25. Juli 2021

Auch der 2. Februar geht einmal zu Ende

George Fentons Komödien-Klassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“

• Phil Connors (Bill Murray) ist ein allzu routinierter TV-Wettermoderator für einen US-amerikanischen Fernsehsender. Vor der Kamera professionell in seiner Rolle, hinter der Kamera zynisch, egozentrisch, rücksichtslos und arrogant. Und nun soll er wieder einmal vom „Tag des Murmeltiers“ in der Kleinstadt Punxsutawney in Pennsylvania berichten.

Grauenvoll.

Immer die gleiche naiv-begeisterte Menschenmenge, die in einem Murmeltier den verlässlichen Wetterpropheten sieht und in grinsender Verzückung darauf wartet, ob das Tier an diesem Tag – dem 2. Februar des Jahres – einen Schatten wirft oder nicht. Wenn ja, dann bleibt es weitere sechs Wochen lang winterlich; wenn nein, dann steht der Frühling vor der Tür. Aberglaube.

Und noch dazu wird das arme Murmeltier Punxsutawney Phil genannt. Phil, wie er selbst. 

Murmeltiertag also. Phil produziert seinen Live Report, quittiert die Hilfe seiner Aufnahmeleiterin Rita (Andie MacDowell) und seines Kameramanns Larry (Chris Elliott) mit den üblichen herabwürdigenden Bemerkungen und will den Tag in diesem idiotischen Provinz-Nest so schnell wie möglich hinter sich bringen.

Auf der Rückreise zwingt Phil allerdings ein Schlechtwettereinbruch zur Umkehr, er muss eine weitere Nacht in Punxsutawney verbringen, und wird schließlich um 6.00 Uhr früh von seinem Radiowecker darauf hingewiesen … dass es der Morgen des Murmeltiertags ist. Abermals der 2. Februar.

Zunächst glaubt Phil noch an ein einfaches Deja-vu-Erlebnis. Aber bald wird ihm klar, dass er den Tag tatsächlich nochmals erleben muss – und nicht nur das. Er muss ihn immer wieder erleben, Dutzende, Hunderte Male. Es scheint gleichgültig zu sein, was unternimmt, selbst wenn er sich in einen Abgrund oder von einem Hochhaus stürzt … immer wieder erwacht er morgens am 2. Februar. Murmeltiertag.

Harold Ramis Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hat sich in kurzer Zeit zum Filmklassiker entwickelt, der deutschsprachige Titel (Original: „Groundhog Day“) wurde zum geflügelten Wort. Das mit dem „British Comedy Award“ ausgezeichnete Drehbuch, das der Regisseur gemeinsam mit dem US-amerikanischen Autor und Dramatiker Danny Rubin verfasste, funktioniert erstaunlicherweise in jeder Phase, ohne dass es eine Erklärung für die Ereignisse bietet. Alles entwickelt sich wie selbstverständlich, wirkt ungekünstelt, aus dem Leben gegriffen.

Aber warum eigentlich?

Einige spirituelle Theorien und Lehren gehen davon aus, dass das menschliche Leben die Bewusstseinsentwicklung fördert. Alle Erfahrungen, ob angenehm oder unangenehm, dienen demnach dazu, sich von einer rücksichtslosen, nur auf den eigenen Vorteil bedachten Ego-Fokussierung zu lösen und eine umfassende Liebesfähigkeit zu entwickeln. Der Reinkarnationslehre zufolge kann sich dieser Weg über viele Erdenleben erstrecken. Die Folgen der eigenen Entschlüsse begleiten den Menschen als sein „Karma“, fördernd oder hemmend. Auch für die individuellen Anlagen und Befähigungen wurde die Basis in früheren Erdenleben gelegt.

Das „Rad der Wiederverkörperung“ kommt für einen Menschengeist erst zum Stillstand, sobald sich sein Bewusstsein ausreichend geweitet und dem Prinzip der Liebe geöffnet hat. Was gleichzeitig bedeutet, zu sich selbst zu finden, zu höheren eigenen Natur.

Für Phil Connors endet das Rad des Wieder-und-Wieder-in-der-gleichen-Welt-Erwachens, als er erkennt, dass es nicht darauf ankommt, was er tut, sondern wie er es tut. Nachdem es ihm gelungen ist, seine Egozentrik endgültig zu überwinden und für andere da zu sein – ohne Berechnung, einfach aus Liebe.

Vermutlich hatten Harold Ramis und Danny Rubin nie die Absicht, mit ihrem Film ein Reinkarnations-Gleichnis zu schaffen oder durch die Blume eine spirituelle Gesinnung zu vermitteln. Und vermutlich ließen sich aus der Handlung auch ganz andere, weitere weltanschauliche Weisheiten herauslesen – umso besser.

Faszinierend bleibt jedenfalls, wir selbstverständlich sich die ungewöhnliche Filmhandlung mit allgemeinen Lebenserfahrungen verbindet, ohne im Mindesten als konstruiert zu irritieren oder erklärungsbedürftig zu wirken. Sie lädt zum entspannten Schmunzeln ein, transportiert gleichzeitig aber – vielleicht besser als die meisten hochphilosophischen Überlegungen – eine Botschaft, die es im 21. Jahrhundert nicht immer leicht hat: Dass es überraschend befreiend wirkt, ein guter Mensch zu sein. Und dass auch der 2. Februar einmal zu Ende geht.

(1993, 101 Minuten)