9. Mai 2021
Maria Stuarda in einer Aufführung der Metropolitan Opera, New York

„Ein Augenblick des Siegs entschädigt für alle Leiden“

Maria Stuarda

• Oper in drei Akten von Gaetano Donizetti 

Libretto: Giuseppe Bardani (1817–1861) 
Musik: Gaetano Donizetti (1797–1848) 
Uraufführung: 30. Dezember 1835, Mailand (Teatro alla Scala) 
Dauer: ca. 2,5 Stunden

Akte:
1. Ein Saal im Palast von Westminster
2. Park des Schlosses zu Fotheringhay
3. Ein Saal im Palast von Westminster; Gemach im Gefängnis von Maria Stuarda; ein Saal im Schloss von Fotheringhay, neben der Hinrichtungsstätte

Hauptpersonen:
Elisabetta,
Königin von England: Sopran
Maria Stuarda, Königin von Schottland: Sopran
Anna Kennedy, Marias Amme: Mezzosopran
Roberto, Graf von Leicester: Tenor
Giorgio Talbot, Graf von Shrewsbury: Bass
Lord Guglielmo Cecil, Baron von Burleigh: Tenor

Kurze Werkeinführung

„Maria Stuarda“ (Maria Stuart) gehört zu den relativ bekannten Opern des italienischen Komponisten Gaetano Donizetti (1797–1848), der insgesamt mehr als 70 Werke für die Bühne geschrieben hat, von denen aber nur wenige erhalten geblieben sind. 

Den Text zu „Maria Stuarda“ verfasste Giuseppe Bardani (1817–1861), wobei ihm das klassische Drama „Maria Stuart“ von Friedrich von Schiller (1759–1805) als literarische Vorlage diente.

Im Mittelpunkt sowohl der Oper als auch von Schillers „Trauerspiel“ steht Maria Stuart (1542–1587), die als Maria I. Königin von Schottland war. Als ihr (zweiter) Gemahl im Jahr 1567 ermordet wurde, geriet sie in Verdacht, an dem Attentat beteiligt gewesen zu sein, musste abdanken, wurde gefangen gesetzt und ging schließlich ins Exil nach England. Ihr Leben dort gestaltete sich nicht minder turbulent: Marias fortwährende Konflikte mit der englischen Königin Elisabeth I. (1533–1603) gipfelten in der Anklage, sie habe sich an Planungen für ein Attentat an der Königin beteiligt. Deshalb wurde Maria Stuart 1587 wegen Hochverrats hingerichtet.

Friedrich Schiller thematisierte in seinem Drama auch die Versuche junger Männer, die von Maria Stuarts Schönheit begeistert waren, die Schottin aus dem Gefängnis zu retten.

In Donizettis Oper steht das angespannte Verhältnis zwischen Elisabetta (der englischen Königin) und Maria Stuart im Zentrum, wobei die letzten Lebenstage der ehemaligen schottischen Monarchin dramatisiert dargestellt werden.

Die Oper „Maria Stuarda“ hatte zur Zeit ihrer Entstehung mit der Zensur Probleme. Die Handlung musste verändert werden, so dass das Werk 1834 unter dem Titel „Buondelmonte“ in Neapel uraufgeführt werden konnte. Erstmals unter dem Originaltitel wurde die Oper am 30. Dezember 1835 in der Mailänder Scala uraufgeführt. Ein durchschlagender Erfolg blieb jedoch – sehr zum Ärger Donizettis – aus, vor allem wohl, weil die Sängerinnen der Hauptpartien beide indisponiert waren. 

So geriet „Maria Stuarda“ trotz der heute unbestrittenen musikalischen Qualitäten bald wieder in Vergessenheit, ehe das Werk in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde. Seitdem steht es immer wieder auf den Spielplänen der internationalen Opernhäuser.

Die Handlung

Kurz und gut …

Maria Stuarda, die aus ihrem Land geflüchtete Königin Schottlands, ist nun Gefangene ihrer Cousine Elisabetta, der Königin von England. Von dieser lässt sie sich allerdings trotzdem nicht gern demütigen. Das Beil des Henkers soll Frieden schaffen.

1. Akt: Ein Saal im Palast von Westminster

In einem Saal des Palastes von Westminster warten Ritter und Ehrendamen auf die Rückkehr von Elisabetta. Die Königin der Briten und „Freude jedes Herzens“ war auf einem Turnier, das zu Ehren eines französischen Gesandten veranstaltet worden war. Dieser hatte der Monarchin eine wichtige Nachricht seines Königs übermittelt: Der französische Herrscher wolle Elisabetta heiraten – und gleichzeitig bitte er sie, Maria Stuarda die Freiheit zu schenken.

Elisabetta überlegt, wie sie reagieren soll. Maria, die ehemalige Königin von Schottland, ist ihre Cousine – und Gefangene. Sie war vor 18 Jahren von ihrem Volk vertrieben worden, weil man ihr vorgeworfen hatte, die Ermordung ihres Gatten veranlasst zu haben. 

Doch hier in England drohte Maria Stuart, die eine große Gemeinde hinter sich hat, zur politischen Gefahr zu werden. Aus Sorge, sie könnte es auf den englischen Thron abgesehen haben, hatte Elisabetta Maria schließlich gefangen nehmen lassen.

Die im Palast versammelten Höflinge setzen sich dafür ein, dem Wunsch des französischen Königs zu entsprechen und Maria Stuart wieder die Freiheit zu schenken. 

Lediglich Lord Cecil, der Baron von Burleigh, warnt Elisabetta davor, Gnade walten zu lassen. Mitleid sei in diesem Fall gefährlich, denn Maria Stuart würde „mit ihrem Liebesfeuer“ Männer dazu bringen, sich für ihre Ziele einzusetzen, und auch aus dem Gefängnis heraus Zwietracht säen. Lord Cecil weiß, wovon er spricht. Er war der schönen schottischen Ex-Königin einst selbst in Liebe ergeben gewesen – doch sie hatte ihn abgewiesen.

Was den Heiratsantrag des französischen Königs anlangt, entschließt sich Elisabetta zu einer diplomatischen Antwort. Sie will ihm einen Ring als Zeichen ihrer Wertschätzung übermitteln, aber um Bedenkzeit bitten. Der Graf von Leicester erhält den Auftrag, den französischen Gesandten entsprechend zu unterrichten.

Leicester steht bei der Herrscherin in besonders hoher Gunst. Elisabetta liebt den Grafen und beobachtet nun gespannt, wie er auf ihren Entschluss, dem französischen König ihren Ring zu senden, reagiert. 

Enttäuscht bemerkt die Königin, dass Leicester ihren Auftrag ohne emotionale Regung zur Kenntnis nimmt. „Ich gehorche“ – mehr hat er also nicht zu sagen …

Also reicht ihm Elisabetta ihre Hand zum Kuss und zieht sich mit ihren Hofdamen zurück.

Tatsächlich schlägt das Herz von Graf Leicester für eine andere – und zwar für die Cousine der Königin, die inhaftierte Maria Stuart. 

Als ihm nun Giorgio Talbot, der Graf von Shrewsbury, eine Nachricht von Maria übermittelt, ist er sofort aufs Höchste erfreut und erregt. 

Talbot hatte die Unglückliche im Gefängnis besucht. Welchen Eindruck sie denn auf ihn gemacht habe, will Graf Leicester wissen. 

„Ein Engel der Liebe, so schön wie je, die Großmut selbst“, antwortet Talbot. Maria habe zärtlich Leicesters Namen genannt. Und sie bitte ihn, sich mit einem Schreiben bei Königin Elisabetta für sie einzusetzen.

Als Graf Leicester ein Bildnis seiner Geliebten betrachtet, das ihm Talbot überbracht hat, ist er sogleich zu allem bereit:

Oh, welche Freude!
Ach! noch einmal sehe ich das holde,
angebetete, ersehnte Antlitz;
es erscheint mir so strahlend wie an dem Tag,
als es zuerst mein Herz bezauberte.
Es scheint, als sehe ich, wie sich in dem Antlitz
langsam ein Lächeln zeigt,
das geliebte Lächeln, das einst
mein Schicksal entschied.

Graf Leicester ist nun wild entschlossen, alles zu tun, um Maria zu befreien. Er spricht sogleich bei der Königin vor, um ihr Marias Brief zu übermitteln.

Elisabetta merkt schnell, aus welchen Motiven Graf Leicester sich für Maria einsetzt, dass er also definitiv nicht sie, sondern ihre Cousine liebt, und dass seine Beteuerung, er würde die Gefangene lediglich als Frau bewundern, eine glatte Lüge ist.

Dennoch entschließt sie sich, dem Wunsch Marias nachzugeben. In ihrem Brief an die Königin hatte die Gefangene, offenbar „geschwächt in ihrem Stolz“, wie Elisabetta befindet, um ein persönliches Treffen ersucht.

Während Graf Leicester hofft, das Treffen der beiden Frauen werde zur Befreiung Marias führen, sieht Elisabetta in dem Brief nur einen weiteren Schachzug ihrer Gegnerin:

Meine Rivalin reicht mir die Hand,
um mir die Krone zu entreissen;
die Niederlage hat sie in ihrem Ehrgeiz bestärkt,
mich eines geliebten Herzens zu berauben.
Ach! für diese Schmach wird sie büssen!

2. Akt: Park des Schlosses zu Fotheringhay

Im Park des Schlosses zu Fotheringhay läuft Maria Stuarda, begleitet Anna, von ihrer Amme, ausgelassen durch den Wald. Sie freut sich, nach langer Kerkerhaft einen Tag unter freiem Himmel genießen zu können. Elisabetta betrachten die beiden Frauen als Tyrannin. Als von ferne die Hörner der sich nahenden königlichen Jagdgesellschaft ertönen, schwindet Marias Bedürfnis, die Königin tatsächlich zu sehen, schnell dahin.

Graf Leicester, der der Gesellschaft voraus geritten ist, redet Maria ins Gewissen. Sie müsse sich der Königin gegenüber demütig verhalten; das heutige Treffen werde entscheidend für ihre Freiheit und die Rettung ihres Lebens sein.

Maria zweifelt daran, dass die Königin, die sie ja als Bedrohung für den englischen Thron betrachtet, sie tatsächlich begnadigen könnte. Aber Maria liebt Leicester, bangt um ihn, da er sich bei Elisabetta vielleicht zu sehr für sie einsetze. Und schließlich ist sie bereit, der Königin doch zu begegnen – hoffend, dass die Fürsprache ihres Geliebten Früchte tragen könnte.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Als Graf Leicester, der zur Königin zurück geeilt ist, Elisabetta noch einmal ins Gewissen redet, das bevorstehende Treffen für eine Begnadigung zu nutzen („Die Hand, die Maria ins Unglück stürzte, kann ihr das Glück früherer Tage zurückgeben“), vergrößert er damit nur den Hass der Königin gegen ihre Cousine. 

Ausgerechnet der Mann, den sie eigentlich liebt, denkt so offensichtlich immer nur an Maria!

Die Begegnung der beiden Frauen mündet denn auch sehr schnell in eine Katastrophe.

Elisabetta verhöhnt Maria und wirft ihr einmal mehr vor, ihren unglücklichen Mann verraten und getötet zu haben. Sie habe ein „schlechtes Herz“ und würde „selbst unter Liebesschwüren noch Übeltaten und Verrat, noch Hinterhälte, ja, Verbrechen“ planen.

Solche Beleidigungen kann Maria Stuarda – Leicesters verzweifelten Bitten zum Trotz – nicht auf sich sitzen lassen. Sie schleudert der Königin ins Gesicht, eine „niedere, lüsterne Dirne“ zu sein, ein Bastard. Der englische Thron werde durch sie entweiht.

Elisabetta ruft daraufhin die Wachen. Maria Stuarda habe sich mit diesen Worten selbst verurteilt – zur Hinrichtung durch das Beil.

Sofort wird die Gefangene umringt und abgeführt. Doch Maria bleibt stolz. Sie bereut nichts von dem, was sie gesagt hat:

„Ich trotze dem Schicksal.
Ein einziger Augenblick des Sieges
entschädigt mich für alle Leiden.“

Graf Leicester, Talbot und Anna bleiben verzweifelt zurück. Die Begegnung mit Elisabetta sollte zur Befreiung führen. 

Jetzt aber ist für Maria alles verloren.

3. Akt: Ein Saal im Palast von Westminster

Im Palast von Westminster brütet Königin Elisabetta an ihrem Tisch über dem Schriftstück, das Marias Hinrichtung besiegeln soll. Der von Marie einst enttäuschte Lord Cecil drängt sie noch einmal, das Todesurteil zu unterschreiben.

Noch zögert die Königin. Doch als kurz darauf Leicester den Saal betritt, der Mann, dem ihre Cousine in Liebe verbunden ist, flammt in Elisabetta die Eifersucht hoch. Sie unterzeichnet und übergibt das Schriftstück Lord Cecil zur Weiterleitung. 

Leicesters verzweifelte Bitten um Gnade und dann auch seine Vorwürfe („Du hast die Unschuld verurteilt!“) erzürnen die Königin nur noch mehr:

Und ich will, dass du Zeuge wirst
ihres letzten Atemzugs:
Sterben wird deine Geliebte,
wenn die Kriegskanone
drei Schüsse abgegeben hat.

Gemach im Gefängnis von Maria Stuarda

In ihrem Gemach im Schloss von Fotheringhay, wo Maria Stuarda gefangen ist, verkündet ihr Lord Cecil, begleitet von Talbot, das Todesurteil.

Maria nimmt die Nachricht scheinbar gleichmütig zur Kenntnis, schickt Cecil weg und bittet Talbot zu bleiben. Ihm verrät sie, dass sie sich große Sorgen um das Wohlergehen Leicesters macht. Sie ahnt, dass ihre Cousine auch ihrem Geliebten zürnt und muss nun erfahren, dass die Königin Leicester dazu verpflichtet hat, ihrer Exekution beizuwohnen.

Talbot verspricht Maria, für sie zu beten und tut alles, um sie im Glauben an Gott zu trösten.

Lasse dein betrübtes Leben
froh zurück in diesem Kerker.
Als Engel wirst du bei Gott,
dem Tröster, sein.
Und im Gefühl der reinen Freude
wird deine Seele vergessen
alle Schmerzen,
die dich quälten.

Ein Saal im Schloss von Fotheringhay, neben der Hinrichtungsstätte

Marias Vertraute betrachten entsetzt die für ihre Herrin bereits vorbereitete Hinrichtungsstätte. Schließlich erscheint Maria Stuart, würdevoll, in festliches Schwarz gekleidet, von Talbot begleitet. Sie trägt ihre Krone und versucht, erfüllt von Glaube und Zuversicht, ihren Frauen Trost zu spenden: „Ich gehe in ein besseres Leben, zufrieden eile ich in Gottes Umarmung.“

Schließlich lädt Maria zu einem letztes Gebet ein.

Lasst uns zusammen, teure Freundinnen,
ein letztes inniges Gebet zum gnädigen Himmel richten.
Ach! erhöre unser demütiges Gebet,
oh, gesegneter Gott der Gnade.
Nimm mich auf in den Schutz deiner Vergebung,
denn meinem Herzen bleibt keine andere Zuflucht.

Bald darauf ertönt der erste Kanonenschuss, der die Hinrichtung ankündigt. 

Lord Cecil und einige Wachen betreten den Saal, um die Verurteilte abzuholen. Maria trägt ihm auf, Elisabetta eine letzte Nachricht von ihr zu überbringen: Die „Verzeihung eines sterbenden Herzens“. Sie möge auf ihrem Thron glücklich sein, und der Himmel möge ihr Leben und Britannien segnen.

Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte, auf dem Anna ihre Herrin begleitet, taucht nun plötzlich Leicester auf, verzweifelt entschlossen, seiner Geliebten irgendwie doch noch zu helfen.

Lord Cecil versucht, ihn von Maria fernzuhalten, doch Leicester lässt sich nicht stoppen: „Hinweg mit Dir, Nichtswürdiger!“

Maria bangt um ihren Geliebten („Du besiegelst dein eigenes Schicksal!“), während der zweite Kanonenschuss ertönt, und schließlich gelingt es ihr, Leicester zu beruhigen. Zorn sei zu dieser Stunde nicht mehr angebracht. Die Kraft der Liebe sei ihr Trost und Halt.

Zuletzt, als der dritte Kanonenschuss ertönt, erscheint der Scharfrichter auf den Stufen der Hinrichtungsstätte, das Beil in der Hand. 

Während Maria Stuart, von Talbot gestützt ihre letzten Schritte tut und Leicester sein Gesicht mit den Händen bedeckt, um den Anblick nicht ertragen zu müssen, triumphiert Lord Cecil: „Nun ist der Friede England sicher, die Feindin des Reichs stirbt.“

(Zitate aus dem Libretto; Übersetzung aus „Opera Guide“)

* Das Titelbild zu diesem Beitrag zeigt Joyce DiDonato (Sopran) als Maria Stuarda in einer Produktion der Metropolitan Opera, 2013