5. August 2021

Die Rasenmäherwiderhakenverschwörung

… oder: Selbstbestimmung mit dem Bolzenschneider

• Vor einigen Monaten habe ich Belege für die internationale Kleidungsmarkerlverschwörung veröffentlicht. 

Kürzlich, während eines kontemplativen Gartenaufenthalts, als ich mit meinem plötzlich radikal nach rechts driftenden Rasenmäher am Maschendrahtzaun hängen blieb und das grüne Diagon-Viereck-Geflecht (auch zum Leidwesen unserer Nachbarin) für immer unschön verformte, kam ich einer weiteren Strategie der Unternehmer-Elite auf die Spur: Geräte werden gezielt mit Elementen versehen, deren Aufgabe einzig und allein darin besteht, die Umwelt zu demolieren.

Im Fall meines Rasenmähers befindet sich seitlich rechts am Gestänge ein Widerhaken, der ein paar Zentimeter nach außen ragt. Er ist fix verschweißt und müsste mit einer Eisensäge oder einem Bolzenschneider entfernt werden. 

Dem oberflächlichen Konsumenten erscheinen solche Elemente als technisch notwendig, oder wenigstens als Vorrichtungen, die vielleicht irgendwann für irgendetwas zu gebrauchen sein könnten.

Erst bei näherer Untersuchung erweist sich, dass sie in Wirklichkeit nur der Destruktion dienen. In meinem Fall zerstört der Haken Zäune, hinterlässt Kratzspuren an Wänden und Transporteinrichtungen oder, das kommt am häufigsten vor, er verfängt sich an Geäst, um den Mäher in unwegsamere Rasen-Randbereiche zu lenken, wo dann Steine Kerben in die geschliffenen Messer schlagen.

Für branchenübergeifende Obsoleszenz-Kooperationen – etwa: Maschendrahthersteller sponsert Räsenmäher-Produzenten – fand ich in meinen Recherchen keinen Hinweis. Es liegt daher nahe, dass auch die unnötigen Widerhaken jener internationalen Verschwörung zuzurechnen sind, die ich bereits am Beispiel der Kleidungsmarkerl aufdecken konnte:

Der Unternehmer-Elite geht es darum, den Konsumenten durch Störelemente unterschwellig nervlich zu reizen, um die Fokussierung seines Bewusstseins dauerhaft zu beeinträchtigen, so dass seine Kritikfähigkeit aufgeweicht wird und zugleich die Sehnsucht nach einer besseren, störelementefreien Welt zum existentiellen Bedürfnis anwächst, das dann durch die Werbung gezielt auf immer neue Produkte gelenkt wird.

Wenn das die Strategie ist, dann sollten wir Konsumenten um unserer Selbstbestimmung willen endlich zur Eisensäge greifen.

Allerdings könnte auch der österreichische Kabarettist Josef Hader Recht haben, der zu Verschwörungstheorien kürzlich meinte: „Immer wenn mir jemand zuflüstert, es gibt die koordinierte Macht über uns, sage ich: Ja, die kenn’ ich eh. Das ist die Dummheit!“

Wenn das stimmt, hilft auch der Bolzenschneider nicht.