25. September 2022

„Das Bewusstsein überdauert den körperlichen Tod“

Ein Interview zu meinem YouTube Kanal „Thanatos TV“ und zu meinen persönlichen Beweggründen für diesen Kanal sowie zu meiner Weltanschauung wurde kürzlich auf der Internet-Seite „Ich bete für Dich!“ veröffentlicht.

Die christlich ausgerichtete Seite wird von Achim Beiermann betrieben, der damit das Ziel verfolgt, auch Menschen anzusprechen, die „mit ihrer Kirche zwar innerlich abgeschlossen haben, sich aber dennoch ein Stück Glauben bewahrt haben“.

Hier der Text des Interviews:

Herr Huemer, seit wann beschäftigen Sie sich mit den Themen Sterben und Tod und wie kamen Sie dazu, sich so intensiv mit den schwierigsten Momenten im Leben eines jeden Menschen zu befassen?

HUEMER: Weltanschaulichen Fragen haben mich schon seit meiner Jugend beschäftigt. Mein Interesse an Bewusstseins-Phänomenen in Todesnähe wurde durch erste Interviews mit Nahtoderfahrenen vor etwa zehn Jahren geweckt. Ich denke, dass es wichtig ist, solchen Menschen ein Forum zu geben, denn manche von ihnen haben das Bedürfnis, von ihren Erlebnissen zu berichten – und umgekehrt gibt es in der Öffentlichkeit ein großes Interesse an solchen Schilderungen. Das zeigen die erfreulich wachsenden Abonnentenzahlen für Thanatos TV.

Was mich selbst anlangt, möchte ich aber noch anmerken, dass ich die Arbeit für diesen Kanal durchaus nicht so erlebe, als würde ich mich mit den schwierigsten Momenten im Leben eines jeden Menschen befassen. Denn im Grunde geht es bei all den Schilderungen um besondere Lebensnähe, um sehr tiefe, empfindungsvolle, schöne Momente. Und auch die Ergebnisse der Thanatologie, der Sterbeforschung, denen wir uns regelmäßig widmen, vermitteln unterm Strich Hoffnung, weil sie das materialistische Weltbild und die damit verbundene Vorstellung eines begrenzten Lebens in Frage stellen.

Ich hatte eingangs erwähnt, dass Sie bereits über 100 Menschen interviewt haben, die in Todesnähe besondere Erlebnisse hatten. Wenn Sie deren eindrucksvolle Schilderungen rückblickend zusammenfassend betrachten – was hat das mit Ihnen persönlich gemacht? Hat sich beispielsweise Ihre eigene Einstellung zum Tod verändert und wenn ja, inwiefern?

HUEMER: Meine Einstellung zum Tod haben die Interviews nicht grundlegend verändert, da ich mich mit diesem Thema schon intensiv beschäftigt hatte, bevor es das Projekt Thanatos gab – etwa in meinem Buch- und Filmprojekt „Unsterblich – Gute Gründe für ein Leben nach dem Tod“. Ich bin davon überzeugt, dass unser Bewusstsein den körperlichen Tod überdauert und denke, dass allein die Existenz unserer bewussten Innenwelt, die unser Menschsein ausmacht, im Grunde so etwas wie ein Jenseits-Beweis ist. Jedenfalls sehe ich momentan keinerlei Ansätze, wie unsere Erlebnis- oder Empfindungsfähigkeit materialistisch erklärt werden könnte. Niemand weiß, wie aus dem neuronalen Feuer unter der Schädeldecke Erleben entstehen soll. Ich fühle mich deshalb eher von idealistischen Weltanschauungen angesprochen, die davon ausgehen, dass das Gehirn als Empfänger von Bewusstsein wirkt, aber nicht der Produzent ist.

Trotzdem haben aber die Interviews sicher etwas mit mir gemacht. Ich denke, sie haben vor allem meine Offenheit für unterschiedliche weltanschauliche Blickwinkel gefördert. Jeder Mensch verwendet ja sein eigenes Vokabular, wenn er von Erlebnissen erzählt, jeder hat seinen eigenen weltanschaulichen Hintergrund, und fast alle ringen um Worte, weil sie etwas erlebt haben, für das es teilweise gar kein Vokabular gibt. Deshalb entwickelt man als Journalist fast automatisch ein immer feineres Gespür für das, was die Gesprächspartner⋅innen eigentlich ausdrücken wollen, was hinter den Worten liegt. Und wenn man erkennt, dass viele Unterschiede nur die Wort-Fassade betreffen, nicht aber die wirklichen Erlebnisse, die einander oft sehr ähneln, dann befreit das automatisch von vielen Vorbehalten, vielleicht auch Vorurteilen, die man lange Zeit mit sich herum getragen hat.

Wie kommen Sie in Kontakt mit den Menschen, die Todesnähe-Erfahrungen erlebt haben? Melden sich diese Menschen bei Ihnen, weil sie von Ihrem YouTube-Kanal erfahren haben oder forschen Sie aktiv nach solchen Personen?

HUEMER: Beides. Viele melden sich selbst bei uns, weil sie sich aus unterschiedlichen Gründen von Thanatos TV angesprochen fühlen und glauben, einen Beitrag leisten zu können. Auf andere stoßen wir auf Grund von Empfehlungen, die zu Recherchen anregen. Aktiv neue Interviewpartner zu suchen war bisher kaum nötig, weil wir nicht einmal die Kapazität haben, mit all den Menschen zu sprechen, deren Kontaktdaten wir schon haben. Bei weitem nicht …

Ich selbst bin langjähriger Abonnent Ihres Kanals und immer wieder von Ihren Beiträgen fasziniert, da sie mich in meinem Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod bestärken. Trotzdem bleibt natürlich ein Haken: Die Menschen, die von Ihren Erlebnissen berichten, waren ihrem eigenen Tod „nur“ sehr nahe, aber sie waren nicht wirklich tot. Ist das für Sie nicht auch ein Dilemma, das letztlich immer bleiben wird?

HUEMER: Klar, jeder, der von seinem Todesnähe-Erlebnis berichtet, ist letztlich nicht wirklich gestorben. Und was sollte eine Wissenschaft, die auf die materielle Welt ausgerichtet ist, über den Tod sagen können? Letztlich kann sie nur beschreiben, dass und wie dabei alles zerfällt. Der Beweis für ein Leben nach dem Tod wird auf der Ebene von Physik und Chemie nicht zu finden sein. Der Schlüssel ist für mich deshalb die Frage nach dem Wesen unseres Bewusstseins. Und genau deshalb sind besondere Bewusstseinsphänomene, wie sie sich – nicht nur – in Todesnähe zeigen, meines Erachtens ein wichtiges Thema für die Forschung.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? „Gebet ist für mich …“

HUEMER: … etwas sehr Persönliches, das aber jedenfalls mit einer inneren Haltung zu tun hat, die zum Ausdruck kommt, wenn man das Wort auf der ersten Silbe betont und durch ein Ausrufezeichen ergänzt.