19. Mai 2024

Nie sollst du mich, die Fee, befragen …

Die Feen

Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner

Libretto: Richard Wagner (1813–1883)
Musik: Richard Wagner (1813–1883)
Uraufführung: 29. Juni 1888, München (Stadttheater)
Dauer: ca. 3,5 Stunden

1. Akt: Feengarten; Wilde Einöde mit Felsen; Feengarten
2. Akt: Vorhalle eines Palastes
3. Akt: Festliche Halle; Furchtbare Wildnis; Furchtbare unterirdische Kluft; Feenpalast

Hauptpersonen:
Der Feenkönig
: Bass
Ada, eine Fee: Sopran
Farzana, eine Fee: Sopran
Zemina, eine Fee: Sopran
Arindal, Prinz von Tramond: Tenor
Lora, Arindals Schwester: Sopran
Morald, Loras Geliebter und Freund Arindals: Bariton
Gernot, Arindals Jäger: Bass
Drolla, Loras Zofe: Sopran
Harald, Arindals Feldherr: Bass
Gunther: Tenor

Kurze Werkeinführung

„Die Feen“ ist die erste vollendete Oper von Richard Wagner (1813–1883). Zwar hatte der deutsche Dichterkomponist davor schon an drei anderen Bühnenwerken gearbeitet, aber von „Leubold“, einem „großen Trauerspiel“, vollendete er nur den Text, und die Arbeit an einer „Schaueroper“ mit dem Titel „Die Hochzeit“ brach er ab, nachdem Familienangehörige die Handlung als schrecklich befunden hatten. Dazwischen plante der junge Richard Wagner noch eine „Schäferoper“, von der aber kein Titel überliefert ist.

Das erste öffentlich aufgeführte musikdramatische Werk Wagners war aber dennoch nicht seine Oper „Die Feen“, sondern eine Arie, die er für die Oper „Der Vampyr“ von Heinrich Marschner (1795–1861) geschrieben hatte. 

Trotz guter Kontakte zu der Theater- und Verlagsszene seiner Zeit erreichte es Richard Wagner nicht, dass seine erste fertig komponierte Oper in Dresden aufgeführt wurde.

Tatsächlich fand die Uraufführung der „Feen“ erst nach dem Tod des Dichterkomponisten statt – im Jahr 1888. Der junge Richard Strauss (1864–1949) engagierte sich damals für das Werk und studierte es im königlichen Hof- und Nationaltheater in München ein. 

Die erste Theaterproduktion dieses Wagner’schen Frühwerks wurde ein großer Publikumserfolg. In den ersten Jahren (bis 1891) wurden die „Feen“ 50 mal gespielt, später folgen Wiederaufnahmen in München und auch Neuinszenierungen in anderen Städten. 

Heute werden die „Feen“ nur noch selten aufgeführt, und vermutlich war auch der ursprüngliche Erfolg weniger der Qualität dieser „Romantischen Oper“ geschuldet, als dem allgemeinen Interesse daran, etwas noch Unbekanntes des großen Richard Wagner entdecken zu können, nachdem er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu höchstem Ruhm gelangt war.

Für ihn selbst spielten die 1833 komponierten „Feen“ nach den vergeblichen Bemühungen, die  Oper auf die Bühne zu bringen, keine Rolle mehr. Wagner wandte sich neuen Projekten zu und komponierte 1836 „Das Liebesverbot“. 

„Die Feen“ sind ein Märchen, dem der Komponist Fabeln des italienischen Theaterdichters Carlo Gozzi (1720–1806) zugrunde legte. Musikalisch erscheint die Oper von Carl Maria von Weber (1786–1826) beeinflusst, der zu Wagners musikalischen Vorbildern zählte.

Die Geschichte erzählt von der Liebe eines Menschen und einer unsterblichen Fee. 

Arindal, der Prinz von Tramond, und Ada aus dem Reich der Feen, in das der Prinz während eines Jagdausfluges geraten war, wollen einander heiraten. Doch der Feenkönig erlaubt diese Verbindung nur unter der Bedingung, dass Arindal seine Frau während der ersten acht Jahre nie fragt, wer sie sei. Das Geheimnis ihres Wesens soll bewahrt bleiben. Kurz vor Ablauf dieser Frist aber tut der Prinz es doch – und wird daraufhin aus dem Feenreich verbannt und in eine „wilde Einöde“ verbracht.

Also begibt sich Ada auf die Suche nach ihrem Gemahl, der auch der Vater ihrer beiden gemeinsamen Kinder ist – bereit, für diese große Liebe sogar ihre Unsterblichkeit zu opfern. 

Auch Arindal kann, begleitet von Gernot, seinem Jäger, nur noch an das eine Ziel denken – Ada wiederzufinden.

Aus dieser Vorgeschichte entwickelt sich der 1. Akt der Oper.
 

Die Handlung

Kurz und gut …
Nie sollst du mich befragen … Ada, die gute Fee, darf von einem Sterblichen nur unter der Bedingung geheiratet werden, dass dieser nicht wissen will, wer sie sei. Denn wahre Liebe stellt keine Fragen, und Lohengrin wirft seine Schatten voraus …


1. Akt: Feengarten

Zemina und Farzana bangen im Garten der Feen um Adas Schicksal. Sie wissen, dass sie einem „verwegnen Sterblichen in toller Liebe zugetan“ und bereit ist, für diese Liebe ihre Unsterblichkeit aufs Spiel zu setzen. Und es könnte tatsächlich geschehen, dass Ada sterben muss, denn sie ist zwar Tochter einer Fee, doch ihr Vater war ein Sterblicher.

Zemina und Farzana wollen ihr dieses Schicksal unbedingt ersparen. Sie rufen die Feen und Geister und bitten sie um Beistand und Hilfe. Der Sterbliche möge von Ada getrennt werden, damit deren Unsterblichkeit nicht mehr in Gefahr sei. 

Ein Chor sichert ihnen jede Unterstützung zu:

Wir helfen euch bei eurem Werk,
den Sterblichen zu trennen
von der geliebten Fee!

Wilde Einöde mit Felsen

Gernot, Arindals Jäger, den es gemeinsam mit den Prinzen ins Reich der Feen verschlagen hatte, durchwandert eine wilde, felsige Einöde. Überraschend trifft er hier nun nach vielen Jahren auf Gunther und auf Morald, einen alten Freund seines Herrn Arindal.

Dieser berichtet ihm, dass Arindals Vater, der greise König von Tramond, gestorben sei – „aus Gram um den verschwund’nen Sohn“. Und die Heimat sei bedroht, denn König Murold, ein alter Feind, verwüste das Reich. Der Böse wolle außerdem „die heißgeliebte teure Lora“, Arindals Schwester, ehelichen. Deshalb müsse der Prinz, der jetzt König ist, so schnell wie möglich zurückkehren. Groma, der als Zauberer „seit alten Zeiten her Beschützer ist des Königstamms“, habe ihnen den Weg zu Arindal gewiesen. Was denn in den vergangenen Jahren geschehen sei, möchte Morald wissen.

Gernot erzählt, dass er einst – „Ihr wisst, schon ist’s acht Jahre her“ – mit Arindal, seinem Herrn, zur Jagd aufgebrochen sei. Als die Nacht zu dämmern begann, habe sich ihnen eine Hirschin gezeigt, „so schön, als nimmer man geseh’n“. Sie seien dem prächtigen Tier bis zu einem Fluss gefolgt, aber ohne es erreichen zu können. Stattdessen habe Arindal plötzlich eine Stimme „mit entzückend holdem Klang“ vernommen, die ihn „mächtig nach sich zog“, so dass er „plötzlich in die Fluten sprang“, und er, Gernot, sei seinem Herren „als treuer Diener“ gefolgt. 

Schließlich seien sie in einem Schloss gelandet, wo Arindal bald „hingegossen zu eines schönen Weibes Füßen“ lag. Mit ihr habe er sich – „trotz meinem größten Widerstreben“ – getraut und zwei Kinder gezeugt. 

Doch sei dieses „Leben in Freud’ und Herrlichkeit“ an eine Bedingung geknüpft gewesen. Seine Geliebte hatte es Arindal verboten, sie in den ersten acht Jahren danach zu fragen, wer sie sei. Erst nach der Erfüllung dieses Gelöbnisses wollte sie dem Arindal ganz zu eigen sein.

Sie sprach zu ihm hinabgewandt:
„Ich liebe dich, wie du mich liebst,
doch eh’ ich ganz dein Eigen bin,
hast du noch viel zu übersteh’n.
Vor allem magst acht Jahre lang
du nimmer fragen, wer ich sei!“

So seien acht Jahre dahingeflossen, erzählt Gernot weiter – bis der verliebte Prinz gestern erst, kurz vor dem Ende der gesetzten Frist, „von heftiger Begier getrieben“ doch „in seine Gattin drang, zu sagen wer und woher sie sei“. 

Daraufhin „hörten plötzlich Donner wir erschallen“, Ada sei verschwunden, „und mit ihr das Schloss und ihre Dienerinnen“. Nun suche Arindal in dieser öden Gegend „in Verzweiflung seine Gattin“.

Gernot will von den erstaunten Freunden nun wissen, ob denn nach all den Jahren seine „liebe Drolla“ noch am Leben sei, die Zofe von Ardindals Schwester Lora. Morald bejaht. Drolla lebe und weine oft um ihn. Gernot könne sie bald wiedersehen – aber er und Arindal müssten nun unverzüglich zurückkehren in die Heimat.

Als die beiden in der Ferne Arindal erblicken, der wie besessen nach Ada sucht, halten sie es für besser, sich nicht zu zeigen und es Gernot zu überlassen, seinem Herrn beizubringen, warum er nun auch ohne die Geliebte so schnell wie möglich zurück in seine Heimat muss.

Der neue König von Tramond, der vom Schicksal seines Vaters noch nichts weiß, irrt indes verzweifelt umher. Er hat alles getan, um Ada zu finden – vergeblich:

Wo find ich dich, wo wird mir Trost?
Entfloh’n bist du, und all mein Glück mit dir!
In jede Gegend, in jeden Raum
hab ich mein spähend Auge gerichtet;
in jedes Tal, in jede Höhe
drang meiner glüh’nden Sehnsucht Seufzer!
Weh mir, vergebens all’ Bemühen!
Die Wildnis tönt von ihrem Namen,
das Echo spottet meiner Qual,
nur „Ada! Ada!“ ruft es aus!
Und keine Antwort nennet „Arindal“!
Dein Auge leuchtet mir nicht mehr!
Dein Busen, ach, erwärmt mich nicht!
Kein Kuss stillt meiner Lippen Durst!
Dein Arm umfängt mich nimmermehr,
nur Todeskälte haucht mich an!
Weh mir!
War alles denn ein Traum?

Gernot versucht nun, seinen „bejammernswerten“ Herrn davon abzubringen, weiterhin nach Ada zu suchen. Doch sein Vorschlag, gemeinsam in die Heimat zurückzukehren, stößt bei Arindal auf wenig Gegenliebe: „Ich sollte meine Gattin lassen? Schweig!“, herrscht er seinen Begleiter an.

Dieser ändert daraufhin seine Strategie und versucht nun vorsichtig, Zweifel in Arindal zu säen. 

Könnte es nicht sein, dass Ada ihn bewusst habe sitzen lassen? – „Jetzt, da sie Eurer satt, läuft sie davon!“

Wäre es nicht möglich, dass Arindal, wie er selbst, in den vergangenen Jahren nur im Bann eines bösen Zaubers gestanden sei? Dass Ada in Wirklichkeit die prächtige Hirschkuh war, die sie gejagt hatten und ihnen dann mit „Lug und Trug“ als schönes Weib erschienen sei? 

Eine ähnliche Geschichte sei doch auch von der grauslichen Hexe Dilnovaz überliefert, meint Gernot, und die habe auch nicht gut geendet:

War einst ’ne böse Hexe wohl,
Frau Dilnovaz genannt,
die war so hässlich und so alt,
als es nur je bekannt!
Doch trug sie einen Ring am Finger,
der machte jung und schön,
als hätte man in seinem Leben
nicht Schöneres geseh’n.
Sie kam zu einem König so,
betört ihn allzumal;
er machte sie zur Königin,
er nahm sie zum Gemahl!
Er war so blind in sie vernarret,
dass er nicht hört’ und sah,
und dass er nimmermehr gewahrte,
was um ihn her geschah.
Einst traf er sie in fremdem Arm
in arger Liebesglut;
da zog er seinen Degen schnell
und hieb nach ihr voll Wut!
Doch traf er nur den kleinen Finger,
an dem sie trug den Ring;
da sah er bald in der Geliebten
ein altes, hässlich‘ Ding.

Als dann auch noch ein greisenhafter, ehrwürdig wirkender Priester auftaucht und Gernots Befürchtung bestätigt, wird Arindal doch nachdenklich. Er erkennt nicht, dass es in Wirklichkeit Gunther ist, der sich als weiser Verkünder des Gotteswillens ausgibt. Und als dieser bemerkt, dass sein „närrischer Betrug“ funktioniert, setzt er noch eines drauf und verkündet mit großem Pathos, Arindal werde der Bösen, die ihn getäuscht habe, in die Hölle folgen müssen, wenn er nicht von ihr ablasse.

Allerdings haben Lug und Trug im Reich der Feen nicht Bestand. Als Gunther Arindal mit sich fort in Richtung Heimat ziehen will, lassen Blitz und Donner seine Maskerade auffliegen. 

Arindal erkennt Gunther wieder und beklagt sich bitter über dessen „Frevel“, ihn so „jämmerlich zu betrügen“.

Gernot bedauert, dass „die gutgemeinte List“ nicht funktioniert hat und vor allem, dass sein Herr wohl weiterhin nicht bereit sein werde, die Suche nach Ada aufzugeben und ihnen in die Heimat zu folgen.

Doch eine weitere List haben die Männer noch auf Lager: Mit Einbruch der Dämmerung erscheint Morald in der Gestalt von Arindals Vater und gibt sich als dessen Geist aus. Er sei, verkündet er, „aus Gram dahingestorben“, weil er seinen Sohn verloren geglaubt hatte. Und mahnend drängt er Arindal zur Rückkehr in sein Reich:

Als Geist komm’ ich, dich zu ermahnen,
dieweil dein Reich in arger Not!
Der wilde König Murold fiel
nach meinem Tod in unser Reich;
verwüstet ist es rings umher,
nur eine Stadt ist noch geblieben;
sie wird von deiner Schwester jetzt
mit ihrer letzten Kraft beschützt,
derweil du in verliebtem Wahn
dem trägen Müßiggange fröhnst!

Das Reich in Gefahr, die Schwester in Not! Arindal will nun doch sofort nach Hause eilen. Aber wieder setzen Blitz und Donner der Maskerade machtvoll ein Ende – und der „Geist des Königs“ entpuppt sich als Morald.

Erneut fühlt sich Arindal betrogen – noch dazu von einem teuren Freund! 

Morald bittet seinen König um Verzeihung. Nur aus Kummer habe er diese List gewählt. Alles, was er gesagt habe, sei wahr: Arindals Vater sei tatsächlich gestorben, das Reich liege in Trümmern und Lora brauche dringend die Hilfe ihres Bruders. Er müsst schnellstmöglich nach Hause kommen!

Schließlich willigt Arindal ein und ist bereit, seinen Gefährten zu folgen. Doch plötzlich überwältigt ihn eine große Müdigkeit. Ermattet sinkt er auf einen Stein nieder und entschlummert.

Feengarten

Als Arindal wieder erwacht, findet er zu seinem größten Entzücken die so lange gesuchte Ada vor sich. Die geliebte Frau dämpft jedoch seine Wiedersehensfreude. Sie erscheine ihm nur „zu neuer, herber Qual“. Bald werde er sie verlassen.

Arindal kann Adas kryptische Worte nicht deuten. Er versichert ihr, dass er sie liebe und ihr treu bleiben, nie von ihr weichen werde.

Nun entdecken Gernot und die Gefährten die wunderschöne Frau an der Seite ihres Königs – und sie befürchten, dass Arindal seinen Entschluss, in die Heimat zurückzukehren, doch nochmals revidieren könnte.

Den König wag’ ich kaum zu mahnen,
dass er von hier uns folgen soll.
Fürwahr, welch göttlich schönes Weib!
Sah ich wohl je so hohen Reiz?
So milden Zauber sah ich nie,
ich kann der König wohl begreifen!

Zum größten Erstaunen der Männer naht nun ein festlicher Zug von Feen, dem Farzana und Zemina voran gehen. Sie bringen Ada die Nachricht von Tod ihres sterblichen Vaters. Damit sei nun sie die Königin des Reiches. Das Volk ströme bereits von überall zur Huldigung herbei, Ada müsse ihre Aufgabe als Herrscherin erfüllen.

Arindal weiß freilich nichts vom Wesen Adas. Er versteht nicht, was von ihr verlangt wird: „Sag’, meine Gattin, mir, was soll dies Treiben all?“

Doch Ada bleibt zurückhaltend. Sie darf nicht mehr sagen, denn ihre Liebe zu Arindal hat nach dem Willen des Feenkönigs eine weitere Prüfung zu bestehen. Also teilt sie ihrem Geliebten lediglich mit, dass sie ihn verlassen müsse. Er solle seinen Gefährten in die Heimat folgen. Morgen werde Arindal sie noch einmal wiedersehen, kündigt Ada an, allerdings werde es „ein bitt’res Wiedersehen“. 

Aber was immer dabei geschehe, Arindal möge davon absehen, sie zu verfluchen:

Vernimm denn, was ich dir verkünde:
was du auch morgen sehen magst,
was dich für Schrecken auch bedroh’n,
was dir für Unheil auch begegne,
o Arindal, lass nimmer dich so weit verleiten,
mich, deine Gattin, zu verfluchen!

Arindal versteht Adas Bitte nicht. Er meint sogar, sie verspotte ihn. Doch ohne weiter nachzudenken schwört er sofort, nie und nimmer einen solchen Fluch auszusprechen.

Damit aber beginnt Ada eine entsetzliche Vorahnung zu plagen. Denn sie weiß, was nun kommen muss – und dass Arindal seinen Eid wohl doch brechen wird. Das aber würde für sie beide das Ende bedeuten: 

So lass ich dich aus meinen Armen,
wir werden bald uns wiederseh’n;
o mögest deinen Schwur du halten,
sonst musst du mit mir untergeh’n!
Leb wohl, mein Arindal,
und bleibe ewig treu!

Arindal kehrt nun als König mit den Seinen in sein Reich zurück, Ada in einem Triumphwagen als Königin in das ihre.

2. Akt: Vorhalle eines Palastes

In der Vorhalle des Palastes von Arindals Reichshauptstadt beklagen das Volk und die Krieger, dass sie dem Untergang geweiht sind. In Todesangst beten sie zu Gott um Errettung.

Lora, Arindals Schwester, ermutigt die Menschen durchzuhalten. Sie habe Morald ausgesendet, um ihren Bruder aufzusuchen und sei zuversichtlich, dass er bald zurückkommen werde.

Tatsächlich bringt ein Bote bald die frohe Kunde vom Eintreffen Arindals, des neuen Königs. 

Dieser weiß um den Ernst der Lage. Die Feinde sind überall, ein kriegerischer Befreiungsschlag erscheint unumgänglich, aber Arindal sieht seinem eigenen Schicksal bang entgegen, seit Ada sich von ihm verabschiedet hatte.

Gernot sehnte sich nach den aufreibenden Erlebnissen („der Blitz verdarb mir mein Gesicht, der Donner mein Gehör!“) nach Erholung: „Und was find ich nun hier? Von Feinden alles voll, kaum noch ein Fußbreit Lands gehöret uns!“

Gunther tröstet den Freund mit der Aussicht, er werde nun ja seine geliebte Drolla wiedersehen. Und tatsächlich kann Gernot sie nach acht Jahren der Trennung, älter und reifer geworden, bald wieder glücklich umarmen.

Da erscheinen drei Frauen in Arindals Reichshauptstadt: Ada, begleitet von Farzana und Zemina. Die Feen sind hier, um die Liebe des Königs auf die Probe zu stellen. 

Ada hätte jetzt noch die Gelegenheit, ihrem sterblichen Geliebten zu entsagen. Ihre Begleiterinnen warnen sie ein letztes Mal: Sie könne ihr ewiges Leben retten, noch habe sie die Wahl: Wolle sie aber weiterhin zu Arindal stehen, so müsse sie nun ihre schwere Aufgabe erfüllen.

Eben davor graut Ada. Denn sie wurde vom Feenkönig dazu verpflichtet, Arindal durch ein Schauspiel in so bitteres Leid zu stürzen, dass er sie darob nicht mehr lieben, sondern im Grunde nur verfluchen kann. Damit aber hätte er seinen Eid gebrochen – und beider Schicksal wäre besiegelt:

Weh mir, so nah die fürchterliche Stunde,
die all mein Glück und all mein Elend kennt!
O warum weckt ihr noch in meiner Seele
den Zweifel jener herben Wahl!
Unglückliche, wohin soll ich mich wenden?
Wie so gewiss ist nur mein Untergang,
und ach, wie ungewiss mein Sieg!
Ich häufe selbst die Schrecken an,
die Qualen leit’ ich auf ihn hin,
ich wecke Zweifel in ihm auf,
die nie ein Sterblicher erträgt!

Da erreicht auch schon der Lärm des Krieges die Hallen des Palastes. Der Feind greift wieder an! Arindal überlässt es Morald, mit seinen Männern gegen ihn zu ziehen. Er selbst ist geschwächt und gesteht seiner Schwester Lora, dass er nicht dazu in der Lage sei, den entscheidenden „heil’gen Kampf“ zu führen: „O Lora, krank ist meine Seele, und siech liegt aller Lebensmut!“

Lora weiß zunächst nicht, weshalb die Stimmung ihren Bruder „so schwer darnieder drückt“ und dass Arindals Gedanken mehr denn je um seine geliebte Ada kreisen.

Aber bald wird klar, dass der König aus einer Welt nach Hause kam, von deren Macht und Zauber hier noch niemand weiß. 

Ada erscheint in der Halle, und mit ihr zwei Kinder, die ihrem Vater – Arindal –, zunächst in die Arme stürzen, um aber gleich nach der glücklichen Begrüßung hilflos am Rande eines feurigen Schlundes zu stehen, der sich auf einen Wink Adas plötzlich geöffnet hat. 

Der entsetzte, von den schaurigen Ereignissen überwältigte Arindal will die beiden Kinder retten, doch Ada entreißt sie ihm, wirft sie in das Feuer und lässt den Schlund sogleich wieder verschwinden.

Arindal muss damit zur Überzeugung kommen, dass seine Geliebte in Wirklichkeit doch nur eine abgrundtief böse Hexe ist, die ihm alles Glück nur vorgegaukelt hatte, um ihn letztlich zu enttäuschen und zu brechen.

Nun treffen in der Halle auch noch die geschlagenen Krieger ein. Alles sei verloren, der Feind habe endgültig gesiegt, Morald sei verschwunden, entweder gefangen oder tot. Diese Nachricht, dass nun auch „der Beste“ gefallen sei, entsetzt das Volk.

Lora muss außerdem erkennen, dass ihre Hoffnung auf eine Wende im Kampf gegen König Murold enttäuscht wurde: Harald, ein treuer Feldherr, hatte ihr versprochen, Hilfe „vom Nachbarland herzuschaffen“. Nun kommt auch er als Gescheiterter zurück und berichtet, dass das Kriegsheer einer fremden Königin ihn besiegt habe:

Die besten Krieger hatte ich geworben,
und schon nicht fern mehr waren wir der Stadt,
da stellt sich uns ein Kriegsheer in den Weg,
an seiner Spitze ein gewaffnet Weib.
Sie griff uns an mit unerhörter Macht,
und alles war in kurzer Zeit zerstreut.
Dann sprach das Weib: „Geh heim zu Arindal,
sag ihm, ich sei Ada, die Königin!“

Arindal traut seinen Ohren nicht. Sofort will er von Harald wissen, ob er tatsächlich von Ada, der Frau an seiner Seite spricht. Als der Feldherr bejaht und alle entsetzt erkennen, dass offenbar die Gattin ihres Königs „mit dem Feind in Bund“ sei, gerät Arindal außer sich und klagt Ada an:

Um grausam mich zu quälen,
gabst meinen Kindern du den Feuertod,
zertrümmertest mit arger List mein Reich,
ich selbst bin der Verzweiflung preisgegeben!

Schließlich tut Arindal, was Ada bereits befürchten musste: Er bricht seinen Eid und schleudert der Fee die Worte entgegen: „Verruchtes Weib, sei denn verflucht!“

Damit ändert sich alles. Zemina und Farzana verkünden Ada erfreut, dass die Bande zwischen ihr und Arindal gelöst seien und sie ihre Unsterblichkeit behalten werde.

Und nun, da alles entschieden und nichts mehr zu ändern ist, offenbart Ada ihrem Geliebten „mit wütendem Schmerz“ die Hintergründe aller Ereignisse: Dass sie eine unsterbliche Fee sei, Arindal geliebt habe, und dass ihr eigenes Schicksal durch diesen Meineid besiegelt sei: Sie werde nun hundert Jahre lang dafür büßen müssen, einen Sterblichen begehrt zu haben:

Verloren, ach verloren! Weh, unglücklich
hast du für Ewigkeit dein Weib gemacht!
So wisse denn, wie groß die Freveltat!
Von einem Sterblichen und einer Fee
bin ich erzeugt und so der Mutter gleich unsterblich.
Da sah ich dich, und dir Meineidigen
wandt’ ich all meine heiße Liebe zu!
Sie war so groß, dass ich, um dein zu sein,
freiwillig der Unsterblichkeit entsagte!
Der Feenkönig zürnte mir darum,
und da den Rücktritt er nicht wehren konnte,
sucht er ihn dadurch zu erschweren mir,
dass er mir dieses als Bedingnis gab:
acht Jahr dir zu verschweigen, wer ich sei,
und dann den letzten Tag auf dich so viel
der Qualen und der Schrecken aufzuhäufen,
als dich verleiten könnte, mir zu fluchen!
Nur, wenn dein Herz standhaft aus Liebe sei
soll ich das Los der Sterblichkeit erhalten.
Wenn nicht, so sollte ich unsterblich bleiben
und dann noch mein Begehren dadurch büßen,
dass ich auf hundert Jahr in einen Stein verwandelt sei!
Nun denn, du kennst mein Los!

Arindal verzweifelt („O Gott, wie braust’s in meinem Hirn!“) und muss dann auch noch erfahren, dass Ada sein Reich nicht wirklich verraten habe. Alles sei nur Schein gewesen, ein Schauspiel, das der Feenkönig ihr abverlangt habe, um den Sterblichen, den sie so sehr begehrte, auf die Probe zu stellen.

In Wahrheit habe sie sich Harald nicht feindlich in den Weg gestellt, sondern den Heerführer als Verräter überführt. Denn er, nicht sie, hatte sich gegen Arindal gewendet. Und der tapfere Morald habe nicht versagt, sondern würde in dieser Stunde, gestärkt durch Adas Macht, den Feind besiegen. Arindals Reich werde befreit!

Tatsächlich erreicht den König nun die frohe Kunde vom endgültigen Sieg. Die Krieger stürmen in die Halle: „Triumph! Wir sind befreit. Erschlagen ist der Feind!“

Aber Arindal ist nicht mehr dazu in der Lage, diese Nachrichten zu verkraften („Schon fasst mich Wahnsinn an“). Auch dass auf ein Zeichen Adas die tot geglaubten Kinder wieder erscheinen, ihn umarmen, und dass sie fortan bei ihm bleiben sollen, kann am tristen Zustand seines Gemüts nichts mehr ändern.

Arindal sieht nur fassungslos, dass er Ada durch seinen Meineid enttäuscht und seine Geliebte verloren hat:

Ach Ada, hab Erbarmen,
stoß’ mich nicht ganz von dir!
Verzweiflung muss mich fassen,
Wahnsinn mein Ende sein!

Schon versinkt Ada „unter Donner und Blitz“. Für 100 Jahre soll sie nun, in einen Stein verwandelt, büßen.

3. Akt: Eine festliche Halle

Arindal, der rechtmäßige König des Reiches, ist dem Wahnsinn verfallen. Da er sein Land nicht regieren kann, hat seine Schwester Lora gemeinsam mit Morald den Platz auf dem Thron eingenommen. Wie auch Drolla, Gernot und Gunther freuen sie sich zwar über den Sieg, der mit Adas Hilfe gegen den feindlichen König Murold errungen werden konnte, aber sie beklagen das Geschick ihres Königs und beten für dessen Genesung.

Arindal jedoch ist in schrecklichen Visionen gefangen. Er erlebt sich im Reich der Feen, wie er eine Hirschin jagt und sie mit seinem Pfeil erlegt – um dann zu erkennen, dass er seine Frau getötet hat … der er sich immer noch verbunden fühlt, die er aber, selbst verflucht, nicht mehr erreichen kann.

Er schaut Ada, die ihr Schicksal beklagt:

Mein Gatte Arindal,
was hast du mir getan?
Es schließt ein kalter Stein
die heiße Liebe ein.

Der König schaut jedoch auch den alten Zauberer Groma – und dieser ermutigt ihn, nach Ada zu suchen. Er solle nicht zaudern, sondern sich „von Mut und Lieb’ erfüllt“ auf den Weg machen. Es gebe noch Hoffnung für ihn. Er könne „das Höchste erreichen“ und Ada retten!

Doch auf seinem Weg zum Glück benötige er Schild, Schwert und Leier …

Furchtbare Wildnis

Als Arindal erwacht, sieht er sich den Feen Zemina und Farzana gegenüber. Die beiden wissen, dass der König, angeregt durch Groma, neuen Mut gefasst hat und fragen ihn, ob er Ada tatsächlich befreien wolle. Als Arindal bejaht, erklären sie sich bereit, ihn zu der Versteinerten zu führen.

In Wirklichkeit aber sinnen Zemina und Farzana auf sein Verderben. Denn sie wissen, dass es in Ardinals Macht liegt, Ada durch seine Gegenwart zu erlösen – was die Unsterblichkeit der Fee erneut gefährden würde.

Jedoch vertrauen die beiden darauf, dass dieser schwache Mann, dessen Meineid und Vermessenheit Ada so sehr geschadet habe, im bevorstehenden Kampf – dort, „wo Feenkraft nur siegt“ – zwangsläufig unterliegen werde: 

Wir leiten gern ihn hin zu ihr,
denn uns erfreut sein Untergang!

Arindal folgt den beiden Feen.

Furchtbare unterirdische Kluft

Zemina und Farzana haben den König in eine „furchtbare unterirdische Kluft“ geführt, die „von einer dunklen Schreckenspforte umschlossen“ ist. Aber hier, wo Arindal seine geliebte Ada vermutet, stellt sich ihm nun eine „schreckensvolle Überzahl“ von Erdgeistern entgegen, die jedem Sterblichen den Eintritt verwehren.

Die beiden Feen hoffen, dass Arindal in diesem ungleichen Kampf („Kleinmütiger, dir bangt?“) untergehen wird, aber der König vernimmt nun die Stimme Gromals, der ihn anweist, zu seinem Schild zu greifen – und es gelingt ihm tatsächlich, die Schar der Geister zu bezwingen.

Zemina und Farzana meinen, dass Arindal dies nur durch die „fremde Macht“ des Zauberers gelingen konnte, sind aber zuversichtlich, dass er an der nächsten Hürde scheitern wird: Dem König stellt sich nun ein Heer eherner Männer, „fest aneinander gereiht“ entgegen. 

Aber nachdem sich Arindal, einem weiteren Zuruf Gromals folgend, auf sein Schwert besinnt, gelingt es ihm, auch diese Mauer zu überwinden. Und so ist für ihn nun der Weg „zum höchsten Heiligtum“ frei – dorthin, wo er zuletzt auf die versteinerte Ada trifft.

Arindal erlebt nun ein Wechselbad der Gefühle – aber er noch hat er keine Idee, wie er seine Geliebte zurück ins Leben rufen könnte:

Allmächtiger, wie trag ich diesen Anblick?
Wie nenn ich das Gefühl, das mich durchbebt?
Ist’s Wonne, die mir wird durch ihre Nähe?
Ist es Entsetzen, so sie zu erblicken?
Ah, welche Wehmut füllt mein armes Herz.
O Ada! Wie vernichte ich den Fluch?

Zemina und Farzana frohlocken schon, denn offenbar findet Arindal keinen Weg, um den Stein zu entzaubern. Und sie warnen den König: Er sei zwar „bis hierher in der Feen Heiligtum“ vorgedrungen, aber wenn es ihm jetzt doch nicht gelinge, Ada zu befreien, so müsse er selbst „mit ewiger Verwandlung in Stein“ rechnen.

Und Gromal bringt noch einmal Hilfe: Er rät Arindal, an dieser Stelle nicht zu kämpfen, sondern seine Leier zu ergreifen. Und dem König ist unmittelbar klar, was er zu tun hat: Er wird den Stein mit „heißer Liebe, Sehnsucht und Verlangen“ entzaubern – und begleitet auf dem Instrument seinen Gesang:

O ihr, des Busens Hochgefühle,
die hold in Liebe sich umfah’n!
Und du Verlangen, heißes Sehnen,
mit deinem wonnesüßen Schmerz!
Euch ruf ich auf, aus meinem Busen,
aus meiner Seele schwingt euch auf!
Zusammen fließe all Empfinden
in holder Töne Zaubermacht,
und flehet an den kalten Stein:
gib meine Gattin mir zurück!

Das Wunder geschieht: Ada erwacht wieder zum Leben und erblickt glücklich ihren Geliebten:  „Jetzt kann mich keine Macht dir rauben!“

Feenpalast

In einem „herrlichen Feenpalast, von Wolken umgeben“, steht Arindal dem Feenkönig gegenüber. Dieser ist nun von seiner Tugendhaftigkeit überzeugt – und belohnt ihn mit Unsterblichkeit:

Du Sterblicher drangst ein in unser Reich,
und die unendliche Gewalt der Liebe
verlieh dir jene hohe Kraft, die nur
Unsterblichen zu eigen ist verlieh’n!
So wisse denn: durch deine Schuld als Mensch
bleibt Ada jetzt unsterblich, wie sie war;
doch, der sie uns mit Götterkraft entwunden,
ist mehr als Mensch, unsterblich sei, wie sie!

Arindal darf für immer mit Ada zusammen im Feenreich bleiben – eine Entscheidung, die auch Zemina und Farzana versöhnlich stimmt. Er folgt dem Ruf seiner Gattin, entsagt dem eigenen Königreich und ernennt Morald und Lora als Herrscher über Tramond. Er werde ihnen den Schutz des „höh’ren Reichs“ gewähren, in dem er nun verbleiben darf.

Und alle sind von Arindals mutigem Kampf um seine Geliebte berührt und besingen froh das Schicksal dieses Helden:

Ein hohes Los hat er errungen,
dem Erdenstaub ist er entrückt!
Drum sei’s in Ewigkeit besungen,
wie hoch die Liebe ihn beglückt!

 

Hinweise:
Alle Zitate aus dem Libretto
Foto: „Die Feen“ in einer Aufführung des Theaters Regensburg, 2014 © Martin Sigmund