektor „eine deutsche Oper errichten“ wolle:

Bester Jüngling! Mit Entzücken
Nehm’ ich deine Liebe an;
Da in deinen holden Blicken
Ich mein Glück entdecken kann.
Nichts ist mir so wert und teuer
Als dein Herz und deine Hand;
Voll vom reinsten Liebesfeuer
Geb’ ich dir mein Herz zum Pfand.

Die Verhandlungen über die Künstlergagen verlaufen allerdings schwierig, und letztlich werden die Streitigkeiten und Rivalitäten so groß, dass Frank erklärt, angesichts der Hindernisse lieber doch keine Theatergesellschaft errichten zu wollen.

Das bewirkt ein allgemeines Umdenken. Madame Krone ist bereit, ihre finanziellen Interessen „der Kunst aufzuopfern“, und auch die anderen Künstler stimmen ein, sich lieber am Beifall des Publikums „schadlos zu halten“. Selbst Buff, der alte Theaterhase, verzichtet auf eine herausragende Stellung innerhalb der Truppe.

Schließlich stimmen alle in der Erkenntnis überein, dass es zwar für jeden Künstler wichtig sei, nach der bestmöglichen Darstellung zu streben – doch wer wirklich den Vorzug gegenüber anderen hat, darüber darf nur das Publikum entscheiden:

Künstler müssen freilich streben
Stets des Vorzugs wert zu sein;
Doch sich selbst den Vorzug geben,
Über and’re sich erheben,
Macht den größten Künstler klein.


Hinweise:
Alle Zitate aus dem Libretto (lt. Opera-Guide)
Foto: „Der Schauspieldirektor“ in einer Produktion der Opera Zuid (Niederlande), 2023