9. Dezember 2022

„Was für Unschuld! Welche Liebe! Welche Tugend!“

Ascanio in Alba

• Oper in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart 

Libretto: Giuseppe Parini (1729–1799) 
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) • 
Uraufführung: 17. Oktober 1771, Mailand (Teatro Regio Ducale) • 
Dauer: ca. 2,5 Stunden

Akte:
1. Die Landschaft von Alba
2. Die Landschaft von Alba

Hauptpersonen:
Venus
: Sopran
Ascanio, Venus’ Sohn: Sopran (Kastrat)
Silvia, eine Nymphe, Ascanios Verlobte: Sopran
Aceste, Priester der Venus: Tenor
Fauno, ein Hirt: Sopran

Kurze Werkeinführung

Die Oper „Ascanio in Alba“ gehört zu den Frühwerken von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791). Er schrieb die Oper im Alter von 15 Jahren für die Hochzeit Erzherzog Ferdinands von Österreich (1754–1806; der 4. Sohn Maria Theresias) mit Prinzessin Maria Beatrice von Este (1750–1829). Mozart stellte die Auftragsarbeit innerhalb weniger Wochen fertig.

Die Musik folgt einem Libretto des italienischen Lyrikers und Satirikers Giuseppe Parini (1729–1799). Die Oper spielt in der mythischen, von Nymphen und Hirten bevölkerten Landschaft von Alba. Es handelt sich um eine Allegorie: „Ascanio, der Sohn der Venus, steht für den Erzherzog, die Göttin für die Herrscherin Maria Theresia, die ihrem Sohn erklärt, er werde einst König von Alba. Die Braut Beatrice, symbolisiert durch die Silvia, muss zuerst eine Prüfung bestehen. Sie besteht und beweist eindrucksvoll ihre Tugend.“ (Wikipedia)

„Ascanio in Alba“ wurde am 17. Oktober 1771 im Teatro Regio Ducale in Mailand uraufgeführt. Die Oper gehört nicht zu den häufig gespielten Werken Mozarts, schaffte aber – mit einer vielgelobten Inszenierung der Salzburger Festspiele 2006 – den Sprung ins 21. Jahrhundert und findet im Rahmen der Würdigung von Mozarts Gesamtwerk bis heute Beachtung.

Die Handlung

Kurz und gut …

Wenn eine Nymphe dem Mann ihrer jahrelangen Träume plötzlich leibhaftig gegenüber steht und er sie dann auch noch heiraten darf, ist das Glück vollkommen.

1. Akt: Die Landschaft von Alba

Die Landschaft Albas ist von Nymphen und Hirten bevölkert. Die Göttin Venus erscheint in ihrem Wagen, begleitet von Grazien, Genien und ihrem Sohn Ascanio. Ihm erzählt sie, dass sie diese Gegend besonders schätze, da sie hier mit Aeneas, Ascanios Vater, glücklich gewesen sei. 

In der neu entstehenden Stadt Alba, soll er, der Sohn der Venus, regieren.

Ascanio erkundigt sich nach der Nymphe Silvia aus dem Stamm des Herkules, die ihm zur Frau versprochen ist. Er weiß, dass sie wunderschön ist, hat seine künftige Frau aber bisher noch nicht kennengelernt. 

Venus mahnt ihren Sohn zur Geduld. Aceste, ihr Priester, bereite schon die Hochzeit vor, aber Ascanio solle sich jetzt noch nicht zeigen. Die Göttin will nämlich zunächst Silvias Tugendhaftigkeit auf die Probe stellen.

Venus hat Amor, den Gott der Liebe, beauftragt, Silvias Träume zu lenken. So träumt die Nymphe bereits seit vielen Jahren von einem Unbekannten. Sie liebt diesen Mann, der Ascanios Gestalt hat, weiß aber nicht, dass es sich um Venus’ Sohn handelt, den sie heiraten soll.

Als Ascanio den Hirten Fauno trifft, der ihn nach seiner Herkunft und seinen Wünschen fragt, gibt er sich, dem Auftrag seiner Mutter entsprechend, als Fremder aus. Er liebe die Schönheit des Landes und wolle hier bleiben. 

Erfreut und zufrieden stellt Ascanio fest, dass der Hirte die Göttin Venus lobpreist, die das Land durch ihre Güte verwöhne.

Bald erblickt Ascanio den Priester seiner Mutter. Aceste nähert sich gemeinsam mit Silvia und teilt mit ihr die Vorfreude auf ihre bevorstehende Hochzeit:

Heute wirst du Ascanios Braut sein.
Du wirst der Trost, die Liebe, die Hoffnung sein.
Mit Freude und Vergnügen
Werdet ihr zusammen sein …

Ascanio ist von Silvia entzückt. Am liebsten würde er sie sofort in die Arme nehmen. Doch er folgt der Mahnung des Hirten, diese Frau nur aus der Ferne anzusehen – und dem Wunsch seiner Mutter, sich noch nicht zu erkennen zu geben.

Himmel, was habe ich gesehen, was für eine Unschuld!
Welche Liebe, welche Tugend! Wie könnte ich nicht laufen
Zu Silvias Füßen, um mich ihr zu offenbaren?
Diesmal, oh Göttin, war es schmerzhaft für mich, Dir zu gehorchen.
Oh lass diese grausame Zurückhaltung!

Doch noch muss sie Ascanio weiter üben. Venus erfreut sich derweil an dem Gedanken der neu entstehenden Stadt Alba, die von einem tugendhaften Liebespaar regiert werden wird.

2. Akt: Die liebliche Landschaft von Alba

Silvia teilt die Freude der Hirten auf die bevorstehende Hochzeit. Sie dünkt sich von allen Liebenden die Glücklichste zu sein und erwartet die Ankunft ihres Bräutigams.

Bald darauf aber erschrickt sie. Denn sie erblickt Ascanio – den Mann ihrer Träume, den sie allerdings nicht als ihren künftigen Ehemann erkennt. Schon so lange trägt sie das Bild dieses Mannes in sich – jetzt steht er wirklich vor ihr!

Auch Ascanio ist von Silvias Schönheit überwältigt. Die beiden finden sofort Sympathien füreinander, doch er gibt sich auftragsgemäß nicht zu erkennen, und sie kämpft mit dem Gedanken, ihrem künftigen Bräutigam untreu zu werden. Also entfernt sie sich wieder von ihm, betrübt über ihre Liebe zu diesem Fremden, den sie schon im Traum geschaut und geliebt hatte („Infelici affetti miei“)

Meine unglückliche Zuneigung,
Ich seufze für dich allein und leide …

Dennoch beschließt Silvia, sich in ihr Schicksal zu fügen und Ascanio, dem sie sich versprochen hatte, die Treue zu halten.

Aceste tröstet die Nymphe und führt sie bald darauf zum Altar. 

Endlich erscheint zur Hochzeit auch die Göttin Venus – und nun tritt ihr Sohn, Ascanio, an Silvias Seite. Außer sich vor Freude entdeckt die Nymphe, dass der Mann ihrer Träume auch ihr Bräutigam ist. 

Venus vereint die beiden Liebenden. Sie sollen die ihr Land als glückliche, tugendhafte Herrscher regieren und und den Ruhm ihres Geschlechtes vergrößern.

 

Hinweise:
Das Titelbild zeigt eine Inszenierung der Oper bei den Salzburger Festspielen, 2006
Zitate aus dem Libretto