26. Mai 2024

„Auch auf dem Thron werde ich dein treuer Hirte sein“

Il Re pastore

• Musikdrama in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart 

Libretto: Pietro Metastasio (1698–1782) 
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) 
Uraufführung: 23. April 1775, Salzburg (Fürsterzbischöfliche Residenz) 
Dauer: ca. 2 Stunden

Akte:
1. Akt: Nahe der Königstadt Sidon
2. Akt: In der Königstadt Sidon

Hauptpersonen:
Alessandro,
König von Mazedonien („Alexander der Große“): Tenor
Aminta, der als Schäfer lebende Sohn des Königs von Sidon („Abdolonimo“): Sopran (Kastrat)
Elisa, eine junge Phönizierin: Sopran
Tamiris, Tochter des Tyrannen Strato, Geliebte von Agenor: Sopran
Agenor, ein edler Phönizier und Freund Alexanders: Tenor

Kurze Werkeinführung

„Il Re pastore“ („Der König als Hirte“) gehört zu den Frühwerken von Wolfgang Amadeus Mozart. Er schrieb das Musikdrama als 19-jähriger innerhalb von nur etwa sechs Wochen. 

Die ursprünglich für drei Akte angelegte Textdichtung verfasste der italienische Librettist Pietro Metastasio (1698–1782).

Das Werk spielt in vorchristlicher Zeit, im Jahr 332 in Phönizien und thematisiert ein Ereignis aus dem Leben von Alexander dem Großen, nämlich die Einsetzung Abdalonymos („Abdolonimo“) zum König der libanesischen Stadt Sidon.

Die Uraufführung von „Il Re pastore“ fand am 23. April 1775 in Salzburg statt. Heute wird dieses Frühwerk Mozarts, eine „Serenata“, deren musikalische Qualität umstritten blieb, nur selten gespielt.

Die Handlung

Kurz und gut …
Zum Glück hat Alexander der Große ein so großes, weises Herz: Statt unglücklich verliebte Thronfolger⋅innen gegeneinander auszuspielen, lässt er sie einfach alle gemeinsam auf den Thron von Sidon.


1. Akt: Nahe der Königstadt Sidon

Aminta, ein in einfachsten Verhältnissen lebender armer Hirt, erfreut sich am Rauschen des Baches und blüht auf, als ihn seine Geliebte, Elisa, besucht. Auch sie liebt ihn.

Aber nicht weit entfernt ist es zu Kampfhandlungen gekommen. Aminta weiß, dass Alexander, ein großer Krieger, ganz in der Nähe sein Lager aufgeschlagen hat, und dass „Bewaffnete durch die liebliche Umgebung streifen“.

Auch Elisa kennt diese Entwicklung. Aber sie ist sicher, dass die Scharen, die ihr Geliebter fürchtet, nichts Böses im Sinn haben. Ganz im Gegenteil: Alexander habe die Stadt Sidon endlich von Straton befreit, einem Thronräuber und Tyrannen, der die Bewohner unterjocht hatte. 

Elisa weiß auch zu berichten, dass Alexander diese Tat nur deshalb vollbracht habe, weil es ihm darum ging, die Sicherheit in der Stadt wieder herzustellen. Er selbst wolle den Thron nicht besteigen. Im Gegenteil: Er suche jetzt nach dem Sohn des gestürzten Königs, dem rechtmäßigen Erben, der irgendwo „unkund seiner selbst im Verborgenen“ lebe.

Elisa, Tochter in einer vornehmen Familie, will nun noch einmal mit ihrer Mutter sprechen, die ihre bevorstehende Hochzeit mit dem armen Hirten gutheißt, dann werde sie Aminta „niemals mehr verlassen“. 

Allein geblieben, preist dieser sein glückliches Leben:

Sanfte Lüfte, heitere Tage,
grüne Wiesen, frischer Quell
sind das allerhöchste Glück
des Hirten und der Erde.

Gefiele es einst dem Schicksal,
meine Pflichten zu ändern,
sollen die Götter Sorge tragen,
mir zu wandeln Herz und Sinn.

Doch schon nähern sich Aminta zwei Krieger – es sind Alexander und sein Freund und Berater Agenor. Die beiden beobachten den Schäfer schon länger. Nun sprechen sie Aminta an, und bald ist Alexander endgültig davon überzeugt, dass er in diesem bescheidenen Mann den gesuchten Thronerben gefunden hat – so, wie es ihm Agenor angekündigt hatte: „Die Beweise waren schon gewichtig, doch dieses Antlitz, diese Worte sind es noch mehr. Welch edles Herz! Welch reine, heitere Tugend!“

Sofort macht sich Alexander auf den Weg, um die Erhebung Amintas zum neuen König von Sidon vorzubereiten. Agenor will ihm folgen, doch in diesem Augenblick kreuzt eine einfach gekleidete Hirtin seinen Weg, und er erkennt in ihr Tamiris, seine Geliebte.

Die beiden vereint eine schwierige Beziehung. Denn Tamiris ist die Tochter des Tyrannen Straton, den Agenor an der Seite Alexanders bekämpft hatte. Nun ist ihr Vater tot. Um weiterhin in Freiheit leben zu können, erzählt sie Agenor, habe sie die Kleidung einer Hirtin gewählt. Alexander habe ihr „den Vater und die Krone“ genommen.

Agenor berichtet ihr, dass Straton sich angesichts seiner Niederlage selbst getötet hatte. Von Alexander hätte er durchaus Gnade erwarten können. Und Agenor versichert Tamiris, dass er sie nach wie vor liebe und sein Leben mit ihr teilen wolle: „Über meine Freiheit hast du den Sieg errungen.“

Indes möchte Elisa ihren geliebten Aminta auch ihrem Vater vorstellen. Dieser freue sich über die Verbindung seiner Tochter mit ihm und sei „stolz und glücklich über den liebenswerten Sohn“. Doch auf dem Weg zum Vater treffen die beiden auf Agenor – und der begrüßt Aminta mit Worten, die dem Hirten zunächst wie Spott erscheinen: „Vom treuesten Vasallen empfange diese erste Huldigung, erhabener König.“

Aber schnell ist klar, dass Agenor es ernst meint. Er offenbart Aminta dessen wirkliche Herkunft: Nachdem der alte König von Sidon, Amintas Vater, „vom schurkischen Straton verjagt“ worden war, habe er sein Kind einem anderen Vater überantwortet – Alceos, der den Kleinen unerkannt aufziehen sollte – „bis der Götter Hilfe irgendeinen Weg zum Thron eröffnen“ würde.

Dieser Weg sei nun dank Alexander geebnet. Dieser erwarte Aminta bereits, um ihn zu krönen. Agenor gesteht auch, selbst sehr lange auf diesen großen Tag gewartet zu haben. Denn er habe – als Alceos Sohn – von dem Geheimnis um Amintas Herkunft immer gewusst, doch stets darüber geschwiegen. Amitas wahrer Name sei Abdolonimus. Er sei der einzige Erbe des Thrones von Sidon.

Elisa jubelt, als sie diese Nachricht hört. Sie gesteht ihrem Geliebten, dass ihr diese Wendung „nicht so seltsam“ erscheint („Ich sah in deinem Antlitz stets ein königliches Herz.“) und will mit ihm nun gar nicht mehr zu ihrem Vater. Der Besuch erscheint ihr unwichtig geworden: „Höhere Pflichten verlangen die Götter nun von dir.“

Doch Aminta besteht darauf, ihrem Vater die frohe Kunde zu überbringen. Er werde zunächst zu ihm und erst weiter dann zu Alexander gehen, um die Königswürde zu empfangen: „Wenn ich herrschen muss, werde ich auch auf dem Thron dein treuer Hirte sein.“

2. Akt: In der Königstadt Sidon

Elisa und Aminta müssen erkennen, dass es deutlich komplizierter als früher ist, einander zu begegnen. Agenor wacht darüber, dass der angehende König von Sidon seine Pflichten nicht zugunsten persönlicher Gefühle vernachlässigt. Gleichzeitig ist er entschlossen, sich für Tamiris, seine Geliebte, bei Alexander einsetzen.

Als dieser von seinem Freund und Berater erfährt, dass die Tochter des gestürzten Tyrannen offenbar doch nicht, wie er vermutet hatte, geflohen ist, reagiert Alexander hoch erfreut. Denn jeder solle sehen, dass er „Schuldige von Unschuldigen zu unterscheiden“ weiß. Tamiris sei nicht verantwortlich dafür, dass ihr Vater zum Tyrannen wurde. Sie solle durch seine Absetzung keinen Schaden nehmen. Also kommt Alexander die Idee, Aminta nicht nur die Krone zu überreichen, sondern auch die Hand von Tamiris. Der König solle eine würdige Königin zur Seite haben: „Mit einem einzigen Diadem kröne ich die Tugend zweier schöner Seelen. Er steige auf zum Thron. Sie steige nicht herab.

Agenor reagiert entsetzt, verrät aber seinem Freund Alexander nicht, dass sein eigenes Herz schon lange Tamiris zugetan ist. Es gilt, die Entscheidung des Herrschers über persönliche Wünsche zu stellen. Also lässt er seine Geliebte schweren Herzens wissen, dass sie Königin werden, indes auf ihn verzichten solle.

Tamiris reagiert mit Edelmut auf Agenors Nachricht: „Ich beleidige dich nicht und sag nicht, dass du untreu bist“. Aber sie sucht Alexander auf, um ihm bewusst zu machen, was seine Entscheidung für sie und Agenor bedeutet. Sie bittet ihn, nochmals darüber nachzudenken.

Kurz danach gesteht auch Elisa Alexander offen, dass er ihr durch seine Entscheidung „jedes Glück genommen“ habe. Aminta habe ihr von Kind auf sein Herz geschenkt, und sie lebe seither nur für ihn und werde nun vor Kummer sterben.

Alexander aber weist Elisa freundlich ab: „Der dir sein Herz gab, holdes Mädchen, war der Hirte Amintas. Doch Abdolonimus, der König, gab dir niemals sein Herz.“

Aminta ringt indes mit sich. Er spürt, dass er seiner Berufung, König von Sidon zu sein, folgen soll, will sich auch zu diesem Weg entschließen, aber er kann seine Liebe zu Elisa letztlich doch nicht aufgeben. 

Also erscheint er zu den Feierlichkeiten in seiner alten Schäferkleidung und legte Alexander das Gewand des Königs von Sidon zu Füßen. Er, Aminta, der Hirte, wolle zu seiner Schafherde und zu seinem Frieden zurückkehren – mit Elisa an seiner Seite.

Alexander aber findet zu einer anderen Entscheidung. Er beschließt, dass Aminta und Elisa künftig gemeinsam mit Agenor und Tamiris über Sidon herrschen sollen:

So treue Liebe
trennt Alexander nicht.
Hier, Amintas, nimm die liebliche Elisa.
Hier, Tamiris, nimm deinen treuen Agenor.
Über Sidon seid ihr nun Herrscher.
Ihr sollt nicht Untertanen bleiben.
Mein Glück setze ich daran,
euch einen Thron zu errichten.
Soviel Tugend soll ein Reich zum Herrschen haben.

Alle loben und preisen Alexander – und den Sieg der Liebe.


Hinweise:
Alle Zitate aus dem Libretto lt. „Opera Guide/Opernführer“
Foto © 2015 Opernhaus Zürich (aus einer Aufführungsreihe von „Il Re pastore“ im Feburar 2015)