25. Februar 2024

Die Gesichter der Frömmsten als die hässlichsten Fratzen

Jean-Jacques Annauds Filmdrama „Der Name der Rose“

• 1327. Der gut belesene und dem logischen Denken verpflichtete Franziskaner William von Baskerville (Sean Connery) reist mit seinem Adlatus, dem Novizen Adson von Melk (Christian Slater) in eine Abtei der Benediktiner. Er soll dort an einem theologischen Disput teilnehmen, der sich mit der Frage beschäftigt, ob Jesus für die katholische Kirche ein Vorbild dafür sein sollte, keine Reichtümer anzuhäufen und sich im Sinne der Nächstenliebe mit allen Kräften den Armen zu widmen.

Doch in der Abtei herrscht Unruhe. Abbo von Fossanova (Michael Lonsdale), der Abt des Klosters, berichtet William von einem unerklärlichen Todesfall. Ein Mönch, der als Illustrator tätig war, sei außerhalb der Klostermauer tot aufgefunden worden. Doch das Fenster des Turms, unter dem sein Körper aufgeschlagen war, könne nicht geöffnet werden. Also gehe die Befürchtung um, dass dunkle Kräfte sich des Klosters bemächtigt hätten.

William kann das Rätsel schnell lösen. Seine Untersuchungen bringen den schlüssige Nachweis, dass der Illustrator Suizid begangen hatte, weil er mit seinem Schuldgefühl, dem Bibliothekars-Gehilfen sexuell zugeneigt gewesen zu sein, nicht mehr leben konnte. Er hatte sich an anderer Stelle in die Tiefe gestürzt, und sein Körper war über den felsigen Untergrund weiter hinab zu dem Ort gerollt, an dem er später entdeckt wurde.

Doch diese Erklärung wird von den Mönchen bald wieder angezweifelt. Denn in den folgenden Tagen sterben weitere Glaubensbrüder unter tragischen Umständen.  

William entdeckt Hinweise dafür, dass Gift im Spiel ist, und bald ist er davon überzeugt, dass des Rätsels Lösung in der großen Bibliothek der Abtei liegt. Offenbar gibt es dort ein für den Glauben der Benediktiner äußerst gefährliches Buch, das niemand lesen soll und dessen Seiten daher vergiftet worden sind. 

Zugleich aber verselbständigen sich die Ängste der Benediktiner-Mönche. Sie sind auf Grund der Begleitumstände davon überzeugt, dass die Zeit der in der biblischen Offenbarung des Johannes angekündigte Apokalypse nun gekommen ist.

Für Adson von Melk wird der Aufenthalt in der Benediktiner-Abteil zur großen Lebenslehre. Nicht nur, weil er im Kontrast zu den kühlen Überlegungen seines Meisters den Irrsinn von religiösem Fanatismus kennenlernt, sondern auch, weil er sich eines Nachts in ein armes Bauernmädchen (Valentina Vargas) verliebt, das sich in die Klosterküche der Abtei eingeschlichen hatte.

Das Mädchen wird später von Bernardo Gui (F. Murray Abraham), einem Inquisitor der Kirche, der ebenfalls zum Glaubensdisput angereist ist, gemeinsam mit Remigio da Varagine (Helmut Qualtinger), dem Kellermeister des Klosters, und seinem Gehilfen Salvatore (Ron Perlman) der Hexerei beschuldigt. Die drei sollen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden – damit würde auch die Serie der Todesfälle in der Abtei sofort ein Ende finden …

Jean-Jacques Annauds Historien-Drama „Der Name der Rose“ (die „Rose“ im Filmtitel kann man mit dem Mädchen assoziieren, dessen Namen Adson nie erfahren sollte) zählt zu den gelungenen Literaturverfilmungen. Der gleichnamige Roman von Umberto Ecco (1932–2016) machte den italienischen Schriftsteller weltberühmt. Und wie das Buch erzählt auch der Film eine fiktive Geschichte, bedient sich dabei aber historischer Persönlichkeiten und Gegebenheiten. 

Vordergründig bekommt der Zuschauer dadurch eine spannende, großartig inszenierte und gespielte, gelegentlich ins Horror-Genre tendierende Geschichte zu sehen, gleichzeitig aber auch durchaus lebensnahe Einblicke in konfessionelle Verirrungen des Mittelalters. Wenn im Glauben die Angst so stark wird, dass sogar das Lachen als Fallstrick des Dunkels gilt, dann werden die Gesichter der Frömmsten zu den hässlichsten Fratzen.

Leider gibt es den blinden Glauben auch im 21. Jahrhundert noch. Er entstellt und fanatisiert Menschen, führt zu Leid und Tod und dient letztlich immer nur den Machthungrigen. 

„Der Name der Rose“ personifiziert die große Hoffnung für düstere Zeiten: Erkenntnisfähigkeit und Menschlichkeit. Mögen William und Adson aus vielen Köpfen Angst und Spuk vertreiben helfen.

(1986, 126 Minuten)